Welche Konzepte werden sich dauerhaft durchsetzen? Trendreport AOI, AXI und SPI

Der Markt für Inspektionslösungen ist dicht besetzt. Stellvertretend für die Branche hat Markt&Technik mit drei Anbietern über die Anforderungen der Kunden und über die Marktentwicklung gesprochen.

AOI-, AXI- oder SPI-Systeme, also Geräte für die automatische optische, Röntgen- oder Lotpasteninspektion, zählen zu den teuren Investitionsgütern, die man nicht eben mal kauft, und - wenn sie doch nicht passen - wieder verkauft. Entsprechend wichtig ist es, vor der Kaufentscheidung genau zu vergleichen, auf welches System man künftig setzen will. Doch worauf kommt es eigentlich an? Unterscheiden sich die Inspektionssysteme – abgesehen von ihrem optischen oder röntgentechnischen Verfahren – überhaupt noch wesentlich?

Gerade im AOI-Bereich gelangt diese provokante Frage zu einer interessanten Diskussion. So räumt Olaf Römer, Geschäftsführer von ATEcare zwar ein, dass sich AOI-Systeme in einigen Belangen ähneln, allerdings nur insofern, als dass generelle und einfache Inspektionen hinsichtlich Bestückung, Polarität, Kurzschlüssen Platzierung von Komponenten, etc. bei den meisten Herstellern ähnlich zu finden seien. Gehe es jedoch um eine sehr dichte Bestückung und kämen sehr kleine Bauteile oder Packungsdichten ins Spiel, werde der Kreis der Mitbewerber schon deutlich enger. Nur wenige seien in der Lage, auch die Qualität der Lötstellen hinsichtlich Lotmenge, Benetzung, Lotspritzer oder THT-Lötstellen sicher zu bewerten und damit auch Prozesskriterien widerzuspiegeln. »In der AOI kann man die Lotqualität nur mit 3D oder einer tiefenwirksamen Farberkennung wirklich sicher inspizieren«, erklärt Römer. »Gerade im THT-Bereich ist die IPC-Norm mit Schwarz/Weiss-Auswertung nicht sicher beherrschbar. Farbauswertungen gelingen nur zu 100 Prozent mit 3CCD-Kameras, weil in 1CCD-Kameras zwar ein farbiges Bild für den Operator darstellbar ist, aber bis zu 67 Prozent der Farbinformation verloren gehen. Vollfunktionsfähige 3D-Lösungen sind noch mit Handicaps versehen, haben aber sicherlich auch ihre Zukunft.«

 

Bilder: 3

Sind 3D-Technologien künftig ein MUSS in der Baugruppeninspektion?

Sind 3D-Technologien künftig ein MUSS in der Baugruppeninspektion?

Optische Inspektionssysteme sind nicht nur verschieden ausgeprägt, sondern haben auch unterschiedliche Eigenschaften. »Rein orthogonal prüfende Systeme sind prinzipiell nicht in der Lage, ein so breites Fehlerspektrum abzudecken, wie es mit geneigten Kameraansichten möglich ist«, erklärt Volker Pape, Vorstand von Viscom. »Neben der Bildaufnahme gibt es auch große Unterschiede im Qualitätslevel der Auswertesoftware, die bei einem Inspektionssystem erst im Betrieb der Maschine ihre wahre Leistungsfähigkeit zeigt - dann aber sehr deutlich.«

Unterschiede gibt es auch in der Bedienung. »Wir haben eine auf den ersten Blick betagte, aber in ihren Grundkonzepten seinerzeit zukunftsweisende Software als Basis verwendet – sehr leistungsfähig und auch heute noch modern. Dennoch haben wir uns vor ein paar Jahren entschieden, moderne Softwarekonzepte in die Entwicklung unserer ‚vVision‘-Software einfließen zu lassen. Das Ergebnis ist ein intuitives und effizientes Bedientool, das die meisten AOIs hinter sich lässt.«

Auch Jens Kokott, Bereichsleiter AOI-Systeme bei Göpel electronic sieht teils gravierende Unterschiede, die sich aber erst bei genauerer Betrachtung der einzelnen Geräte auftun. Er rät, bereits vor Beginn des Auswahlprozesses eine Gewichtung der für die eigenen Anforderungen relevanten Kriterien des anzuschaffenden AOI/AXI-Systems vorzunehmen. Dabei seien vor allem Aspekte wie Fehlererkennung, Pseudofehlerrate, Flexibilität und Aufrüstbarkeit, Prüfzeit, Aufwand für die Prüfprogrammerstellung und sicherlich auch der Preis wichtig. Die dann sichtbaren Unterschiede ließen sich jedoch nur in einer intensiven Analyse zusammen mit dem Systemanbieter bewerten.