Murata baut neues MEMS-Werk Für alle Einsatzbedingungen

Mit dem Bau einer neuen Fertigung will Murata Electronics im finnischen Vantaa die Produktionskapazität von derzeit etwa 60 Millionen MEMS ab 2020 verdoppeln.

Mit der Verdoppelung der Produktionskapazitäten im finnischen Vantaa reagiert Murata auf die steigende Nachfrage nach MEMS vor allem für Automotive-Anwendungen, aber auch für Industrie- und Medizintechnik.

Auch wenn es das Produktportfolio von Murata nahelegen mag, Consumer-Applikationen sind definitiv nicht das Ziel der MEMS-Aktivitäten des Unternehmens. »Unsere MEMS-Aktivitäten richten sich auf Anwendungen, die ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Qualität verlangen, mit einem minimalen Energiebedarf auskommen, und das auch noch in der kleinstmöglichen Größe«, charakterisiert Takayuki Kaneko, General Manager European RF Solutions & Sensor Group von Murata, die Aktivitäten des Unternehmens im MEMS-Bereich. »Unsere Anforderung lautet, immer ein einzigartiges Produkt zu entwickeln.«

Als Unternehmen, das sein Know-how und seinen Markterfolg vor allem auf keramische Werkstoffe gründet, war Murata schon in den 1990er-Jahren im Bereich Piezo-basierter Sensorprodukte aktiv. Schnell wurde aber klar, dass sich das Sensor-Geschäft nur dann profitabel ausbauen lassen würde, wenn es um andere Sensortechnologien ergänzt würde. Im Fokus standen dabei vor allem MEMS und magnetische Sensoren. Im Zuge dieser Bemühungen übernahm Murata im Frühjahr den finnischen MEMS-Hersteller VTI Technologies und benannte ihn in Murata Electronics Oy um.

Im Jahr 1991 gegründet und nahe Helsinki beheimatet, entwickelte sich VTI mit seiner proprietären 3D-MEMS-Technologie über einige Eigentümerwechsel hinweg zu einem der führenden Anbieter für Automotive-MEMS. Aktuell sieht sich Murata als Nummer 1 im Bereich der Beschleunigungssensoren für aktive Sicherheitssysteme im Auto. Gleichzeitig sieht sich das Unternehmen in der Rolle des Marktführers für kombinierte Sensormodule, die Beschleunigungssensoren und Gyroskope in sich vereinen. Automotive stellt denn auch heute das größte Anwendungs- und Umsatzsegment für die MEMS von Murata dar. »Unsere Sensoren sind heute in den führenden Automarken der Welt vertreten«, versichert Kaneko.

Bereits seit den späten 1990er-Jahren war VTI auch im Bereich Medizintechnik aktiv. Heute finden sich Beschleunigungssensoren sowie Neigungs- und Drucksensoren sowie Sensoren zur Messung der Winkelgeschwindigkeit in Herzschrittmachern und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren. Ein minimaler Energieverbrauch der MEMS ermöglicht für die Patienten Batterielaufzeiten von sieben bis zehn Jahren. Doch damit nicht genug. Wie Kaneko erläutert, bietet Murata auch einen Ballistocardiographic-Bettsensor an, mit dem es für Equipment-Hersteller und Systemintegratoren möglich ist, ein kontaktloses Patienten-Monitoring zu ermöglich. Mit dem Bettsensor ist nicht nur festzustellen, ob das Bett belegt ist oder nicht, sondern auch die Herztätigkeit von Menschen lässt sich damit überwachen. Diese Art des Patienten-Monitorings lässt zudem eine Beobachtung des Schlafes und damit letztlich der Schlafphasen, der -qualität und der Erholung durch den Schlaf zu.