Interview mit Paul Wilson, ams »Wir alle profitieren von leistungsfähiger Umweltsensorik«

Paul Wilson, ams: »Müdigkeit und Kopfschmerzen zählen noch zu den harmlosesten Folgen schlechter Raumluft. Leichtflüchtige organische Stoffe können sogar Krebs hervorrufen. Eine leistungsfähige Umweltsensorik in Gebäuden leistet deshalb einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung unserer Lebensqualität.«
Paul Wilson, ams: »Müdigkeit und Kopfschmerzen zählen noch zu den harmlosesten Folgen schlechter Raumluft. Leichtflüchtige organische Stoffe können sogar Krebs hervorrufen. Eine leistungsfähige Umweltsensorik in Gebäuden leistet deshalb einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung unserer Lebensqualität.«

Neben miniaturisierten optischen, Bild- und Audio-Sensoren sieht Paul Wilson, Senior Marketing Manager bei ams, vor allem in der Umweltsensorik ein großes Wachstumsfeld für die Zukunft. Eine entscheidende Rolle dürften dabei vor allem Kombinationen verschiedener Sensoren in einem Gehäuse spielen.

Markt&Technik: Herr Wilson, ams hat sich in den letzten Jahren durch Zukäufe nicht nur zu einem inzwischen 1,3-Milliarden-Dollar-Unternehmen entwickelt, sondern auch seinen Produktfokus auf halbleiterbasierte Sensoren verlagert. Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Sensoraktivitäten?
Paul Wilson: Nachdem Alexander Everke als CEO die Verantwortung bei ams übernommen hat, haben wir unsere Schwerpunkte im Bereich unserer Sensoraktivitäten deutlicher herausgearbeitet und vier Schwerpunkte gesetzt: optische Sensoren, Umweltsensoren, Bildsensoren und Audiosensoren. Weiters bieten wir Positionssensoren, Durchflusssensoren sowie drathlose Sensorlösungen mit minimalem Energieverbrauch. Applikationstechnisch gilt unser Hauptaugenmerk dabei Konsumanwendungen, etwa im Handybereich. Dieser Einsatzbereich macht etwa zwei Drittel unserer Sensoraktivitäten aus. Ein weiteres Drittel entfällt auf die Anwendungsbereiche Automotive, Industrie und Medizintechnik.

Sie bewegen sich mit Ihrer Sensorproduktpalette in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld. Worin unterscheiden sich Ihre Produkte vom Wettbewerb?
Wir bieten innovative Lösungen, die unseren Kunden die Differenzierung ermöglichen, die sie benötigen, um auf einem hart umkämpften Markt erfolgreich zu sein. Insbesondere zeichnen sich unsere Sensorlösungen durch einen außergewöhnlich hohen Miniaturisierungs- und Integrationsgrad aus. Dazu kommt eine sehr hohe Messgenauigkeit und ein sehr niedriger Energieverbrauch. Darüber hinaus umfassen unsere Sensoriklösungen Sensoralgorithmen und Sensor-Fusion-Software sowie Anwendungssoftware zur Entwicklung differenzierter Produkte und Geräte, die unseren Kunden strategische Vorteile verschaffen.

Geht es in diesem Bereich in erster Linie um technische Expertise im Bereich der Sensor-Entwicklung und -Fertigung oder gibt es noch andere Faktoren, die es Ihnen erlauben, sich vom Wettbewerb zu differenzieren?
Ich denke, mit entscheidend für unseren Markterfolg in den letzten Jahren ist unsere System-Level-Erfahrung, wenn es darum geht, die für den Kunden und seine jeweilige Applikation passende Sensorlösung auszuwählen und zu realisieren. Dabei geht es auch um die Frage, welche Synergien sich für einen Kunden durch die Zusammenführung verschiedener Sensortechnologien erzeugen lassen. Nicht zu vergessen unser Know-how im Bereich Sensor-Algorithmen und Applikations-Software. Auch wenn es wie ein Allgemein-Placet klingen mag, aber es ist diese enge Zusammenarbeit im Entwicklungsprozess mit dem Kunden, die uns vielleicht von manchen Mitbewerbern unterscheidet. 

Umweltsensorik, speziell wenn sie mit Handy-Applikationen zu tun hat, wird häufig mit den Bedürfnissen asiatischer Nutzer in Verbindung gebracht. Trifft das zu, treiben die Bedürfnisse asiatischer Anwender in diesem Punkt den Weltmarkt?
Natürlich denken die Meisten bei Feinstaubsensorik oder CO2-Sensoren an die Probleme chinesischer Großstädte und Mega-Citys. Doch diese Probleme beschränken sich ja nicht nur auf China, sie sind in anderer Form und mit anderen Belastungspegeln auch in anderen Großstädten zu beobachten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass die Luftverschmutzung das größte Risiko für die Umwelt darstellt und zu schätzungsweise 7 Millionen Todesfällen pro Jahr beiträgt. Laut der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass die Innenraumluft stärker verschmutzt werden kann und ein größeres Gesundheitsrisiko birgt als die Luftverschmutzung im Freien. Unabhängig davon – wir verbringen, statistisch gesehen, 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen. Schlechte Luftqualität hat da viele Auswirkungen, von denen Müdigkeit und Kopfschmerzen noch die Geringsten sind.