Berührungslose Temperaturmessung »Mit reinen Produktvorstellungen ist es nicht getan - auf die Applikationen kommt es an«

 Prof. Dr.-Ing. Günter Hofmann, DIAS Infrared: »Die berührungslose Erfassung von Temperaturen mithilfe der Infrarotmesstechnik hat sich in den letzten Jahren besonders stark entwickelt.«
Prof. Dr.-Ing. Günter Hofmann, DIAS Infrared: »Die berührungslose Erfassung von Temperaturen mithilfe der Infrarotmesstechnik hat sich in den letzten Jahren besonders stark entwickelt.«

1992 gründete der damalige Leiter des Instituts für Festkörperelektronik der Uni Dresden Prof. Dr.-Ing. Günter Hofmann mit einer Kernmannschaft von sechs Kollegen die DIAS Infrared GmbH. Heute beschäftigt der Spezialist für berührungslose Messtechnik rund 50 Mitarbeiter. Das Team entwickelt, fertigt und vertreibt seine Produkte ausschließlich selber - was für ein Unternehmen in dieser Größe selten sein dürfte.

Markt&Technik: Welche Entwicklung hat der Markt für berührungslose Messtechnik in den letzten Jahren genommen und wie stellt er sich aktuell dar?

Prof. Dr.-Ing. Günter Hofmann: Die berührungslose Erfassung von Temperaturen mithilfe der Infrarotmesstechnik hat sich in den letzten Jahren besonders stark entwickelt. Geräte zur »punktförmigen« Messung, so genannte Pyrometer, gibt es heute in unterschiedlichsten Ausführungen. Temperatur- und Spektralbereiche, Messgeschwindigkeiten, Gehäusevarianten, analoge und digitale Schnittstellen sowie Messfleckgeometrien lassen sich optimal an die konkrete Anwendung anpassen. Entsprechend hat sich das Angebotsspektrum in den letzten Jahren weiter vergrößert, wobei aber auch erhebliche Unterschiede in Qualität und Preis festzustellen sind. Eine besonders rasante Entwicklung fand und findet auf dem Gebiet der Infrarotkameras statt. Durch große technische Fortschritte bei ungekühlten Infrarot-Bildsensoren - speziell so genannte Mikrobolometer - sind heute vor allem portable Wärmebildkameras zur berührungslosen Temperaturmessung auf dem Markt, die wegen ihrer stark gesunkenen Preise eine immer größere Verbreitung erlangen.

Sie stehen mit Ihrem Unternehmen in einem starken Wettbewerbsumfeld - vor allem im Bereich der Infrarotkameras. Wie behaupten Sie sich darin?

Vor allem die genannten Fortschritte bei portablen Infrarotkameras haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass neben den etablierten Unternehmen neue Hersteller, insbesondere aus Asien, und neue Vertriebsfirmen auf den Markt drängen. Diese Entwicklung haben wir schon seit Jahren vorher gesehen und haben uns entsprechend darauf eingestellt. Wir fertigen in unserer Firma keine portablen Infrarotkameras, sondern der Fokus von DIAS Infrared liegt auf dem Gebiet der berührungslosen Temperaturmessung in der industriellen Prozesstechnik und verwandten Gebieten. Wir bieten unseren Kunden sowohl ein großes Spektrum an hochqualitativen stationären Pyrometern und Infrarotkameras als auch komplette Systemlösungen. Vor allem das Systemgeschäft entwickelt sich in den letzten Jahren sehr erfolgreich, zum Beispiel die Brandfrüherkennung. Durch Qualität »made in Germany«, »made by DIAS« und Kompetenz unserer in Forschung und Entwicklung, Fertigung und Vertrieb tätigen Mitarbeiter heben wir uns erfolgreich von der zunehmenden Konkurrenz ab.

Welche Strategien verfolgen Sie, um erfolgreich am Markt zu sein?

Wir setzen auf Individualität, ausführliche Kundenberatung und bieten Infrarotmesstechnik aus einer Hand an. Egal, ob Sie ein Pyrometer für die punktförmige Messung brauchen, eine Linienkamera, eine stationäre Infrarotkamera, passende Software, einen schwarzen Strahler oder die Kalibrierung eines Gerätes. Wir decken das komplette Spektrum ab und können alles passend zueinander anbieten. Außerdem sind wir gut darin, Komplettlösungen für unsere Kunden zu erarbeiten - von der passgenauen Konfiguration bis zur Vor-Ort-Montage.

Sie entwickeln, fertigen und vertreiben alle Produkte selber. Wie wichtig ist diese komplette Eigenständigkeit für Sie?

Sehr wichtig. Sehen Sie, die Messprobleme unserer Kunden sind ja sehr vielfältig. Um hier für jeden Einzelfall eine optimale Lösung für den Kunden zu erreichen, sind unter anderem eine große Grundgeräte-Variantenvielfalt, die Fähigkeit zur Realisierung kundenspezifischer Lösungen und natürlich qualifizierte Applikationsingenieure für den Vor-Ort-Einsatz nötig. Wenn dabei Entwicklung, Fertigung und Vertrieb auf kurzem Weg direkt zusammenarbeiten können, ist das technisch und kostenmäßig für alle die beste Lösung. Nicht zuletzt bietet dies auch wesentliche Vorteile in der Qualitätssicherung.

Welche Trends werden die berührungslose Messtechnik mittelfristig prägen?

Wie auf vielen Gebieten der Messtechnik wird sich auch bei der berührungslosen Infrarot-Temperaturmesstechnik der Trend einer weiter erhöhten technischen Funktionalität bei gleichen oder niedrigeren Preisen fortsetzen. Der Trend wird außerdem zu höheren Auflösungen im HD-Bereich führen. Auch denke ich, dass es zunehmend wichtiger wird, die Usability von Softwarelösungen in den Vordergrund zu stellen und so zu gestalten, dass Anwender effizienter mit der Software arbeiten können.

Wo liegen die technischen Herausforderungen für Sie als Hersteller?

Durch den Einsatz modernster Komponenten der Sensorik, Optik, Feinmechanik und Elektronik werden die Geräte noch kompakter, schneller, genauer und höher auflösend werden. Für unsere Kunden ist das natürlich eine gute Entwicklung, für uns als Hersteller ist es aber auch eine gewisse Herausforderung.

Welche Neuheiten dürfen wir in nächster Zeit von Ihrem Unternehmen erwarten?

Wir haben gerade ein neues Lichtleiter-Quotientenpyrometer mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis auf den Markt gebracht. In Kürze folgen neue schnellere Infrarotlinienkameras und kompaktere stationäre Wärmebildkameras. Was für uns selber aber ebenfalls sehr wichtig ist, ist die diesjährige Einführung unseres neuen Corporate Designs inklusive neuer Webseite. Schauen Sie doch einfach mal vorbei.