50 Jahre Feinmetall – eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte »Wir sind auch für die nächsten 50 Jahre gut gerüstet«

Welche technischen Trends werden die Zukunft bestimmen?

Mit der fortschreitenden Miniaturisierung verändern sich auch die Chip-Architekturen. Ich denke da etwa an Copper Pillar Flip Chips oder an TSV 3D Chips, also gestapelte Chips, bei denen jede einzelne Schicht geprüft werden muss. Alle diese Architekturen stellen die Prüfkontaktierung vor neue Aufgaben. Aber auch hier sehe ich uns gut gerüstet, und unsere Forschungsabteilung arbeitet stetig an neuen Lösungen. Ein weiterer Trend ist sicherlich die Beherrschung hoher Frequenzen. Diese Entwicklung haben wir früh erkannt – unsere Prüfkarten sind bereits jetzt bis in den Gigahertz-Bereich hinein einsetzbar.

Feinmetall verbuchte mit Kontaktstiften und Prüfkarten im Jahr 2012 27 % Umsatzplus, im Jahr 2013 noch einmal 24 % auf mittlerweile über 40 Millionen Euro. Erwarten Sie für 2014 erneut ein solch überdimensionales Wachstum?

Wir sind aktuell sehr gut ausgelastet und fahren bereits Sonderschichten, um alle Aufträge termingetreu auszuliefern. Dazu bauen wir derzeit auch Kapazitäten auf.

Was ist »das Geheimnis des Erfolges«?

Zum einen macht es sich bemerkbar, dass wir stabil und gut ausbalanciert auf zwei Standbeinen stehen, deren Zielbranchen oft völlig unterschiedliche Konjunkturzyklen aufweisen. Aber auch die Tatsache, dass wir in den vergangenen Jahren massiv in die Internationalisierung investiert haben trägt zum Erfolg bei. Um nah beim Kunden zu sein, haben wir Niederlassungen in Mexiko, USA, Taiwan, Singapur und China aufgebaut. Mittlerweile liegt unser Exportanteil bei über 70 Prozent. Ich erwarte, dass dieser Anteil sogar noch steigen wird, denn wir haben in den vergangenen Jahren viel dazu gelernt, beispielsweise, wie man in diesen Ländern effizient Vertrieb macht, wie man sich kulturell richtig aufstellt, sich einen schnellen Zugang zum Markt verschafft – und vor allem, wie man qualifizierte Mitarbeiter findet. Denn damit steht und fällt das gesamte Geschäft.

Feinmetall ist ein privat gehaltenes, mittelständisches Unternehmen. Welche Vorteile bringt das?

Durch unsere Unabhängigkeit von den großen Kapitalmärkten haben wir uns eine Eigenständigkeit bewahrt, die uns deutlich größere Entscheidungsspielräume lässt. Wir können uns ganz auf unser organisches Wachstum konzentrieren und müssen nicht auf Shareholder Value oder die Erwartungen externer Geldgeber achten. Unabhängig von Fremdkapital zu bleiben hat uns auch in der Krise 2008 sehr geholfen. Es ist uns wichtig, das Unternehmen als soziales System zu erhalten, in dem wir unseren Mitarbeitern auch langfristig Perspektiven, Stabilität und Sicherheit bieten können. Das war schon immer unser Prinzip und ich sehe keinen Grund, das zu ändern.

Wären Sie gewappnet für eine nächste Krise?

Das ist in der Theorie schwer zu beantworten. Aber ich bin diesbezüglich nicht ängstlich. Wir waren bis Anfang Oktober 2008 – als uns die Krise ereilte – in einer absoluten Aufschwungphase. Von einem Tag auf den anderen war alles anders: panische Reaktionen und eine gewisse Schockstarre allerorten. Mehr als 50 Prozent unseres Umsatzes haben wir 2009 eingebüßt. Aber genauso schnell, wie es passierte, ging es auch wieder aufwärts: 2010 waren wir nahezu wieder auf Vor-Krisenniveau. Aus dieser Erfahrung kann man nur lernen und beim nächsten Mal anders reagieren.