Wandel in der Testhaus-Branche »Testdienstleister müssen umdenken«

Arno Rudolph, RoodMicrotec: »Besonders Jahre mit wirtschaftlichen Turbulenzen werden gerne genutzt, die jeweilige Ausrichtung zu überprüfen.«

In Zusammenhang mit der sich schnell verändernden Halbleiterindustrie müssen auch die Testhäuser ihre Strategien neu überdenken. Bei dem engen Markt und der großen Konkurrenz heißt es, sich den neuen Gegebenheiten rasch anzupassen und Leistungen anzubieten, mit denen man sich gegen die Mitbewerber behaupten kann.

»Seit Jahren ist eine Änderung bezüglich der Hauptauftraggeber für Testhäuser zu beobachten«, sagt Arno Rudolph, Sales & Marketing Manager von RoodMicrotec. »Waren es früher überwiegend Integrated Device Manufacturer, kurz IDMs, sind es jetzt meist Fabless-Design-Firmen und OEMs. Die jüngste Krise hat diesen Trend noch verstärkt, weil viele IDMs weite Teile von Produktion und Test aus Europa heraus verlagert haben.« Weil IDMs ein umfangreiches Know-How rund um ihre Produkte haben, waren Testhäuser bis vor kurzem meist reine »ausführende Organe«, die nach den strikten Regeln des IDMs arbeiteten. Damit entwickelte sich bei den Testdienstleistern nach Ansicht des Experten eine Mentalität des kompetent Ausführenden, aber es gab wenig Bedarf für Eigenschaften wie Kreativität und neue Ideen.

»Die Anforderungen der Fabless-Design-Häuser sind so ziemlich genau das Gegenteil davon«, fährt Rudolph fort. »Es sind meist kleinere Unternehmen, die ihre Expertise beim Schaltungs-Design und in der Applikation selbst haben, sich hinsichtlich Produktions- und Qualitätsfragen wie Test, Assembly und Qualifikation aber eher als Koordinatoren verstehen, und die oft auch nicht die nötige Personaldecke für den Aufbau von Backend Know-How haben.«

Die Verschiebung des Kundenstammes wird sich nach Rudolphs Überzeugung auch weiter fortsetzen: »Wir erleben ständig, wie weitere Fabless-Design-Häuser als Neugründungen entstehen oder sich durch z.B. Management-Buyouts aus Großunternehmen entwickeln. Ihre Anzahl ist traditionell besonders hoch in Ländern wie UK und Israel, sie wächst aber auch stark in Zentraleuropa und Skandinavien.« Aber nicht nur die Kunden kämen aus den unterschiedlichsten Regionen, sondern auch deren Endkunden seien weltweit verstreut – was für die Testhäuser bedeute, dass auch sie internationaler werden müssen.

»Als Reaktion auf diese Marktveränderungen gibt es durchaus unterschiedliche Ansätze«, verdeutlicht Rudolph. »Besonders Jahre mit wirtschaftlichen Turbulenzen werden gerne genutzt, die jeweilige Ausrichtung zu überprüfen. Ein möglicher Ansatz ist, die Dienstleistungen in Richtung Schaltungsdesign auszuweiten und dafür die reinen Testaktivitäten einzuschränken. Eine andere Strategie, die z.B. RoodMicrotec verfolgt, basiert auf der Überzeugung, dass das Testhaus der Zukunft alle Backend-Anforderungen der Kunden erfüllen und als ‚One Stop Shop’ agieren können sollte.«

RoodMicrotec geht dabei noch einen Schritt weiter und bietet alle Backend-Aktivitäten auch als Komplettservice an: Der Kunde kümmert sich um Design und Vermarktung, das Testhaus übernimmt alle Aspekte bezüglich der Testentwicklung und Qualifikation sowie später der Produktion - von der Wafer-Beschaffung über Assembly, Produktions-Test und Orderprocessing/Logistik bis zur Auslieferung der fertig getesteten Bauteile an die Endkunden weltweit.

»Aus den ‚Nur-Ausführenden’ werden damit echte Berater, die den Kunden schon bei der Auswahl der für das jeweilige Projekt optimalen Testerplattform und der passenden Testhardware bis hin zur Definition der Test-Philosophie begleiten«, so Rudolph. »Das eigentliche Testprogramm ist dann genau auf die Belange des Kunden abgestimmt und garantiert eine bestmögliche Testtiefe bei möglichst geringen späteren Produktionskosten. Auch Qualifikationen gemäß den jeweiligen Einsatzgebieten werden mit dem Kunden zusammen aufgestellt und optimiert.«

Für Testhäuser in Europa ergibt sich die Chance, durch intelligente Lösungen Vorteile für ihre Kunden zu schaffen. Hierzu gehören spezielle Methoden, um gezielt die Testzeit zu reduzieren, ohne Testabdeckung zu verlieren: Für jedes Produkt wird mit dem Produktionsstart eine so genannte Test Time Reduction Roadmap festgelegt, anhand derer abhängig von gewissen Produktionsmeilensteinen Testzeiten reduziert und Tests aus Produktionstestprogrammen transferiert werden.

Weitere Möglichkeiten sieht Rudolph im Bereich von Burn-in: »Bei der Voralterung elektronischer Bauelemente werden gezielt Fehlermechanismen aktiviert und Alterungsvorgänge beschleunigt. Mit einem messenden Burn-in-System können in festgelegten Abständen zum Beispiel in-situ-Zwischenmessungen durchgeführt werden. Dadurch lässt sich die Zeitdauer des Burn-ins dynamisieren, man kommt weg von maximal langen Burn-in-Zeiten und hin zu Produkt-optimierten Zeiten, die zudem automatisch an die jeweilige Technologie-Situation adaptiert werden.«

Ein vollständiger Backend-Service inklusive flankierender Dienstleistungen wie Fehleranalyse oder Einsatz einer Ionenfeinstrahlanlage (FIB) für Chipmodifikationen im Prototypenstadium gehören nach Überzeugung des Experten genauso ins Portfolio eines Testhauses wie Untersuchungen im Bereich Interconnection Technology und Leiterplatten/Baugruppen, ESD- und Zuverlässigkeitsberatungen sowie Durchführung von Audits. Damit bieten diese europäischen Testhäuser - wie RoodMicrotec – ihren Kunden komplette Lösungen und werden - dank intelligenter, adaptiver Prozeduren und Methoden - auch preislich zum attraktiven Partner vor Ort. Letztendlich sind es diese Unterscheidungsmerkmale und Strategien, die einem Testhaus in der derzeitigen Marktsituation das Überleben sichern können.