Generationswechsel bei Rohde & Schwarz »Ich habe nie versucht, Karriere zu machen«

Was bleibt? Und was wird?

Gibt es Entscheidungen, die Sie im Nachhinein betrachtet anders hätten treffen sollen?

Es wäre vermessen, zu sagen, ich hätte über die vielen Jahre alles richtig gemacht. Echte Katastrophen gab es kaum, aber sicher hätte ich manches mit mehr Nachdruck verfolgen sollen und ich hätte vielleicht auch etwas mutiger sein können. Ein gewisser Startup-Charakter hätte mir – und dem Unternehmen – möglicherweise gutgetan. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Ist dieser „Startup-Charakter“ für ein Unternehmen dieser Größe überhaupt realisierbar?

Rohde & Schwarz ist im besten Sinne eine Konsensfirma. Wir haben im Führungsteam oft und viel diskutiert und immer einen Konsens gefunden. Doch die Entscheidungsprozesse in einem großen Konzern dauern manchmal zu lange. So manches Mal hätte ich mir schnelleres Handeln gewünscht. Aber es ist bereits ein Umbruch zu spüren.

Sie übergeben den Geschäftsbereich Messtechnik als erfolgreiches, wachstumsstarkes Segment. Wird es Ihnen schwerfallen, loszulassen?

Ja und nein. Das Tagesgeschäft ist anstrengend, das werde ich vermutlich nicht vermissen. Dennoch werden mir die Kontakte und der Austausch mit den Kollegen fehlen. Und auch der Informationsfluss über die technologischen Neuheiten wird abreißen. Ich kann künftig nicht mehr einfach zu den Entwicklern gehen und ihnen über die Schulter gucken. Auch das wird mir fehlen. Aber ich gehe mit dem guten Gefühl, dass der Geschäftsbereich Messtechnik gut aufgestellt ist und mit Andreas Pauly einen Leiter hat, der die Vertrauenskultur weiterführen wird, die ich mit geprägt habe.

Was möchten Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?

Mit zunehmender Schnelllebigkeit der Märkte werden die Produktentwicklungszeiten immer kürzer. Damit müssen auch die Entscheidungsprozesse schneller werden. Ich würde meinem Nachfolger raten, Projekte mit Nachdruck zu verfolgen, nicht zu sehr an Althergebrachtem festzuhalten und die Zukunft mutig anzugehen. Das, was uns erfolgreich gemacht hat, nicht über Bord zu werfen und sich nicht verrückt machen zu lassen – auch nicht in schwierigen Zeiten.

Für was werden Sie sich in Zukunft mehr Zeit nehmen?

Ich züchte mit meiner Frau seit vielen Jahren italienische Windspiele. Das ist eine kleine Windhund-Art. Und ich werde ein altes Hobby wieder aktivieren, für das ich schon lange keine Zeit mehr hatte: Amateurfunk. So schließt sich für mich auch der Kreis: Über die Funklizenz bin ich zur Technik gekommen, das war quasi der Beginn meines beruflichen Werdegangs, und mit dem Funken werde ich diesen auch beschließen.

Vielen Dank, Herr Steffen. Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen alles, alles Gute für Ihren neuen Lebensabschnitt zu wünschen. Machen Sie’s gut!