Rohde & Schwarz »Wir müssen uns noch stärker als Teil einer Gesamtlösung sehen«

Die wichtigsten Standbeine für die Zukunft

Welchen Stellenwert hat das Oszilloskop-Segment für Rohde & Schwarz aktuell?

Einen überaus hohen. Der Scope-Markt wird auf ca. 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Insofern ist dies ein wichtiges Wachstumsfeld für uns.

Bislang fokussiert Rohde & Schwarz auf die unteren und mittleren Bandbreiten. Ist ein Ausbau in höhere Bereiche geplant?

Man muss genau abwägen: Wie groß ist der Markt wirklich? Was ist Nische, was ein echter Business-Case? Und was hängt außer der Hardware noch daran? Perspektivisch möchten wir ein komplettes Sortiment anbieten können.

Wie stellt sich der Messtechnikmarkt derzeit generell dar?

Von außen betrachtet und von Prime Data belegt, entwickelt er sich bestenfalls seitwärts. Die Wachstumsprognosen liegen bei zwei bis drei Prozent über die nächsten Jahre. Die gute Nachricht für uns: Rohde & Schwarz wächst stärker als der Markt.

Worauf führen Sie das zurück?

Einer der wesentlichen Gründe ist sicherlich die immer konkreter werdende 5G-Entwicklung. Vor einem Jahr waren die Kunden noch recht zögerlich mit ihren Investitionen, unter anderem weil die Frequenzen noch nicht klar definiert waren. Jetzt hat die FCC die Frequenzbereiche 28 und 39 GHz festgelegt und im Dezember wird die 1. Version des Standards erwartet. Das heißt, die Mobilfunkanbieter, die bislang auf maximal 6 GHz eingerichtet waren, müssen sich jetzt mit Investitionen in den höheren Frequenzen beschäftigen. Das steigert die Nachfrage nach entsprechendem Messequipment. Weitere Trends, die die Messtechnik – und damit auch unser Geschäft – treiben, sind das autonome Fahren, die Car-to-Car- und Car-to-Infrastructure-Kommunikation und die automotive Sensorik. Im Zuge dessen wachsen Mobilfunk, Sensorik und Automotive-Test immer mehr zusammen. Die einzelnen Technologien müssen sich zunehmend ergänzen. Das wiederum bringt neue Herausforderungen für die Messtechnik mit sich.

Welche Märkte werden in Zukunft die wichtigsten Standbeine für Rohde & Schwarz sein?

Der Mobilfunk ist und bleibt ein wichtiges Thema für uns. Der Komponententest ist im Kommen. Und auch die zunehmende Verschmelzung von Satellitennavigation, standortbezogenen Diensten und Positionssensorik gewinnt für uns an Bedeutung, denn all dies im Zusammenspiel zu testen ist eine echte messtechnische Herausforderung. Die wir im Übrigen bereits mit unserem Vector Signal Generator SMW200A adressieren und bewältigen…

Abschließend: Wo sehen Sie den Geschäftsbereich Messtechnik in fünf Jahren?

Wir haben klare Wachstumsziele definiert, die ich an dieser Stelle natürlich nicht detailliert ausführen kann. Dennoch: Wir streben in den nächsten fünf Jahren ein Wachstum in deutlich zweistelliger Höhe an. Und das bei einem nahezu stagnierenden Marktvolumen.

Ein ehrgeiziges Ziel…

Ja, aber nicht utopisch. 5G, autonomes Fahren, Security, Value Instruments, Oszilloskope – es gibt viele Märkte, die Wachstumspotenzial für Rohde & Schwarz bieten. Wir wollen in den nächsten Jahren unter anderem im Automobilmarkt stärker werden. Dabei setzen wir auf die stärkere Kombination unseres Know-hows aus dem Mobilfunk- und Automotive-Test-Segment. Ein weiteres Wachstumsfeld, das wir ausbauen wollen, betrifft unsere Körperscanner. Sie sind mittlerweile auf vielen Flughäfen fest etabliert, und mit dem zunehmenden Bedarf an Sicherheitstechnik entsteht hier für uns ein großes Potenzial für die kommenden Jahre. Übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Vor wenigen Wochen haben wir für unsere Körperscanner das US-amerikanische TSA-Approval erhalten. Das ist ein großer Meilenstein für Rohde & Schwarz, denn nun können wir die Geräte auch in den USA verkaufen.

Einige abschließende Worte?

Der Begriff „Lösungsanbieter“ ist zwar etwas abgegriffen, dennoch ist es genau das, was der Kunde braucht. Mir ist wichtig, dass wir vom Kunden als diejenigen wahrgenommen werden, die sein (Mess)-Problem am besten verstehen und dann die beste Lösung dafür bieten. Das heißt, wir wollen nicht nur der Hersteller sein, der das Produkt mit den besten Features anbietet, sondern vielmehr als Partner gesehen werden, der dem Kunden hilft, seine grundlegenden messtechnischen Herausforderungen zu lösen.