Interview mit Wendelin Egli, MSR »Nischenmärkte bieten großes Potential für Mini-Datenlogger«

Funk- und Cloud-Anbindung nimmt an Bedeutung zu

Welche technischen Trends erwarten Sie mittelfristig im Bereich der Messdatenerfassung?

Ein großer Trend ist sicherlich die Funk- und Cloud-Anbindung der Datenlogger, denn in M2M-Anwendungen werden Fernüberwachung und Ferneingriff über Smartphones oder Tablets immer wichtiger. Das ist auch für uns ein wesentliches Standbein für die Zukunft. Unser Ansatz hierzu heißt MSR SmartCloud. Im Gegensatz zu einer »normalen« Cloud, die lediglich als Datensammler fungiert, bietet sie dem Anwender die Möglichkeit, direkt Einfluss auf die Daten zu nehmen. So kann er beispielsweise Schwellwerte einstellen und gleich die entsprechenden Entscheidungen programmieren, was bei Überschreiten des Schwellwertes geschehen soll. Für uns ist dieses Verfahren zwar aufwändiger, aber für den Kunden ist es sehr viel praktischer. Im Hinblick auf die Datensicherheit wird die Zukunft darin liegen, dem Kunden eine Kopie unserer SmartCloud zur Verfügung zu stellen. Damit hat er seine ganz eigene Datenwelt, auf die kein Unbefugter Zugriff hat, und er kann seine SmartCloud komplett selber verwalten, auch wenn der eigentliche Server extern gehostet wird.

Sie erwähnten das Stichwort Funk. Wie wichtig wird es in Zukunft sein, dass ein Datenlogger mit einem Funkchip versehen ist?

Die Anfragen nach integrierten Wireless-Technologien nehmen zwar zu, dennoch erwarte ich nicht, dass es zu einem Muss für einen Datenlogger wird. Zum einen ist es eine Kostenfrage, zum anderen läuft ja immer eine »stille« Überwachung in Form eines Memory-Bausteins mit. Bei MSR-Datenloggern speichert der interne Flash-Speicher immer die letzte Million der erfassten Daten. Es handelt sich dabei um einen Ringspeicher, das heißt, es sind immer die zuletzt erfassten Daten gespeichert. Eine zusätzlich integrierte SD-Karte macht sich eine Kopie des Flash-Speichers und erweitert die Kapazität bei Bedarf.

Sie haben bereits einen Datenlogger mit Bluetooth Low Energy vorgestellt. Liegt darin die Zukunft für Ihre Produkte?

Das ist differenziert zu sehen. Bluetooth Low Energy, kurz BLE, eignet sich, wenn es darum geht, wenige Daten über längere Zeit autonom aufzuzeichnen und im Nahbereich zu übermitteln. Ein Beispiel dafür sind Museumsanwendungen, wo die Temperatur und Luftfeuchte im Umkreis der Kunstwerke überwacht werden soll. In einer solchen Anwendung spart man mit BLE im Vergleich zu Bluetooth rund 80 Prozent der Energie. BLE hat jedoch deutliche Nachteile hinsichtlich der Geschwindigkeit und des Protokolls. Wenn also viele Daten schnell über größere Distanzen übermittelt werden sollen, eignet sich Bluetooth besser. Die Lösung – und erneut ein Trend, wie ich denke – ist ein umschaltbarer Dual Chip, der Bluetooth und BLE vereint. Wir sind auch an diesem Trend dran und werden ihn bei weiteren Entwicklungen sicher berücksichtigen.

Abschließend, welche Ziele haben Sie sich für die nähere Zukunft gesetzt?

Auf das Geschäftsergebnis bezogen wollen wir ein gesundes Wachstum von rund zehn bis 15 Prozent pro Jahr erzielen, ausgehend von unserem aktuellen Jahresumsatz von rund zwei Millionen Schweizer Franken. Das ist ein realistisches, erreichbares Ziel. Damit einher geht ein Ausbau des Personals und unserer Infrastruktur. Darüber hinaus ist es unser Ziel und mein ganz persönlicher Wunsch, dass jeder Anwender, der einen Datenlogger sucht, an MSR denkt und sich zumindest auf unserer Homepage informiert. Dazu müssen wir noch bekannter werden und zeigen, wofür MSR steht und was wir in der Lage sind, zu leisten. Das können wir nur erreichen, indem wir kontinuierlich mit den Kunden sprechen, ihre Applikationen und Anforderungen verstehen und sie in die Entwicklung mit einbeziehen.