Medizintechnik / Vaisala Neue Messtechnologie für die H2O2-Begasung

Funktionsprinzip der neuen Messtechnologie
Funktionsprinzip der neuen Messmethode basierend auf einer kapazitiven Dünnschicht-Polymer-Sensortechnologie.

Wasserstoffperoxid (H2O2) setzt sich als Desinfektionsmittel in der Medizin zunehmend durch. Für die lückenlose Überwachung der Bio-Dekontamination mit vernebeltem oder verdampftem H2O2 haben die Experten von Vaisala nun eine völlig neue Messtechnologie entwickelt.

Von: Andreas Knop, Sales Director EMEA – Industrial Measurement, der Vaisala GmbH

Experten schätzen, dass jedes Jahr Tausende Patienten durch mangelnde Hygiene in deutschen Krankenhäusern zu Schaden kommen. Insbesondere im OP-Saal spielen die Sedimentation von Bakterien auf Oberflächen und die Abgabe von Mikroorganismen durch den Menschen eine wichtige Rolle. Aber nicht nur die Behandlung von Menschen erfordert gründlich gereinigtes Equipment und sterile pharmazeutische Anlagen, auch die Herstellung von Arzneimitteln und medizinischen Geräten unterliegen strengen Hygienevorschriften. Um eine Kontamination durch Mikroorganismen zu verhindern, muss der kritische Bereich mit einem geeigneten Biozid dekontaminiert werden. Bei dieser so genannten Bio-Dekontamination wird heutzutage in zahlreichen Anwendungen verdampftes oder vernebeltes Wasserstoffperoxid eingesetzt, allerdings muss man bei der Messung einiges beachten.

Formaldehyd lange Zeit das Desinfektionsmittel der Wahl 

Bis vor kurzem wurde für die Bio-Dekontamination Formaldehyd eingesetzt – auch im Gesundheitsbereich. Bei einer Luftsättigung von 100 % und Temperaturen von mehr als 65 °C wurde dazu das Biozid in den abgedichteten Raum gelassen. Erst nach rund 18 Stunden war die Ausgasung des Formaldehyds und damit der Reinigungsprozess abgeschlossen und die Räume konnten wieder betreten werden. Zurück blieb allerdings ein weißer Niederschlag, der mittels aufwändiger Reinigung entfernt werden musste. Ein Prozess, der nach umfangreicher Arbeit klingt – und genau das auch war. Aber nicht nur die anschließende Reinigung trat die Suche nach einem alternativen Verfahren los, Formaldehyd ist darüber hinaus giftig und geruchsintensiv.

Raumdekontamination mit Wasserstoffperoxid im Trend

Als saubere und umweltfreundliche Alternative zur Bio-Dekontamination mit Formaldehyd hat sich verdampftes oder vernebeltes Wasserstoffperoxid (H2O2) erwiesen. Die Verwendung wird immer beliebter, weil es selbst die resistentesten Mikroorganismen wie Bakteriensporen, Mykobakterien und Viren bei Raumtemperatur und bereits in niedrigen Konzentrationen abtötet. Während und nach dem Sterilisationsprozess zerfällt Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff, sodass es keine toxischen Rückstände hinterlässt. Darüber hinaus gilt die Reinigung mit H2O2 als besonders effektiv, weil es mit einer Vielzahl von Materialien verträglich ist und ein breites Wirkungsspektrum abdeckt. In der Regel wird dazu eine 35 %ige H2O2 -Lösung mit einem speziellen Apparat in dem zu dekontaminierenden Raum verdampft, bis der Taupunkt erreicht ist. Je nach Raumgröße und Umgebungsbedingungen dauert das unterschiedlich lange. Durch die gleichmäßige Mikrokondensation auf allen Oberflächen wird der Reinraum dekontaminiert und anschließend über einen Katalysator umweltfreundlich in Wasser und Sauerstoff zerlegt.

Die Gesamtlänge der Reinigungsprozedur hängt dabei vom zu sterilisierenden Objekt ab, typische Zyklen liegen zwischen einer und zwei Stunden. Die Dekontamination mit H2O2 findet bei niedrigem Druck und niedriger Temperatur zwischen 6 und 60 °C statt. Damit eignet sich die Methode besonders für Produkte, die entweder der Hitze einer typischen Dekontamination in Autoklaven (wie Kunststoff) nicht standhalten können, oder für Räume mit eingeschränkter Diffusion wie Medizinprodukte mit geringem Lumen.