Interview TWK: Die Nachfolger kommen an Bord

v.r.: Johannes W. Steinebach und Felix Steinebach im Interview mit Markt&Technik-Redakteurin Nicole Wörner.
v.r.: Johannes W. Steinebach und Felix Steinebach im Interview mit Markt&Technik-Redakteurin Nicole Wörner.

Seit 1992 leitet Johannes W. Steinebach die Geschicke des Düsseldorfer Sensorherstellers TWK. Vor wenigen Wochen hat Steinebach nun seine Söhne Felix und Hannwelm in die Führungsetage berufen. Im Interview mit Markt&Technik sprachen Johannes W. und Felix Steinebach über die Gründe für diesen Schritt und über die künftige Ausrichtung des Unternehmens.

Markt&Technik: Im Mai dieses Jahres haben Sie die TWK-Geschäftsleitung erweitert; zwei Ihrer vier Söhne sind in die Geschäftsleitung eingetreten. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Johannes W. Steinebach: Zunächst ist dies für uns ein ganz normaler Schritt hinsichtlich der Nachfolgeregelung. Darüber hinaus bringt uns die Verstärkung durch meine Söhne weitere Kapazitäten und zusätzliches Know-how ins Haus. Hannwelm hat Wirtschaftswissenschaften studiert und an der University of Utah mit einer Dissertation aus dem Bereich Materials Science and Engineering promoviert, Felix hat soeben seine Promotion als Physiker abgeschlossen. Beide bringen beste Voraussetzungen mit, um unser Unternehmen noch moderner und internationaler aufzustellen.

Wie sind die Aufgaben innerhalb der Geschäftsleitung verteilt?

Felix Steinebach: Mein Vater verantwortet den Bereich Finanzen und Personal, mein Bruder Hannwelm leitet den Vertrieb und das Marketing, und ich selber bin für den technischen Bereich, also die Entwicklung und Fertigung, verantwortlich.

Welche Ziele haben Sie sich für den Anfang gesteckt?

Felix Steinebach: Zunächst werde ich einige unserer Großkunden besuchen und mich vorstellen. Einen persönlichen Kontakt zu Kunden halte ich für sehr wichtig, nur so lernt man, was sie wirklich von uns brauchen. Nichts wäre schlimmer, als an den Bedürfnissen des Kunden vorbei zu entwickeln. Darüber hinaus bin ich gerade dabei, mich in das Qualitätsmanagement einzuarbeiten, speziell hinsichtlich der Fertigung.

Die Wirtschaft verhält sich momentan abwartend. Ist dies ein guter Zeitpunkt, die eigene Aufstellung zu überdenken?

Johannes W. Steinebach: Diese Überlegungen muss man – vor allem als mittelständisches Unternehmen – immer wieder aufs Neue haben. Insofern wäre jeder Zeitpunkt passend gewesen, uns neu - und stärker - aufzustellen. Aber auch die von Ihnen erwähnte Zurückhaltung ist bei uns noch nicht angekommen. Unser Geschäft läuft weiterhin gut.

Sie scheinen recht entspannt hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung…

Johannes W. Steinebach: Ja. Uns kommt zugute, dass wir recht breit aufgestellt sind und mit unseren Produkten nicht auf einzelne Branchen oder wenige Großkunden festgelegt sind. Unsere Umsätze verteilen sich zu rund 60 Prozent auf den Anlagen- und Maschinenbau, 20 Prozent auf regenerative Energien – beispielsweise Windenergie - und weitere 20 Prozent auf mobile Maschinen, wie etwa die Krantechnik. Im Anlagen- und Maschinenbau verzeichnen wir derzeit einen sehr guten Auftragseingang.

Sie sprachen die Windenergie an. Erwarten Sie ein ähnlich dramatisches Szenario, wie wir es derzeit bei der Photovoltaik erleben?

Johannes W. Steinebach: Nein, davon gehe ich nicht aus. Zwar gibt es noch einige technische und finanzielle Schwierigkeiten hinsichtlich der Windkraft-Installationen, aber ich schätze, dass sich dieser Markt auch weiterhin positiv entwickeln wird. Ein Einbruch ist meines Erachtens nicht zu sehen.

Der Sensorikmarkt ist dicht besetzt. Wie behauptet man sich in diesem Haifischbecken?

Felix Steinebach: Ganz wichtig ist die Kundenbindung. Unser Ziel ist es, immer nah am Kunden zu sein und unsere Produkte und Dienstleistungen möglichst genau auf dessen Anforderungen abstimmen. Dabei nutzen wir den Vorteil, den kleinere Unternehmen haben: Die Flexibilität. Große Hersteller können ihre Standardprodukte nicht so einfach applikationsspezifisch umbauen, erst recht nicht für geringe Stückzahlen. Ein weiterer Vorteil für den Kunden in der Zusammenarbeit mit uns ist, dass er seine Systemkosten insgesamt minimieren kann: Wenn Sensor, Aktor und Steuerung optimal aufeinander abgestimmt sind, erübrigen sich oft teure Systemlösungen. Das geht aber wirklich nur in intensiver Zusammenarbeit mit dem Kunden.

Sie haben die Entwicklung und Fertigung im eigenen Haus. Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Felix Steinebach: Wir waren von je her stark entwicklungsgetrieben. Entsprechend wichtig ist uns, das über die Jahre aufgebaute Know-how im eigenen Haus zu halten und auch weiterhin darauf aufzubauen. Hinsichtlich der Fertigung stellt sich die Situation differenzierter dar: Wir sehen uns als Variantenfertiger – wir haben etwa 4000 bis 5000 lebende Varianten im Programm. Wir sind zwar komplett ausgestattet und könnten auch alles selber fertigen, allerdings greifen wir für größere Stückzahlen und für mechanische Teile doch gerne auf Lohnfertiger zurück.

Mittelständische Unternehmen mit spezifischem Know-how sind oft begehrte Objekte für Investoren. Gab es Anfragen, TWK zu übernehmen?

Johannes W. Steinebach: Ja natürlich, immer wieder mal bekunden Firmen Interesse an uns. Aber wir verkaufen nicht. Mit der Erweiterung der Geschäftsleitung haben wir diesbezüglich ein klares Zeichen gesetzt.