Kommentar zur Übernahme Keithleys durch den Danaher-Konzern Flucht unter's Dach?

Nicole Wörner, Markt&Technik
Nicole Wörner, Markt&Technik

Mit dem Verkauf von Keithley Instruments an den US-amerikanischen Mischkonzern Danaher geht ein weiteres traditionsreiches, gründergeführtes Unternehmen unter das Dach eines Großkonzerns. Ob diese Entwicklung überraschend kam oder nicht, darüber lässt sich sicherlich streiten.

Fakt ist, dass Keithley sich bereits im vergangenen Jahr von seiner kompletten Hochfrequenz-Produktlinie getrennt und diese für rund neun Millionen US-Dollar an den Mitbewerber Agilent verkauft hatte. Mit diesem Schritt wollte man sich wieder auf seine Kernkompetenz, den DC-Markt, konzentrieren, hieß es damals. Fünf Jahre hatte das Unternehmen in die Entwicklung von Hochfrequenz- und Mobilfunk-Messtechnik investiert und sich in diesen Bereichen sogar zu einem der führenden Anbieter entwickelt. Leider war es aber vor allem der Wireless-Markt, der im Zuge der Wirtschaftskrise stark nachgegeben hatte. Entsprechend habe sich nach Aussage von Keithleys Chairman, President und CEO Joseph Keithley das Return-of-Investment entgegen der Planung so weit nach hinten verschoben, dass man nicht gewillt war, weiter in dieses Segment zu investieren. Übrig blieb die DC-Sparte – die traditionelle Stärke des Unternehmens.

Die Strategie der Fokussierung auf Kernkompetenzen schien tatsächlich aufzugehen. Das Unternehmen erholte sich deutlich: Nach mehreren erfolgreichen Quartalen in Folge meldete Keithley für das dritte Quartal 2010 einen Nettoumsatz von 30,7 Millionen US-Dollar und einen Nettogewinn von 5,6 Millionen Dollar. Verglichen mit dem Nettoverlust von 3,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal entsprach das einer Steigerung von rund 31 Prozent. Vermutlich war genau diese anhaltend aufsteigende Tendenz des Unternehmens einer der ausschlaggebenden Faktoren, der Keithley für Danaher zu einem interessanten Kaufobjekt machte.

Nun wird Keithley als Teil von Danahers Electronic-Test-Sparte in den Großkonzern eingegliedert. Darin befinden sich bereits namhafte Messtechnikhersteller wie Tektronix, Hart Scientific, Raytek, Robin Electronics, Fluke und Fluke Networks. Joseph Keithley sieht sein Lebenswerk unter dem Danaher-Dach offenbar gut aufgehoben, sonst hätte er vermutlich anders entschieden. Ob die Konzernzugehörigkeit das Unternehmen wirklich weiter nach vorne bringt und ob Keithley – ähnlich wie seinerzeit Fluke – von der Übernahme profitieren kann, bleibt abzuwarten und zu hoffen.

Ihre Nicole Kothe-Wörner