Interview Neue Chancen für Sensoren durch Fahrzeugbatterie-Management

Günther Hoheisel, Bourns:
Bei Elektrofahrzeugen sehen wir speziell im Bereich Batteriemanagement neue Möglichkeiten für den Sensoreinsatz. Mit hohem Wachstumspotenzial rechnen wir vor allem bei Shunts.
Günther Hoheisel, Bourns: Bei Elektrofahrzeugen sehen wir speziell im Bereich Batteriemanagement neue Möglichkeiten für den Sensoreinsatz. Mit hohem Wachstumspotenzial rechnen wir vor allem bei Shunts.

Wichtigster Sensorik-Markt ist für Bourns das Automotive-Geschäft. Günther Hoheisel, Director Engineering Deutschland, setzt auf einen Ausbau des Anteils halbleiterbasierter Sensoren sowie MEMS. Die Druck- und Feuchtesensoren sollen auch verstärkt im Industriebereich zum Einsatz kommen.

Markt&Technik: Bourns ist für passive Bauelemente bekannt. Seit wann ist das Unternehmen im Sensorik-Bereich aktiv? Welche Sensoren standen am Anfang des Sensor-Business bei Bourns?

Günther Hoheisel: Natürlich ist die Wahrnehmung im Markt dem geschuldet, dass wir als Bourns Automotive Division einen sehr dedizierten Markt bedienen, und zwar den der Lenk- und Getriebe-Sensorik sowie den der Tankgeber. Auch wenn die Gründung der Bourns Automotive Division mit den Akquisen der RUF Automotive Group im Jahr 2004, der Tankgebersparte von Tyco im Jahr darauf und schließlich der Automotive Controls Division von SSI im Jahr 2006 einhergeht, gab es bereits Geschäft mit Automotive aus dem Industriebereich. Es fanden potenziometrische Lösungen Einsatz wie etwa im Autoradio, in der Heizungs-/Klimaregelung oder für den Leuchtweitenregler. Mit den genannten Akquisen besaßen wir dann schließlich alle notwendigen Technologien, um in der Winkel- und Drehmoment-Sensorik sowie bei kontaktierenden Systemen, wie die der Pedale und Tankgeber, eine führende Rolle einzunehmen.

Wie hoch ist der Umsatzanteil des Sensorik-Geschäfts am Gesamtumsatz des Unternehmens? Hat er in den letzten Jahren zugenommen? Wie verteilt sich dieser Umsatz regional zwischen den USA, Europa und Asien?

Im wirklich herausforderndem Jahr 2020 wird der Anteil der Automotive Division bei etwa 25 Prozent des Gesamtumsatzes liegen. Seit der Entstehung des Geschäftsbereiches wurden meist zweistellige Wachstumsraten pro Jahr realisiert. War im Jahr 2011 Europa unser Hauptabsatzmarkt, haben sich seither aufgrund der Globalisierung Asien gefolgt von Amerika zu unseren stärksten Märkten entwickelt.

Welches sind die wichtigsten Absatzsegmente für die Sensoren von Bourns? Sind in jüngster Zeit neue Zielmärkte hinzugekommen?

Unser Hauptgeschäftsbereich als Automotive Division ist der Lenkungsmarkt, gefolgt vom Powertrain-Bereich und hier vor allem von den Getriebeapplikationen. Bourns Taufkirchen ist zusammen mit dem zweiten Entwicklungsstandort in Veszprem in Ungarn für die Lenkungs-Sensorik verantwortlich. Natürlich wirkt sich die Elektromobilität auch auf die von uns besetzten Märkte aus und verlangt nach Adaption. Zusammen mit unseren Kunden haben wir uns proaktiv dieser Herausforderung gestellt und werden technologisch und qualitativ unsere Position als führender Partner der Automobilindustrie festigen. Ein neuer Bereich, der sich hier für uns öffnet, ist der des Batteriemanagements, in dem wir bereits mit unseren Produkten aus dem Komponentenportfolio vertreten sind. Zu nennen sind hier im Speziellen die Shunts, bei denen wir ein hohes Wachstumspotenzial sehen.

Bietet Bourns vor allem halbleiterbasierte Sensoren an oder handelt es sich um Sensoren, die auf andere Weise hergestellt werden? Wo produziert Bourns seine Sensoren und wo liegt Ihr Kompetenzzentrum für Sensoren?

In den letzten zehn Jahren hat der Anteil halbleiterbasierter Sensorik deutlich zugenommen. Alle Lenk- und Getriebe-Sensoriken von Bourns sind mittlerweile auf Halbleiterbasis realisiert. Wir haben aber den Vorteil, dass wir auch kontaktierende Technologie im Portfolio haben. Speziell für den Tankgeberbereich wird an der Dickfilmtechnologie so schnell kein Weg vorbeiführen. Sie ist qualitativ auf identischem Niveau mit dem der Halbleiter und kostenseitig mehr als ebenbürtig. Diese Stärken kommen auch für unsere Produkte im Industrie- und im sehr sensiblen Medizinbereich zum Tragen. Unabhängig von der verwendeten Technologie findet die Entwicklung bei uns vornehmlich in den Regionen Amerika und Europa statt. Amerika in Gestalt von Auburn Hills und Chihuahua konzentriert sich dabei auf den Antriebsstrang und Europa mit den Standorten Taufkirchen und Veszprem auf die Lenkungs-Sensorik. Mit unseren Produktionsstandorten in Mexico, Tijuana und Chihuahua, Ajka in Ungarn und Xiamen in China können wir die Kunden in den für das Automobilgeschäft wichtigen Regionen direkt vor Ort unterstützen.

Sind MEMS für Bourns ein Thema? Bieten Sie bereits Sensoren auf MEMS-Basis an? Planen Sie, das in Zukunft zu tun?

MEMS-Sensoren sind für uns ein wichtiges Thema. Einerseits verwenden wir MEMS-Sensoren schon seit einiger Zeit in unseren Positionssensoren, zum Beispiel für Automobilanwendungen als kundenspezifische Lösungen und als Encoder oder kontaktlose Positionssensoren in unserem Standardproduktportfolio. Dazu setzen wir Hall-Effekt- und MR-Technologie-MEMS-Sensoren ein. Weiterhin haben wir 2018 eine neue Produktgruppe von Sensoren in unser Portfolio aufgenommen. Hierbei handelt es sich um Druck und Feuchtesensoren. Diesen Bereich bauen wir aktuell weiter aus.

Wenn der Automotive-Bereich der wichtigste Absatzmarkt für Sensoren aus Ihrem Hause ist, in welchen Bereichen kommen diese Sensoren vor allem zum Einsatz: Komfort, Antriebsstrang, Sicherheit, Chassis oder Infotainment?

Wie erwähnt sind die Hauptbereiche für die Automotive Division die der Lenkung, des Antriebsstrangs und der Tankgeber. Speziell der letztere ist breit gefächert und umfasst bei Bourns auch die Chassis-Sensorik und, neu dazugekommen, das Batteriemanagement. Eine Abgrenzung der Bereiche ist nicht immer eindeutig machbar oder auch sinnvoll. So ist die Lenkung zum Beispiel definitiv im Bereich Sicherheit einzugliedern, besitzt aber auch eine starke Komfortkomponente. Ausschließen können wir bisher nur ein Automotive-Sensorik-Engagement im Infotainmentbereich.

Auf welche Anwendungsbereiche konzentriert sich Ihr Sensor-Angebot im Industrieelektronik-Segment?

Unser Sensorangebot für Industrieelektronik deckt rotarische und lineare Positionssensoren und seit 2018 auch den Bereich Luftfeuchtigkeit und Druckmessung von Gasen und Flüssigkeiten ab. Diese Sensoren werden beispielsweise bei der Nutzereingabe über einen Encoder, die Positionierung von Automationsanlagen, die Druck- und Zustandsüberwachung pneumatischer Systeme bis hin zur Ventilsteuerung und Überwachung von prozesstechnischen Anlagen eingesetzt.