Exklusiv-Interview mit SET »Wir betrachten den Prozess ganzheitlich«

Frank Heidemann, SET: »Wir standardisieren auf verschiedenen Ebenen und erreichen dabei einen Automatisierungsgrad im Design der Testsysteme, der bisher noch nie da gewesen ist.«

Die SET GmbH hat auf der embedded world ihr neues „System On Demand“-Konzept vorgestellt – ein komplett neuartiger Ansatz zum Design von HiL-Testsystemen für die Luftfahrt, das auch auf Standardisierung setzt. Frank Heidemann, Gründer und Geschäftsführer von SET, erklärt die Hintergründe.

Markt&Technik: Herr Heidemann, Sie bezeichnen „System on Demand“ als Revolution im HiL-Testmarkt. Warum musste der Prozess für HiL-Systeme denn überhaupt neu erfunden werden?

Frank Heidemann: Wir haben uns den Luftfahrtmarkt genau angeschaut und festgestellt, dass die eigentlichen Probleme unserer Kunden gar nicht primär technischer Natur sind. Für die technischen Herausforderungen gibt es bereits unzählige Lösungen und Kombinationsmöglichkeiten am Markt, das muss man nicht neu erfinden.

Das eigentliche Thema sind die prozessgetriebenen Probleme, über die wir seit Jahren in der täglichen Arbeit stolpern: die Timeline, die Flexibilität und das Budget. Bisher ist es immer noch so, dass die Testabteilung zum Ende eines Luftfahrtprogramms unweigerlich ins Schwitzen kommt. Die können erst anfangen, ihr Testsystem zu entwickeln, wenn die Requirements des Prüflings feststehen. Das ist zu Projektbeginn – und auch noch lange danach – aber de facto einfach nie der Fall. Wenn die finalen Requirements wirklich feststehen, haben die Testabteilungen schon sehr viel Zeit verloren und das Risiko im Projekt ist trotz aller Vorkehrungen enorm gestiegen. Dann wird viel Geld investiert, es werden technisch Kompromisse gemacht – und trotzdem kann der Liefertermin oft nicht gehalten werden.

Warum können die Entwicklungsabteilungen die Requirements nicht früher bekannt geben?

Das ist im bisherigen Prozessverlauf fast unmöglich. Denn die Änderungsprozesse bei Testsystemen sind unglaublich aufwändig und nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Jede nachträgliche Änderung der Requirements würde fast automatisch auch mit einem Lieferverzug einhergehen – und für den will natürlich niemand verantwortlich sein. Genau diese Probleme lösen wir mit System on Demand. Da bekommt der Kunde sein standardisiertes Testsystem schon nach 12 bis 15 Wochen – und zwar inklusive der kompletten Simulationsumgebung. Das heißt, er kann bereits nach Abschluss des Designs mit der Implementierung der Tests beginnen und nicht erst nach der Auslieferung des Systems Monate später. Das reduziert auch das Risiko erheblich. Der Hauptvorteil ist aber, dass er jederzeit im Prozess noch Änderungen an den Requirements vornehmen kann, ohne das Gesamtprojekt zu gefährden, sogar im Nachhinein noch.

Wieso funktioniert bei Ihnen, was bei anderen nicht geht?

Standardisierung ist mittlerweile im Testsystem-Markt in aller Munde. Wir haben das Spielchen aber ein ganzes Stück weitergetrieben und betrachten den Prozess ganzheitlich. Wir standardisieren auf zwei verschiedenen Ebenen und erreichen dabei einen Automatisierungsgrad im Design der Testsysteme, der bisher noch nie da gewesen ist. Das ist nicht nur eine Evolution, man kann es schon als Revolution bezeichnen. Auf der Architekturebene ist die Plattform offen, modular und standardisiert. Sie basiert auf der Hard- und Software von National Instruments wie PXI, SLSC, Veristand usw. Wir arbeiten also mit COTS-Komponenten, die das Obsoleszenz-Risiko minimieren, lieferantenunabhängig sind und nicht erst entwickelt werden müssen. Das absolut Einzigartige am Markt ist aber unsere Standardisierung auf der Prozess- und Signalebene.

Und was ist auf der Prozess- und Signalebene so besonders bei System on Demand?

Die Signalebene ist die berühmte letzte Meile vom Testsystem zum Prüfling, die mit enormen Entwicklungsaufwänden verbunden ist. Wir arbeiten schon seit Jahren gemeinsam mit National Instruments an der SLSC-Plattform und haben hier schon enorme Standardisierungsarbeit geleistet. Mit System on Demand gehen wir aber noch mal einen großen Schritt weiter: Wir haben über 70 Aerospace-Signale definiert und fertig entwickelt, „ready to use“, quasi als Katalogware. Und an der Stelle lösen wir das Problem des Kunden über den Prozess. Denn jetzt können wir dem Kunden schon in der Angebotsphase innerhalb von drei Tagen definieren, wie sein Testsystem aussehen wird. Alles, was wir dafür brauchen, ist das ICD, also die Dokumentation der Schnittstellenansteuerung.