Rohde & Schwarz »Wir müssen uns noch stärker als Teil einer Gesamtlösung sehen«

Ausrichtung des Geschäftsbereiches Messtechnik

Hilft Ihnen Ihre Erfahrung aus dem Mobilfunkmarkt jetzt?

Nun, sie hat mir bereits über die vergangenen Jahre geholfen. Nicht nur in Bezug auf die schnelle und effiziente Entscheidungsfindung, sondern vor allem durch die intensiven und langjährigen Kundenbeziehungen.

Gibt es Dinge im Geschäftsbereich, die Sie ändern möchten oder die Sie bereits geändert haben?

Wir sind in vielen Bereichen bereits sehr gut aufgestellt. Dennoch werden wir künftig unsere Kompetenzen in der Entwicklung stärker kombinieren müssen, um den Kunden einen echten Mehrwert bieten zu können. Ein Beispiel: Im Mobilfunkmarkt lag die Frequenzgrenze bislang bei 6 GHz. Mit 5G und den damit verbundenen höheren Frequenzen kommen jedoch völlig neue Herausforderungen auf die Kunden zu. Das kabelgebundene Testen wird weniger werden.

Der Trend für die Zukunft liegt im Over-the-Air-Testen. Damit erlangen Faktoren wie Dämpfung, Störeinflüsse etc. eine ganz neue Bedeutung für die Kunden. Genau hier kommt uns unsere jahrzehntelange Erfahrung in der Mikrowellentechnologie und im EMV/EMC-Test zugute. Wenn wir also unsere Kompetenzen aus dem klassischen Mobilfunk mit dem Mikrowellen- und EMV-Know-how enger zusammenführen, profitieren letztendlich unsere Kunden davon. Wir müssen also vom produktbezogenen Denken zu einem auf das Ganze schauenden Ansatz kommen. Das wiederum erfordert eine noch intensivere Zusammenarbeit als bislang.

Gehen damit auch organisatorische Änderungen einher?

Nein, aber wir alle müssen uns noch stärker als Teil einer Gesamtlösung sehen und mehr in Marktsegmenten denken als in Produkten.

Wie lässt sich dieses Umdenken in die Praxis umsetzen?

Nun, wir müssen noch stärker den Kunden und dessen Problemstellung in den Fokus unseres Denkens stellen. Um die optimale Lösung für den Kunden bereitzustellen, müssen auch unsere Entwickler noch stärker in den direkten Kontakt mit dem Kunden treten, mehr Zeit bei ihnen vor Ort verbringen. Denn der Entwickler braucht das direkte Feedback des Kunden, um dessen Herausforderungen zu verstehen und die exakt darauf zugeschnittene Lösung erarbeiten zu können.

Möchte ein Entwickler überhaupt zum Kunden? Sie erwähnten eingangs, dass Sie selber zu Beginn Ihrer Laufbahn bei Rohde & Schwarz eigentlich nur entwickeln wollten…

Ich denke, unsere heutige Entwicklergeneration ist durchaus kundenaffin. Natürlich ist es typabhängig, ob man sich in der direkten Kommunikation mit dem Kunden wohlfühlt. Aber letztendlich sprechen die Entwickler ja nicht mit Finanzexperten über Preise und Konditionen, sondern mit Technikern und Ingenieuren, die selber tief in der Materie stecken. Für beide Seiten ist es wichtig, einen Gesprächspartner auf Augenhöhe zu haben.

Welche Ausrichtung wird der Geschäftsbereich Messtechnik in Zukunft nehmen?

Bislang haben wir unseren Fokus auf den High-End- und den Mid-Range-Bereich gelegt. Aber der Preisdruck nimmt zu – auch bei unseren Kunden. Daher haben wir vor einigen Jahren begonnen, uns mit den Value Instruments auch in der unteren Preisklasse zu etablieren. Wir sprechen hier von einem Marktvolumen von rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Hier sehe ich für Rohde & Schwarz ein großes Wachstumspotenzial.

Ist das Unternehmen dafür gut aufgestellt?

Zunehmend besser. Wir bauen unser Portfolio im Value-Instruments-Segment kontinuierlich aus. So haben wir mittlerweile beispielsweise ein rundes Angebot im Bereich der Oszilloskope, Spektrumanalysatoren, Stromversorgungen und Meters.

Stichwort Oszilloskope: Vor sieben Jahren ist Rohde & Schwarz in den Scope-Markt eingetreten. Damals mit dem Ziel, die Nummer 3 am Markt zu werden. Wie ist der aktuelle Status?

Die Nummer drei sind wir noch nicht, aber wir kommen ihr immer näher. Unsere Kunden nehmen unsere Kompetenzen und Lösungen mehr und mehr wahr, und von den Mitbewerbern werden wir zunehmend ernst genommen. Unser Vorteil ist, dass wir in privater Hand sind. Wir können es uns erlauben, unsere Pläne langfristig zu verfolgen, ohne Gefahr zu laufen, dass wir aufgeben müssen, wenn wir ein bestimmtes Ziel nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt erreicht haben. Und wer uns kennt, weiß: Wir geben nicht auf.