Pioniergeist und Technologietransfer Omron: Das erste AOI-System entstand aus einer medizinischen Anwendung

Qualitätsüberprüfung nach MIL Standard 1955
Qualitätsüberprüfung nach MIL Standard 1955

Vor wenigen Wochen hat ATEcare bekannt gegeben, dass das Unternehmen die Zusammenarbeit mit TRI ausgesetzt und den Vertrieb für die Inspektionslösungen von Omron übernommen hat. Markt&Technik hat nachgefragt, wie die Kunden diesen Wechsel aufgenommen haben und was in Zukunft von Omron zu erwarten ist. Dabei haben wir uns auf eine kleine Zeitreise begeben – und sind auf eine gute Portion Pioniergeist gestoßen.

»Seitdem wir den Vertrieb von AOI-, SPI- und AXI-Systemen von Omron übernommen haben, stehen die Telefone nicht mehr still.« So beschreibt Olaf Römer, Geschäftsführer von ATEcare die Situation der letzten Wochen. »Viele Omron-Kunden haben nur kurz die Schlagzeilen zur Ankündigung gesehen oder einfach nach Omron im Web gesucht und sind dabei auf unsere neu gestaltete Website gestoßen.«

Omron, ein 1933 gegründetes japanisches Unternehmen mit über 33.000 Mitarbeitern, ist in weiten Bereichen der Industrie für ganz unterschiedliche Produkte bekannt. Die Betätigungsfelder reichen von der industriellen Automation über den Automobilbereich, über Lösungen für öffentliche Leitsysteme, Bauteile für die Elektronikproduktion bis hin zu medizinischen Anwendungen. »Wenig bekannt ist zum Beispiel, dass Omron unter anderem die erste vollautomatische Ampelanlage, den ersten Geldautomaten, das erste berührungslos gesteuerte Relais, vollautomatisierte Abfertigungsanlagen für Bahnhöfe und vieles mehr erfunden und als erstes produziert hat«, merkt Römer an. Eine Zeitreise durch Omrons Pionier-Wesen ist auf der Website www.omron.co.jp zu finden.

Interessant ist auch der Werdegang der automatischen Inspektion bei Omron. Eine Anwendung zur Untersuchung von Blutkapillaren brachte die Entwickler auf die Idee, die dort bereits eingesetzte Kameratechnik auch zur Inspektion bestückter Leiterplatten anzuwenden. Erfahrungswerte aus der Kameratechnik, der Beleuchtung und der zum damaligen Zeitpunkt hochmodernen Rechentechnik bildeten die Grundlage für ein automatisches optisches Inspektionssystem. Damit ist Omron einer der Pioniere in diesem Bereich. Und mit einem Marktanteil von über 20 Prozent ist Omron Weltmarktführer im AOI-Bereich (Quelle: Frost+Sullivan 2009).

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Inspektionssysteme von Omron im Wandel der Zeit

Eine Zeitreise durch Omrons Produktentwicklungen.

Seit 1996 entwickelt Omron die optischen Inspektionssysteme der WIN-Serie mit ihrem auf einer 3CCD-Kamera und einer definierten LED-Lichtquelle basierenden patentierten Verfahren kontinuierlich weiter. Auch wenn Omron dabei eher konservativ auf vereinheitlichte Gehäusestrukturen gesetzt hat, sind etwa alle zwei Jahre Weiterentwicklungen in das Gerät eingeflossen. Anfang 2000 folgte die Renaissance der Serie RNS – hier war das Ziel, die bewährte Technologie in kleinste, platzsparende Gehäuse zu bringen, ohne den Ablauf zu beeinflussen. Über 5000 weltweite installierte Systeme sind seither platziert.

»Heute geht es den Anwendern nicht nur mehr um das Auffinden von Bauteilen auf einer Leiterplatte nach dem Bestückprozess«, betont Römer. »Vielmehr geht es nunmehr darum, die Prozesse noch zu verbessern, zeitig Einfluss im Produktionsprozess zu nehmen, die Pastenpositionierung zu vermessen, Bestückungen zu kontrollieren und zu protokollieren und auch hochmoderne oder kleinste Bauteile sicher zu inspizieren. Hier unterscheiden sich dann auch viele AOI-Hersteller zum Marktführer – insbesondere die ausgeklügelten Inspektionsalgorithmen für die Lötstellen, die Unterstützung bei der Inspektion im THT-Bereich und die umfangreiche Hilfe zur Prozessanalyse sind hier hervorzuheben.«

Mehr und mehr geht es aber auch um die Zeit - und damit um viel Geld. Hohe Geschwindigkeiten sind nicht nur bei der Inspektion gefordert – die Programmierung muss heute sehr schnell und effizient auszuführen sein und die Nacharbeit nach der AOI-Prüfung sollte soweit wie möglich minimiert werden. Omron hat diese Anforderung aufgegriffen und zur electronica 2010 einige neue Neuheiten im Software-Bereich vorgestellt. »Es macht Spaß zu sehen, wie Programme auch in wenigen Minuten fertig zu stellen sind, die man dann auch sicher im Prozess integrieren kann – und das auch mit den geforderten Lötstellenbewertungen und -vermessungen«, so Römer. »Hier werden wir auch in nächster Zeit noch so einiges erwarten dürfen.«

Das trifft auch für weitere Einsatzgebiete wie etwa dem Medizinsegment zu. So hat sich Omron mit einem namhaften Spezialisten für Computertomographie zusammen gesetzt und ebenfalls zur electronica 2010 die X700-Serie vorgestellt – ein nach Römers Überzeugung ganz neuer Ansatz zum 3D-Röntgen in den Elektronikfertigungen im In-Line-Bereich. »Die 700 werden sich die Kunden im Zusammenhang mit Omron-Inspektionsgeräten merken müssen«, unterstreicht der Experte. »Hier gibt es eine interessante Roadmap – mehr wird noch nicht verraten.«