Endress+Hauser Trotz Umsatzrückgang profitabel

Klaus Endress, Endress+Hauser: »Die Krise hat uns gezwungen, mit dem Unwahrscheinlichen zu rechnen und das Unmögliche zu denken - es zu überdenken und entweder zu verwerfen oder rasch umzusetzen.«

Zwar hat auch Endress+Hauser die Auswirkungen der Wirtschaftskrise deutlich zu spüren bekommen, dennoch blieb die Firmengruppe auch im Jahr 2009 profitabel – und auch die Zahl der Beschäftigten blieb nahezu unverändert. Nach einem guten Start ins Jahr 2010 erwartet der Konzern eine nachhaltige Erholung und deutliches Wachstum.

Die Jahresergebnisse 2009 des im schweizerischen Reinach ansässigen Messtechnikspezialisten Endress+Hauser spiegeln die Situation der Industrie wider: Der Nettoumsatz der Firmengruppe sank 2009 auf 1,096 Milliarden Euro (-9,5 Pro­zent), das Betriebsergebnis gab 2009 auf 83,9 Millionen Euro nach (-46,4 Prozent). CEO Klaus Endress sprach von einem der »schwierigsten Jahre in der Geschichte des Unternehmens«. Der Konzern konnte die Folgen der Wirtschaftskrise weder über seine internationale Ausrichtung noch über die breite Abstützung in unterschiedlichen Branchen ausgleichen. »Einen so tiefen, umfassenden und lang anhaltenden Einbruch haben wir nie zuvor erlebt«, betonte der Firmenchef.

Dennoch scheinen die Strategien des Konzernmanagements aufzugehen. So blieb z.B. die Zahl der Beschäftigten nahezu unverändert. Um Arbeitsplätze zu erhalten, nahmen Unternehmensleitung und Familienaktionäre bewusst einen niedrigeren Gewinn in Kauf. Das Unternehmen zählte Ende 2009 weltweit 8419 Mit­arbeiter - nur 15 weniger als ein Jahr zuvor (-0,2 Prozent). »Es war unser Ziel, niemanden zu verlieren«, unterstreicht Endress. »Möglichst alle sollten an Bord sein, wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt.« In den vergangenen fünf Jahren hat Endress+Hauser 2125 Arbeitsplätze geschaffen, davon 1418 in Europa.

»Wir sind gut durch diese schwierige Zeit gekommen«, betonte Klaus Endress. Die Krise habe den Blick für die Bedürfnisse von Markt und Kunden geschärft. »Sie hat uns gezwungen, mit dem Unwahrscheinlichen zu rechnen und das Unmögliche zu denken - es zu überdenken und entweder zu verwerfen oder rasch umzusetzen.« Wichtige Produkte seien wesentlich schneller zur Marktreife gebracht worden als sonst üblich.

Endress+Hauser steigerte die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 94,1 Millionen Euro (+ 6 Prozent). Dies entspricht 8,6 Prozent des Nettoumsatzes. 200 Pa­tent­anmeldungen - gleich viele wie 2008 - zeugen von ungebrochener Innovationskraft. Zudem sicherte sich die Firmengruppe mit einer Minderheitsbeteiligung an der US-Hightechfirma Integrated Sensing Systems Inc. (ISSYS) Know-how auf dem Gebiet der Coriolis-Durchflussmessung mit Mikrosensoren.

Grund zum Optimismus gibt der Start des Konzerns in das neue Geschäftsjahr: Nach vier Monaten liegt der Auftragseingang zweistellig über den Vorjahreszahlen, das Umsatzwachstum deutlich über dem vorsichtigen Ziel von 5 bis 6 Prozent. COO Michael Ziesemer zufolge hat sich das Geschäft in den USA deutlich erholt, ebenso in Deutschland. Russland hole rasch auf, und China wachse wieder dynamisch. In Zen­traleuropa verharrten einzig die skandinavischen Länder noch in der Rezession. Sollte diese Entwicklung andauern, hält CFO Fernando Fuenzalida bis zu zehn Prozent Wachstum für erreichbar. »Aber selbst dann hätten wir das Umsatzniveau von 2008 noch nicht wieder erreicht«, betonte der Finanzchef. Weil viele Maßnahmen zur Kostensenkung einmalig waren und der Personal­stand wieder leicht steigen soll, rechnet die Firmengruppe trotz des Wachstums nur mit einem Gewinn in der gleichen Größenordnung wie 2009. Michael Ziesemer zeigte sich überzeugt, dass vieles, was die Krise verändert hat, von Dauer sein wird. Dies spiegele sich auch in der neuen Strategie der Firmengruppe wider. »Wir haben uns auf Jahre mit niedrigerem Wachstum eingestellt«, so Ziesemer.

Auch Klaus Endress mahnt zur Vorsicht: »Die Ursachen der Wirtschaftskrise sind im Grundsatz nicht beseitigt.« Die weitere Entwicklung sei von vielen Unsicherheiten bestimmt. »2009 war schwierig - aber auch 2010 wird nicht leicht werden«, ist der Firmenchef überzeugt. »Wir erwarten, dass uns die Krise noch eine Weile begleiten wird.«