Kommentar So mag der Bürger smarte Cities

Heinz Arnold, editor-at-large Markt&Technik, HArnold@weka-fachmedien.de
Heinz Arnold, Editor-at-large, HArnold@markt-technik.de

Cities smart zu machen - das Ziel unterstützen viele. Grenoble hat sich Gedanken dazu gemacht, wie es trotz unterschiedlicher Interessen gelingen könnte.

Ein Wanderer sitzt auf einem Berg und schaut vom Gipfel ins Tal hinunter, auf das von der Sonne beschienene Grenoble. Gezeigt hat das schöne Foto Claus Habfest vom Grenoble-Alps Metropolitan Council mit den Worten: »Ein Blick vom Edge und keine Cloud zu sehen.« Das sagte er nicht irgendwo, sondern auf dem European MEMS & Sensors Summit. Die SEMI hatte den Standort ihrer Konferenz mit Bedacht gewählt. Denn Grenoble gilt als europäisches Technologiezentrum, insbesondere für Halbeiter, MEMS und Sensoren. In Grenoble sitzt das CAE-Leti, in der Region betreiben Firmen wie Schneider electric und STMicroelectronics Werke sowie Forschungszentren. Zahlreiche High-Tech-Startups haben sich hier gegründet.

Mit dem Satz »Ein Blick vom Edge und keine Cloud zu sehen« wollte Habfest denn auch nicht die schöne Lage Grenobles vor illustrer Runde preisen, sondern ergründen, warum Grenoble nicht schon längst – mitten in der High-Tech-Region – zur Smart City geworden ist. Am fehlenden Willen kann es – wie bei so manch anderen Städten weltweit auch – nicht gelegen haben. Eine seiner Antworten: Weil viele Daten, die erforderlich sind, um eine Stadt smart zu machen, den Bürgern gehören und sie ihre Daten nicht einfach so in die Cloud abgeben wollen. Weshalb beispielsweise so manche Smart-Meter-Projekte gescheitert seien.

Auch die Städte wollten ihre Datenschätze nicht der Cloud und den Internetgiganten öffnen, damit die ihre eigenen Geschäfte betreiben können, ohne dass die Städte und deren Bürger etwas davon haben. So können aber auch keine der eigentlich dringend gewünschten Geschäftsmodelle für städtische Einrichtungen, Energieversorger und Startups entstehen. Aus seiner Sicht einer der wesentlichen Gründe, warum sich der Markt für Smart Cities nicht so entwickelt hat, wie viele ursprünglich dachten.

Sein Ausweg aus dem Dilemma: Die private Cloud der Bürger so in die Smart City zu intergrieren, dass sie die Hoheit über ihre Daten behalten und bestimmen können, welche Dritte die Daten für welche Zwecke bekommen. Das mache dann insgesamt die Projekte in den Städten skalierbar und finanzierbar. Dann steige die Nachfrage nach den Sensoren und Chips, der Preis könne auf realistische Niveaus sinken. Die Städte können umweltfreundlicher werden, die Lebensqualität für alle erhöhe sich. Und selbst bei Regen gilt: Weit und breit keine Cloud zu sehen. Das wären wahrlich sonnige Aussichten!