Rohde & Schwarz behauptet sich im Oszilloskop-Geschäft »Wir haben uns schon immer durch Geduld und einen langen Atem ausgezeichnet«

Roland Steffen, Rohde & Schwarz: »Unsere R&S RTO-Scopes verfügen über mehrere technische Alleinstellungsmerkmale, die klare Pluspunkte gegenüber den anderen Geräten im Markt sind.«
Roland Steffen, Rohde & Schwarz: »Das Geld für unnötiges Reporting stecken wir lieber in die Entwicklung. Das hat uns in unserer bisherigen Firmengeschichte zum Erfolg verholfen und wird es auch jetzt wieder hinsichtlich des Oszilloskop-Geschäfts tun.«

Rohde & Schwarz blickt auf ein Rekordjahr zurück: Mit einem Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro verzeichnete der Konzern im Geschäftsjahr 2010/2011 den höchsten Umsatz seiner Firmengeschichte. Einen noch kleinen, dafür aber konstant wachsenden Anteil daran hatten die vor gut einem Jahr erstmals vorgestellten Oszilloskope. Markt&Technik sprach mit Roland Steffen, Executive Vice President und Head of Test and Measurement Division von Rohde & Schwarz über den Oszilloskop- und Messtechnik-Markt als solchen und über die Strategien des Unternehmens.

Markt&Technik: Rohde & Schwarz hat erneut ein Rekordergebnis erzielt: Mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz liegt das Wachstum gegenüber dem Vorjahr bei 25 Prozent. Welchen Anteil hatte die Messtechnik daran?

Roland Steffen: Der Messtechnik-Bereich hat überproportional zum diesjährigen Erfolg beigetragen, allerdings war er zuvor auch ganz wesentlich daran beteiligt, dass das Ergebnis im deutlich von der Krise gekennzeichneten Jahr 2009/2010 nicht optimal war. Projektgeschäfte sind in der Messtechnik nicht so langfristig angelegt wie etwa in der Sicherheits- oder Funktechnik. Wenn ein Anwender heute etwas braucht, macht er sich sofort auf die Suche nach dem passenden Gerät. Die Auswirkungen auf das Geschäft sind entsprechend unmittelbarer zu sehen als in einem Segment, in dem ein Auftrag schon mal zwei Jahre brauchen kann. Aber die 25 Prozent Wachstum haben auch einiges an Investition und Mehrarbeit in den Werken erfordert. Wir haben stark in unsere Fertigungseinrichtungen investiert, haben sogar die Büros in Container ausgelagert, um mehr Produktionskapazitäten zu haben. Und wir sind noch nicht fertig damit. Im Gegenteil, in Aussicht auf ein weiteres Wachstum bauen wir unsere Fertigung weiter aus.

Wie hoch ist das angestrebte Wachstum?

Unsere Firmenstrategie gibt uns das Ziel klar vor: Wir wollen jedes Jahr mindestens zweistellig wachsen.

Ist das in der heutigen Zeit realistisch?

Nun, wenn man wie wir in jedem für uns adressierbaren Markt erster oder zweiter sein will, muss man stärker wachsen, als der Markt. Entsprechend müssen wir uns ranhalten und unsere Ziele nachhaltig verfolgen.

Im Bereich Mobile Radio Testing sind Sie bereits die Nummer eins, in vielen anderen Messtechnik-Segmenten Nummer zwei. Wie gehen Sie vor, um sich dort an die Spitze zu setzen?
Wir halten das ähnlich wie ein Teilnehmer bei den Olympischen Spielen: Wir wollen zunächst einmal gute Zeiten laufen, nicht gleich den Zieleinlauf als Erster erreichen. Aber wir strengen uns an. Und unsere Strategie gibt uns ja auch Recht. Nicht umsonst sind wir zum Global Player in der Kommunikationsmesstechnik geworden.

Welche Faktoren sehen Sie auf dem Weg zur Spitze als die wichtigsten an?

Es gibt zwei maßgebliche Faktoren: Erstens die Präsenz, zweitens weltmarktfähige Produkte. Beide sind eng miteinander verbunden. Wir sind bereits an über 55 Standorten weltweit vor Ort und bauen unsere Kapazitäten weiter aus. Man braucht zum Beispiel ein lokal ansässiges Marketing, das uns hier im fernen Deutschland sagt, was die Kunden in gerade diesem Markt brauchen. Ein sehr großer Markt ist zum Beispiel China. Dort haben wir mittlerweile mehr als 150 Mitarbeiter, die die Markt- und Kundenbedürfnisse ganz genau kennen. Nur so ist sichergestellt, dass wir nicht am Kunden vorbei entwickeln.

Ihr Umsatz in China hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt, und auch in den USA sind deutliche Wachstumsraten zu sehen. In Deutschland hingegen war der Umsatz leicht rückläufig. Woran liegt das?

China ist der Produktionsstandort der Elektronikbranche schlechthin. Ein Volumenmarkt, der viel Potential für uns birgt. Entsprechend haben wir unsere Anstrengungen dort deutlich verstärkt. Die USA ziehen bereits nach, was sich in unseren Ergebnissen auch widerspiegelt. Deutschland jedoch verliert als Produktionsstandort immer mehr an Bedeutung. Zum Teil lässt sich das mit Entwicklung kompensieren, aber ein hundertprozentiger Ausgleich gelingt dabei nicht. Dennoch ist Deutschland als unser Heimatmarkt natürlich immens wichtig für uns.

Aus China kommt nun ein weiterer Mitbewerber auf den deutschen Markt: Der Low-cost-Oszilloskop-Hersteller Rigol hat gerade seine Europazentrale in Puchheim bei München eröffnet. Was bedeutet dieser Schritt für Rohde & Schwarz und für Ihre Tochter Hameg?

Der chinesische Markt ist sehr groß und Rigol, als lokaler Anbieter, bedient ihn natürlich sehr gut. Ein Ausbau der Aktivitäten nach Europa hin war nur konsequent - und auch zu erwarten. Für das traditionelle Rohde&Schwarz-Portfolio habe ich keine Bedenken, wir agieren in einem völlig anderen Preissegment. Für Hameg könnte es allerdings zu einer ernsthaften Herausforderung werden. Rigol ist zwar preislich sicher interessant, aber man muss sehen, ob die Produkte wettbewerbsfähig sind und die Kunden ansprechen. Auf Dauer werden wir uns wohl damit abfinden müssen, einen neuen Mitbewerber zu haben. Aber wie heißt es doch so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Mit welcher Strategie könnte Hameg gegenhalten?

Strategisch müssen wir da nichts ändern. Wir bleiben einfach auf unserem Weg: gute Produkte zu marktfähigen Preisen.

Sie haben also keine Angst vor einer Europa-Offensive seitens Rigol?

Man sollte den Mitbewerb nicht unterschätzen, aber das haben andere Industrien auch schon gemeistert. Nehmen Sie das Beispiel Werkzeug: Es gibt den Profi-Schlagbohrer und den billigen aus dem Baumarkt. Auch hier haben sich die Kunden schon immer ihr ganz eigenes Bild gemacht, was für sie auf Dauer gesehen das richtige Tool ist. Wenn wir technisch innovativ bleiben, können wir auf jeden Fall gut bestehen gegen die Chinesen. Den Schlaf sollte es uns also nicht rauben.