Generationswechsel bei Rohde & Schwarz »Ich habe nie versucht, Karriere zu machen«

Technik-Leidenschaft, Meilensteine und schlaflose Nächte

Was hat Ihnen in Ihrer Führungsposition am meisten geholfen?

In unserer Branche ist es essenziell, dass die Führungskräfte einen tiefen technischen Hintergrund haben. Das ist wichtig, um zu verstehen, was die Mitarbeiter tun, was sie umtreibt und wie schwierig ein Entwicklungsvorhaben wirklich ist. Ich habe die Hälfte meines Berufslebens entwickelt, die andere Hälfte in Managementpositionen verbracht. Das ist mir sehr zugute gekommen.

Hat Sie die Leidenschaft für die Technik jemals losgelassen?

Nein. Ich wollte immer gute Technik und gute Produkte entwickeln, etwas zum Funktionieren bringen. Auch heute noch juckt es mich oft in den Fingern, selber mit zu entwickeln. Ein Entwickler ist von Natur aus neugierig und das bleibt er auch bis ins hohe Alter.

Welches waren die größten Meilensteine Ihrer Karriere – technologisch und persönlich? Gibt es ein Projekt, das Sie als Ihr „Baby“ betrachten und das Ihnen sehr am Herzen liegt bzw. gelegen hat?

Ich bin kein Mensch, der mit seinen Verdiensten prahlt. Aber tatsächlich bin ich ein wenig stolz darauf, dass ich damals im Bereich Mobilfunk den Startimpuls für die Protokollmesstechnik gegeben, sie vorangetrieben und signifikante Beiträge zu ihrem Erfolg geleistet habe. Der Einstieg in den Oszilloskopmarkt geht auf mein Betreiben zurück. Und bei dem Engagement im Bereich der Körperscanner rechne ich mir an, den richtigen Mitarbeitern vertraut und ihnen die entsprechenden Freiräume gegeben zu haben. Zum Zeitpunkt der Entscheidung waren das alles mutige Schritte, aber ich war überzeugt, dass es die richtigen für das Unternehmen waren. Und ich war bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, auch wenn es nicht geklappt hätte.

Haben Sie Fehler gemacht?

Ja, natürlich. Das gehört einfach dazu. Aber Rohde & Schwarz hat eine sehr gute Fehlerkultur. Nur in einem angstfreien Umfeld entsteht Kreativität. Das hat das Unternehmen dahin gebracht, wo es heute ist. Man lässt den Mitarbeitern viel Gestaltungsfreiraum, solange sie bereit sind, die Verantwortung für ihr Handeln zu tragen – auch wenn es mal schiefgeht.

Hat Ihnen die Verantwortung nicht so manches Mal den Schlaf geraubt?

Nein, ich habe sie nie als Last empfunden. Ganz im Gegenteil. Und schlaflose Nächte hatte ich deswegen auch nie (lacht).

Auch nicht in Krisenzeiten?

Natürlich gab es Situationen, die für das Unternehmen und für mich selber schwierig waren. In der Krise Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre mussten wir uns leider von einigen Mitarbeitern trennen. Ich kannte die Kollegen gut und wusste um deren private Lebensumstände. Die Trennungsgespräche haben mich sehr belastet. Aber auch das gehörte dazu. In der Finanzkrise 2008/2009 konnten wir dank Kurzarbeit alle Mitarbeiter behalten. Das war für uns ein großer Vorteil, denn als sich die Wirtschaft wieder erholt hatte und ein wahrer Boom einsetzte, waren alle Mitarbeiter noch da – mit all ihrem Know-how, ihrer Erfahrung und mit neuem Tatendrang. Wir haben in dieser Zeit Marktanteile hinzugewonnen und waren stärker als je zuvor.