Entspannung auf dem Sensor-Markt »Wir haben die Situation wieder unter Kontrolle«

Aktuell haben sich die Lieferzeiten im Sensorik- und MEMS-Bereich wieder normalisiert. Der bevorstehende Rollout der 5G-Technologie könnte bestehende Megatrends wie Audio als Kommunikations-Interface zu nutzen, Industrie 4.0, IoT und autonomes Fahren jedoch in puncto Sensor-Stückzahlbedarf noch einmal deutlich pushen.

Wie geht es weiter im Sensor-Geschäft nach einem Jahr der Extreme mit teilweise rasant steigender Nachfrage und entsprechend langen Lieferzeiten? Darüber diskutierten die Teilnehmer des jüngsten Sensorik-Forums der Markt&Technik.

 »Neben Hall- und MR-Sensoren waren vor allem auch einige Drucksensoren sowie Platinsensoren wie PT100 und PT1000 von deutlich verlängerten Lieferzeiten betroffen«, stellt Jan Erhan, Business Development Manager Sensors &Emech Europe bei TTI, fest. »Teilweise sind auch hier die Lieferzeiten von 10 auf 40 bis 50 Wochen hochgegangen.«
»Speziell in der ersten Jahreshälfte 2018 sind die Lieferzeiten für halbleiterbasierte Hall-Sensoren deutlich gestiegen«, bestätigt auch Bernhard Huber, Deputy General Manager Sensor Sales Group der Electronic Components Sales & Marketing Group bei TDK. »Seit dem zweiten Halbjahr 2018 begannen sich dann die Lieferzeiten wieder zu normalisieren.« Auch im MEMS-Bereich, so Dr. Richard Dixon, Senior Principal Analyst Sensors bei IHS Markit, gab es im letzten Jahr durchaus Lieferengpässe: »So ist zum Beispiel die Nachfrage nach MEMS-Mikrofonen von 62 Millionen Stück auf 366 Millionen Stück im Vorjahr regelrecht explodiert.« Mit Konsequenzen für einzelne Hersteller – so verlor etwa Goertek Marktanteile an den Wettbewerber AAC.
Für Dr. Peter Weigand, Vice President Marketing bei Bosch Sensortec, kam es zudem im Vorjahr im MEMS-Bereich zu einem absoluten Novum: »Obwohl der Smartphone-Markt, der weltweit am meisten MEMS benötigt, 2018 erstmals stagnierte oder leicht rückläufig war, ist der Sensoranteil pro Smartphone weiter gestiegen, und er wird auch in Zukunft weiter steigen.« Wie Dr. Weigand und Dr. Dixon weist auch Dr. Roland Helm, Senior Director Segment Head Sensors PMM RFS SEN bei Infineon Technologies, darauf hin, »dass wir zuletzt bei einem stagnierenden Smartphone-Markt einen rasch steigenden Sensor- und MEMS-Anteil bei Accessoires wie etwa Earbuds oder Smartwatches beobachtet haben«.
»Ich bin ganz froh, dass es uns in den letzten vier Monaten gelungen ist, die Liefersituation wieder ganz gut unter Kontrolle zu bringen«, berichtet Dr. Michael Leitner, Vice President & General Manager BL Medical & Speciality Sensors (MSS) bei ams. »Wir waren speziell im letzten Jahr vor allem mit dem Thema Ramp-ups beschäftigt und haben uns ziemlich ins Zeug gelegt, um das erfolgreich zu stemmen.« Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer auch darin, dass der Umschwung der Lieferzeiten gegen Ende 2018 nichts wirklich Neues sei. Dr. Leitner: »Erinnern Sie sich an 2008, damals hat die Automotive-Industrie einfach aufgehört zu bestellen, die Automotive-Industrie, die immer so genau geplant hat! Genauso schnell, wie damals der Abschwung kam, ging es im Jahr darauf wieder nach oben. Ende 2009 waren wir dann schon wieder in der Allocation.«