Sonnenenergie im humanitären Einsatz Solarzelte für Krisengebiete

Elena Findeisen beim Aufbau des neuartigen Solarzeltes auf dem Enscheder Campus
Elena Findeisen beim Aufbau des neuartigen Solarzeltes auf dem Enscheder Campus

Die Studentin Elena Findeisen arbeitete im Rahmen ihrer Masterarbeit an der University of Twente an der Entwicklung eines neuartigen Solarzeltes mit. Es verfügt über integrierte Solarmodule und verspricht schnelle Hilfe bei der Stromversorgung in Krisenregionen oder bei der Flüchtlingshilfe.

Bei einem Solar-Unternehmen untersuchte die 25-jährige Studentin aus Bochum, wie extrem dünne und flexible Sonnenpaneele am Zelt anzuwenden sind: Die sehr empfindlichen Paneele mussten sicher auf dem Zeltdach zu integrieren sein, damit sie beim Zeltaufbau und -abbau nicht beschädigt werden. »Die größte Herausforderung war, dass die zerbrechlichen Paneele aufrollbar bleiben bei Transport und Verpackung«, so Elena Findeisen. Das sei ihr durch eine Sandwich-Konstruktion gelungen, die als unterste Schicht über eine gewebte Matte von Strohhalmen verfügt.

Gemeinsam mit Systempartnern ist ein 6 x 4 Meter großes Zelt entstanden, das mit acht Solarpaneelen mit einer Gesamtfläche von sieben Quadratmetern ausgestattet ist und das einerseits Schutz vor Witterungseinflüssen bietet und darüber hinaus Strom beispielsweise für die Beleuchtung bereitstellt. Dank des mobilen Charakters sei dieses Zelt, das beim Hersteller O&H Concepts BV unter dem Begriff Self Supporting Inflatable (SSI) Shelters firmiert, auch kurzfristig als Registrierungszentrum, Kommunikationszentrum und als Erste-Hilfe-Einheit einsetzbar, so Findeisen.

Eine mitgelieferte Pumpe bläst das Zelt innerhalb von zehn Minuten auf. Problemlos kann es zu zweit durch normal kräftige Menschen aufgestellt werden. Je nach Bedarf wird das Zelt beispielsweise in drei Schlafräume und ein Wohnzimmer aufgeteilt und bietet – bei der Nutzung von Hochbetten – Platz für maximal 16 Personen.

Tagsüber wird überschüssige Energie in einer Batterie für die Nacht gespeichert. »Über die Software wird eine Sicherung eingebaut, wodurch sich das System automatisch abschaltet, wenn eine kritische Grenze erreicht wird, so dass zumindest die Beleuchtung für die Nacht gesichert ist«, erläutert Elena Findeisen.

»Wir sehen ein großes Marktpotenzial«

Der niederländische Vermarkter O&H Concepts und der Hersteller Airquee sehen bereits ein großes Potenzial in der gemeinsamen Entwicklung. Mit Blick auf die heutige Weltlage sieht O&H Concepts »ein großes Marktpotenzial«, betont Jeroen Rijnenberg, Chief Concepts & Trendwatching. 

Vermarktung, Produktion und Verkauf haben bereits begonnen. Zunächst sollen in diesem Jahr 30 SSI-Produkte monatlich hergestellt werden. 2017 soll die Kapazität mit einem Partner auf 50 Zelte erhöht werden. 

20 Prozent des Umsatzes sollen in Forschung und Entwicklung investiert werden. Damit wolle man die nachhaltigen Technologien weiter verbessern für den Einsatz in Krisengebieten, erläutert Rijnenberg. Raden Roro Rachel Harwini Harbantomo Tjokropranoto, CEO und Gründer von O&H Concepts, ist sehr zufrieden mit der internationalen Zusammenarbeit. »Wir sind Mitglied des Global Compact der Vereinten Nationen. Gemeinsam wollen wir ein internationales Bewusstsein für innovative Energie-Anwendungen schaffen.«