Kommentar Smart Meter = gläserner Mensch?

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Vorsicht! Smart Meter schaffen den gläsernen Menschen – diese alarmierende Nachricht durfte ich den Radionachrichten auf dem Weg zur Arbeit am vergangenen Dienstagmorgen entnehmen. Aber warum fürchten wir uns im Facebook-Zeitalter ausgerechnet vor Smart Meters?

Nun steht zumindest für Deutschland fest: Intelligente Zähler bzw. die Gateways müssen dem BSI-Schutzprofil entsprechen. Das bedeutet: Sowohl was den Datenschutz als auch  was die Datensicherheit angeht, werden die Smart Meters einen sehr hohen Sicherheitsstandard erfüllen müssen, mir ist jedenfalls kein Land bekannt, das die Hürden höher ansetzt. Das ist sicherlich der richtige Weg, denn in einigen Ländern - sogar in den USA - haben sich Initiativen gegen die intelligenten Zähler gebildet, gerade weil die Schutz- und Sicherheitsvorkehrungen allzu lässig gehandhabt wurden.

Während ich mich diesen Überlegungen hingab, fiel mir ein Bild in einer Zeitung ein, das ich vor kurzem gesehen hatte. Zu sehen war eine große Menschenmenge, wahrscheinlich Zuschauer eines ein Open-Air-Konzert. Das Bemerkenswerte daran: Fast über jedem Kopf war ein kleiner grüner Punkt zu sehen und er bedeutete: Diese Person hat Facebook erkannt.

Da erschien es mir doch erstaunlich, dass nun ausgerechnet ein intelligenter Stromzähler die Furcht vor dem Verlust der Privatsphäre auslöst. Menschen bewerten Risiken eben nicht rational. Zwar findet in der Öffentlichkeit eine Diskussion darüber statt, was man wohl besser in den sozialen Netzwerken unterlassen sollte, um sich beruflich nicht zu schaden - aber Angst vor dem Verlust der Privatsphäre? Eher nicht, denn für die meisten ist der Umgang damit so selbstverständlich geworden, dass sich offenbar kein wirkliches Unsicherheitsgefühl einstellt. Dabei werden die sozialen Medien unser Leben stärker verändern als die meisten technischen Umbrüche zuvor. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Begriffe wie Privatsphäre und Öffentlichkeit völlig neu definiert werden. Das scheint die meisten Mitmenschen aber in keiner Weise zu beunruhigen. Lieber fürchten sie sich davor, dass die intelligenten Zähler sie zu gläsernen Menschen machen!

Dabei gäbe es nun wirklich sehr viele interessante Fragen zu intelligenten Zählern: Welches Einsparpotenziale bringen sie in Privathäusern denn tatsächlich? Und rechtfertigt das Einsparpotenzial den nicht geringen Aufwand? Wie gehen die Nutzer damit um? All diese und noch viel mehr Fragen sollen zahlreiche Feldversuche klären, die derzeit in Deutschland stattfinden.

Und selbstverständlich durfte in dem oben erwähnten Nachrichtenbeitrag auch die Schreckensvision des Kühlschranks nicht fehlen, den irgendein finsterer Energiekonzern einfach abschaltet, um das Netz zu stabilisieren. Das sehen viele offenbar als den Gipfel des Eingriffs in die Privatsphäre an. Mal ganz abgesehen davon, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen für solche Eingriffe erst noch geschaffen werden müssen und so etwas ohne die ausdrückliche Zustimmung der Betroffen in Deutschland nicht denkbar wäre - viel interessanter ist doch die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, auf der Ebene der Privathaushalte Lastverschiebungen auf diesem Weg durchzuführen. Auch diese Frage sollen in zahlreiche Pilotprojekte klären.

Ein weitere sehr interessante Frage in diesem Zusammenhang: Wie können die Nutzer in ihrem Heim nicht nur den Energieverbrauch verfolgen, sondern ihr Haus so intelligent machen, dass sie nicht nur die Stromrechnung sondern die Energiekosten insgesamt deutlich reduzieren können? Und wie können sie damit ihr Leben sicherer, bequemer und nicht zuletzt cooler gestalten? Was aber den gläsernen Menschen betrifft: Den haben wir schon, ganz ohne Smart Meter.


Ihr Heinz Arnold


P.S.: Wenn sie die oben gestellten Fragen rund um das intelligente Haus und die intelligenten Zähler interessiert: Auf dem 2. Energie&Technik Smart Home & Metering Summit am 16. -17. Oktober 2012 in Ludwigsburg diskutieren die Teilnehmer die neusten Entwicklungen auf technischer, regulatorischer und Standardisierungsebene rund um Smart Home, Smart Metering und Smart Grid. Weitere Informationen finden sie unter: info(at)smart-home-summit.de