Analysetools von Ergoneers (mit Video) Eyetracking-Brille zeigt Elfmeter-Strategie

Jugendlicher beim Torschuss mit dem »Dikablis« Eye-Tracking-System
Jugendlicher beim Torschuss - ausgerüstet mit dem »Dikablis« Eye-Tracking-System von Ergoneers

In einer Demostudie hat Ergoneers untersucht, wie Sportler mithilfe automatisierter Messverfahren ihre Trainingsmethoden verbessern können. Aktueller Aufhänger ist die Fußball-Europameisterschaft: Was zeichnet einen guten Elfmeterschützen aus und wie lässt sich ein Elfer sicherer verwandeln?

In der Studie wurden einige Spieler einer Fußball-Jugendmannschaft während des Trainings mit dem Ergoneers »Dikablis« Eye-Tracking-System ausgestattet, das die Blickmuster der Schützen vor dem Torschuss nachvollzog. Die bislang sehr zeitaufwändige Auswertung der Videoszenen wurde durch die von Ergoneers entwickelte Marker-Technologie sowie die Mess- und Analysesoftware D-Lab deutlich vereinfacht und beschleunigt.

Doch zurück zum Versuch: Interessant war zu beobachten, inwieweit die Spieler eine Strategie vor dem durchgeführten Torschuss verfolgten. Bei der Auswertung waren deutlich zwei Blickstrategien zu erkennen: Zum einen gab es Spieler, die in ihre Schussrichtung blicken. Zum anderen Spieler, die versuchten, mit ihrem Blickverhalten den Torwart zu bluffen. 

Das Ergebnis: Torschützen, die mit ihrer Blickrichtung den Torwart täuschten, waren erfolgreicher – sie trafen im Versuch deutlich öfter ins Netz. 

Auf die gesamte Gruppe bezogen, lag die Verteilung der Treffer im Verhältnis zu Fehlschüssen beziehungsweise erfolgreicher Abwehr des Torwarts bei 70 zu 30 – ein Wert, der nahe an den Werten der Profifußballer liegt. Schützen, die mit ihrem Blick täuschten, lagen mit ihrer Trefferquote weit über diesem Wert. 

Marker-Technologie im Tor-Bereich

Selbst die Auswertung solch kleiner Versuche mit einer Eye-Tracking-Brille erzeugt gewöhnlich eine sehr große Menge an Datenmaterial, das anschließend mühsam ausgewertet werden muss. Hier setzt die Marker-Technologie von Ergoneers an:  

Im Bereich des Tors wurden Marker angebracht, die nach einem ähnlichen Prinzip wie QR-Codes aufgebaut sind. Sobald ein Marker in der Eye-Tracking-Szenenkamera sichtbar ist, wird dieser in Echtzeit von der D-Lab-Software erkannt. Die so genannten »Area of Interest« (AOI), die durch die Marker gekennzeichnet sind, erleichtern Ergoneers D-Lab die Analyse der Blickzuwendungen. 

Die jugendlichen Torschützen zielten beim Spiel und Elfmeterschießen auf die mit Markern versehenen Tore. Die Rechtecke, die in Ergoneers Video zur Studie (s. unten) farbig sichtbar sind, entsprechen den Areas of Interest. Die Blicke der Schützen ließen sich hingegen anhand einer Kennzeichnung durch Fixationskreuze, im Video erkennbar, nachvollziehen.

Sobald die Eye-Tracking-Kamera die Marker erfasst, wird ein Weltkoordinatensystem aufgespannt und es werden von der D-Lab-Software Areas of Interest daran gebunden. Sämtliche Berechnungen in Hinblick auf die AOI können so automatisiert durchgeführt werden – ein enormer Zeitvorteil. 

»Bei der Auswertung von sportwissenschaftlichen Studien verbringen die Analytiker viel Zeit vor dem Rechner«, erklärt Günter Fuhrmann, Chief Operating Officer von Ergoneers. »Mit den Markern haben wir ein Tool entwickelt, das bei der Datenauswertung wertvolle Zeit spart. Abhängig von der Größe der Studie können das bis zu mehrere Wochen Zeitersparnis sein.«  

Weiterführende Infos

Neben der Entscheidung für eine Methode müssen bei sportwissenschaftlichen Studien am Ende die Ergebnisse natürlich auch wissenschaftlichen Qualitätskriterien entsprechen. Diese sind Objektivität, Reliabilität, interne Validität, Inhaltsvalidität, externe Validität und Replizierbarkeit. Werden diese Qualitätsstandards nicht ausreichend berücksichtigt, ist eine Studie in ihrer Aussagekraft eingeschränkt – im Extremfall sogar wertlos. 

Näheren Zugang zu diesem Thema bietet ein deutschsprachiges Whitepaper von Ergoneers, das die Qualitätsstandards einer sportwissenschaftlichen Untersuchung zusammenfasst und mit Beispielen aus der Praxis illustriert.