Tektronix im M&T-Exklusiv-Interview »Wir wollen uns nicht komplett neu erfinden«

Dave Farrell, Tektronix

»Wir wollen uns 
vom rein Hardware-fokussierten Messtechnik-Hersteller hin zu einem Applikations-getriebenen Lösungsanbieter entwickeln.«
Dave Farrell, Tektronix: »Wir wollen uns vom rein Hardware-fokussierten Messtechnik-Hersteller hin zu einem Applikations-getriebenen Lösungsanbieter entwickeln.«

Tektronix tritt künftig mit einem neuen Logo und einer neuen Markenstrategie auf. Was steckt dahinter? Ein groß angelegter Richtungswechsel? Oder »nur« ein Facelift? Und was ändert sich für die Kunden? Markt&Technik sprach mit Dave Farrell, Vice President EMEA von Tektronix, über die Hintergründe.

Markt&Technik: Neues Logo, neue Markenstrategie. Das hört sich nach einem massiven Umbruch an. Was passiert gerade bei Tektronix?
Dave Farrell: Nun, die Anforderungen des Marktes und der Kunden haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Dem müssen wir als Messgerätehersteller einfach Rechnung tragen. Daher haben wir überlegt, wie wir uns intern aufstellen müssen, um unseren Kunden der bestmögliche Partner zu sein. Aus diesen Überlegungen heraus ist unsere neue Markenstrategie entstanden, die wir - quasi als äußerliches Zeichen des Wandels - mit einem neuen Logo begleiten.

Was genau meinen Sie, wenn Sie sagen, die Anforderungen hätten sich verändert?
Das Tempo der Entwicklungen in der digitalen Welt legt massiv zu, Kunden müssen immer schneller werden mit ihren Designs, Zeit für aufwändige Fehleranalysen gibt es nicht mehr. Hinzu kommt, dass die Komplexität der einzelnen Technologien zunimmt. Denken Sie nur an die vielen Produkte, die digitale, analoge und Hochfrequenz-Anteile integrieren. All das zusammengenommen bedeutet für den Entwickler, dass sein individuelles Expertenwissen in seinem Spezialbereich oft nicht mehr ausreicht. Vielmehr muss er jetzt ein viel breiteres Know-how mitbringen, muss in der Lage sein, innerhalb kürzester Zeit komplexe Messungen und Tests durchzuführen. Genau hier setzt unsere neue Markenstrategie an: Wir wollen uns vom rein Hardware-fokussierten Messtechnik-Hersteller hin zu einem Applikations-getriebenen Lösungsanbieter entwickeln.

Woher wissen Sie, dass es genau das ist, was die Kunden wollen?
Wir wollten eine einzigartige Positionierung auf dem Markt - dazu mussten wir wissen, wie unsere Kunden uns sehen möchten. Daher haben wir intensive Studien durchgeführt, in die wir insgesamt gut eineinhalb Jahre Zeit investiert haben. Unter anderem haben wir rund 1400 Personen weltweit befragt, wie sie Tektronix als Messtechnikhersteller sehen möchten und worauf sie am meisten Wert legen. Zu den Befragten zählten sowohl Tektronix- und Keithley-Kunden als auch Mitarbeiter. Das Ergebnis war eindeutig: Kunden wollen eine umfangreiche Applikations-bezogene Unterstützung, wollen weg vom hardwarebasierten Produktkauf. Sehen Sie, früher waren die Banner-Spezifikationen das wichtigste Kaufkriterium. Die besten Hardware-Eigenschaften zu haben, ist auch heute noch wichtig. Zunehmend kaufen Kunden jedoch ein Messgerät, weil genau dieses eine Gerät das Beste für ihre spezielle Applikation ist. Genau das ist unsere künftige Stoßrichtung. Intern müssen wir die Weichen in Richtung Applikationsfokus stellen. Dabei möchte ich betonen, dass Tektronix sich hier nicht neu erfindet. Wir haben bereits jetzt ein breites Angebot an applikationsspezifischen Softwarepaketen. Doch das reicht noch nicht, wir müssen diese Richtung noch stärker verfolgen und konsequenter umsetzen.