Zum 70. Geburtstag des Promess-Gründers »Im Haifischbecken der großen Firmen hätte ich nicht überlebt«

Promess-Gründer Dr.-Ing. Gerhard Lechler blickt zu seinem 70. Geburtstag zurück auf 38 Unternehmerjahre.
Promess-Gründer Dr.-Ing. Gerhard Lechler blickt zu seinem 70. Geburtstag zurück auf 38 Unternehmerjahre.

Die Promess Montage und Prüfsysteme GmbH ist auf Wachstumskurs: Mitte 2015 wurde ein neues Fertigungsgebäude bezogen, und die Mitarbeiterzahl steigt kontinuierlich. Zum 70. Geburtstag des Firmengründers Gerhard Lechler spricht seine Tochter Katrin mit ihm über Höhen und Tiefen der Selbstständigkeit.

Karin Lechler: Du bist fast dein ganzes Leben selbstständig. Hast du davon schon als junger Mensch geträumt?

Gerhard Lechler: Nein, nie. Die Selbstständigkeit ist für mich deshalb überhaupt in das Blickfeld getreten, weil ich eine Entwicklung an der Uni gemacht habe, mit einem Patent verbunden, und mal probieren wollte, ob man das vermarkten kann. Ich habe nicht die geringste Ahnung gehabt, was man tun muss, um das hinzukriegen. Ich fand das Produkt gut und habe versucht, es zu vermarkten. Das war der einzige Grund. Später hat sich herausgestellt, dass es noch ein paar andere sinnvolle Motive gab, so zu handeln: Weil ich vermutlich in der Industrie in diesem sehr harten und eisigen Klima in den Führungsetagen wohl eher nicht zurechtgekommen wäre. Ich bin kein Typ für das Haifischbecken. Und da muss man eben, wenn man in Firmen erfolgreich ist und nach oben gespült wird, scharfe Zähne haben. Und die habe ich mein Leben lang nicht gehabt.

Ein planbarer Feierabend, festes Gehalt und keine Mitarbeiterverantwortung, weniger Risiko –  hast du dich nicht manchmal nach einem ruhigeren Arbeitsleben als Angestellter gesehnt?

Einkommensfragen, Arbeitszeiten – an die habe ich nie auch nur eine Sekunde gedacht. Ich habe auch gerade zu Beginn wahnsinnig viel gearbeitet. Aber es hat eben auch Spaß gemacht. Mir kam nie der Gedanke: Man geht es dir schlecht! Andere gehen jetzt nach Hause, und du arbeitest hier für so einen Mickerlohn. Selbst als ich eine Familie hatte, habe ich mir finanzielle Fragen nicht in der nötigen Ernsthaftigkeit gestellt. Ich bin einfach los und hab´s gemacht.

Im Nachhinein klingt es einfach, ein Machertyp zu sein. Bestimmt hättest du dir auch einiges gern erspart in deinem Arbeitsleben?

Man ist im Nachhinein klüger, und dass man reichlich Fehler gemacht hat, ist ohne Zweifel richtig. Alles, was ich getan habe, hat mich verändert und geformt. Es hat irgendetwas zu meiner Arbeitsorganisation und -auffassung beigetragen. Selbst die Tatsache, dass wir mit meiner Vorgängerfirma einmal fast Pleite gegangen sind, möchte ich im Nachhinein nicht missen: Weil ich daraus unglaublich viel gelernt habe, was man anders machen muss, um in einer solchen Situation zurechtzukommen. Im Übrigen ist das in Amerika ja inzwischen ein Qualitätsmerkmal, wenn man mit einer Firma gegen die Wand gefahren ist. Leute, die das erlebt haben, haben eine andere Sicht auf die Industrie und Berufswelt.

Auch ein begabter Unternehmer kommt ohne ein gutes Team nicht weiter. Wie hast du Menschen motiviert und für ihre Aufgaben begeistert?

Mich hat zunächst die Technik bewegt und vorangetrieben. Fragen der Mitarbeiterführung und -motivation waren völlig außerhalb meines Blickwinkels. Wenn in der Technik etwas schief ging, dann war ich erschüttert. Wenn Leute sich nicht wohl gefühlt haben, war mir das relativ egal. Weil ich mir gedacht habe: Die sollen tun, wofür sie bezahlt werden. Natürlich habe ich mich bemüht, ein vernünftiges Arbeitsklima zu schaffen, mit den Leuten klarzukommen, sie anständig zu bezahlen. Aber es hat nicht dieses hohe Gewicht gehabt, wie heute, wenn ich nochmal so etwas machen würde. Dann würde ich bewusst darüber nachdenken und es nicht situativ einfließen lassen wie früher: Ich bin ja Spät-68er, war im sozialdemokratischen Hochschulbund und habe dort so einiges an sozialem Engagement mitgenommen. Ich fand zum Beispiel dieses Gehabe mit dicken Autos und fetten Häusern immer unangenehm, das Ausspielen von Abhängigkeiten gegenüber Mitarbeitern. Ich bin immer selbst auf die Mitarbeiter zugegangen und habe gesagt: „Ihr bekommt jetzt mehr Geld.“