Interview mit Turck Duotec »Wir müssen antizipieren, was der Kunde in Zukunft braucht«

Arthur Rönisch, 
Turck Duotec
»Für uns ist es wichtig, nah am Kunden und früh im Entwicklungsprozess involviert zu sein und innovative, vor allem aber maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.«
Arthur Rönisch, Turck Duotec: »Für uns ist es wichtig, nah am Kunden und früh im Entwicklungsprozess involviert zu sein und innovative, vor allem aber maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.«

Turck Duotec hat sich verändert: Vom reinen Fertigungsdienstleister hin zum Entwicklungspartner für eine Vielzahl von Technologien. So birgt beispielsweise die Sensorik großes Zukunftspotenzial für das Unternehmen, wie Arthur Rönisch, Geschäftsführer von Turck Duotec, erklärt.

Markt&Technik: Vor 31 Jahren ist Turck Duotec an den Start gegangen. Wie hat sich der Fokus des Unternehmens seither verändert?

Arthur Rönisch: Zunächst einmal hat sich die Industrie selber massiv verändert – und damit waren natürlich auch wir gefordert, umzudenken. Schon früh hat die Turck-Gruppe das eigene Portfolio um Elektronikdienstleistungen für Kunden ergänzt und deshalb die Duotec gegründet. Das war zur damaligen Zeit ein sehr gutes Konzept. Denn indem wir für die Kunden mitproduzierten, konnten wir unsere eigenen Maschinen besser auslasten und Fixkosten verteilen. Das war lange Jahre so, und damit ist die Turck-Gruppe auch extrem gewachsen.

Mittlerweile ist aber ein weiteres Geschäftsfeld zu einem wichtigen Standbein für Turck Duotec geworden: Die eng mit der Fertigung verbundene Entwicklungsdienstleistung. Der Bedarf ist hoch, denn immer mehr Unternehmen versuchen, Elektronik in ihren Produkten einzusetzen, auch wenn es nicht ihre Kernkompetenz ist. Denken Sie beispielsweise an Spielzeug, Zahnbürsten, Fahrräder oder an das Auto: Vieles von dem, was früher mechanisch geregelt war, ist heute in Elek­tronik und Sensorik realisiert. Das trägt zwar massiv zur Steigerung des Komforts, der Energieeffizienz und der Sicherheit bei, braucht aber auch ein hohes Know-how der Hersteller in diesen Bereichen. Das bieten wir unseren Kunden ergänzend zu den EMS-Dienstleistungen an.

Welchen Stellenwert nimmt die Sensorik dabei ein?

Wir sehen hier ein sehr großes Potenzial für Turck Duotec. Denn die Sensorik ist die Grundlage für nahezu alle Innovationen – sei es in der Automobilbranche, der Medizintechnik, der Industrie, der Gebäudeautomatisierung oder in beliebigen Bereichen des täglichen Lebens. Kunden haben oft tolle Produktideen, aber nicht die erforderliche Kernkompetenz, um diese auch zu realisieren. Hier setzen wir an: Wir helfen, Elektronik und Sensorik im jeweiligen Endprodukt umzusetzen – das bringt unseren Kunden einen schnelleren Markteintritt und ein geringeres Risiko.

Hat sich diese Entwicklungsdienstleistung am Markt etabliert? Anders gefragt: Kommen die Kunden aktiv auf Sie zu oder akquirieren Sie Ihre Projekte?

Teils, teils. Oft ist es eine Kombination aus eigenen Ideen und Weiterentwicklungen von Projekten diverser Forschungsnetzwerke. Wir arbeiten eng mit Industrie und Forschung zusammen, haben dadurch einen guten Einblick in die Entwicklungen im Markt und somit auch einen guten Marktzugang.

Sensorik ist ein komplexes Thema. Bauen Sie eigenes Know-how auf oder setzen Sie auf Partnerschaften?

Natürlich wächst mit der Nachfrage nach Sensorik auch die Anforderung, das entsprechende Know-how hausintern vorzuhalten. Aber in Deutschland gibt es auch eine tolle Ingenieurs- und Forschungslandschaft. Die muss man nutzen und Partnerschaften eingehen. Dann kann sich jeder weiterentwickeln und beide Partner können gemeinsam wachsen. Generell ist das Thema Partnerschaft meines Erachtens ein zunehmend wichtiges. Das erkennen mittlerweile auch viele große Kunden; wir haben die Erfahrung gemacht, dass auch sie offener mit Zulieferern umgehen und sie schon früh in die Vorentwicklung hineinnehmen. Denn auch große Kunden können nicht alles selber realisieren. Es werden Spezialisten gesucht, Partner eben. Hier ist derzeit ein Umdenken zu spüren – ein notwendiges Umdenken. Um daran teilhaben zu können, muss man schnell sein und für hohe Qualität und Zuverlässigkeit stehen. „Hemdsärmelig“ ist heute nicht mehr möglich. Man muss von vorneherein fokussiert und hochspezialisiert in den Markt hineingehen.