Chinas »Chang'e 4« funkt Erste Landung auf Mondrückseite

Die von der China National Space Administration (CNSA) am 03.01.2018 zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt die Rückseite des Mondes, aufgenommen von der «Chang'e 4»-Sonde.
Die von der China National Space Administration (CNSA) am 03.01.2018 zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt die Rückseite des Mondes, aufgenommen von der »Chang'e 4«-Sonde.

Auch Messtechnik aus Deutschland arbeitet jetzt auf der Rückseite des Mondes, nachdem Chinas »Chang'e 4« glücklich gelandet ist.

Minuten nach der Landung, die um 3.26 Uhr MEZ am Donnerstagmorgen erfolgte, funkte die Sonde erste Bilder vom Aitken-Krater aus, der in der Nähe des Südpol liegt, zur Erde. Auf ihnen ist die Oberfläche des Mondes zu sehen, die »Dunkle Seite des Mondes«. Im chinesischen Staatsfernsehen war von einer historischen Landung und einem großen technologischen Durchbruch die Rede. Ein Durchbruch soll auch die Nachfolgemission »Chang'e 5« im kommenden Jahr werden, die auch Proben vom Mond zur Erde zurückbringen soll – erstmals seit 1976.

Die erste sanfte Mondlandung war der sowjetischen Sonde »Luna 9« 1966 gelungen. 1959 zerschellte Luna 2 auf dem Mond. 1969 betrat ein US-Astronaut erstmals den Erdtrabanten.

Mit an Bord von »Chang'e 4« ist ein von Wissenschaftlern der Kieler Christian-Albrechts-Universität entwickeltes Strahlenmessgerät. Das Kieler Experiment soll mindestens ein Jahr lang die Strahlung und den Wassergehalt des Bodens messen und die Daten zur Erde schicken. Die Erkenntnisse daraus sollen helfen, zukünftige bemannte Mondmissionen vorzubereiten.

China ist nun die erste Nation, die auch auf der von der Erde abgewandten Seite des Mondes gelandet ist. An Bord der »Chang'e 4« befindet sich ein Roboterfahrzeug, das das Terrain um die Landestelle erkunden soll.

Chinesische Experten hatten die Mission im Vorfeld als sehr anspruchsvoll bezeichnet. Als Hürde galt die reibungslose Kommunikation mit der Erde, weil auf der Rückseite des Mondes keine direkte Funkverbindung aufgebaut werden kann. Deshalb brachten die Chinesen bereits im Mai den Übertragungssatelliten »Queqiao« (Brücke der Elstern) in Position, um Signale aus dem Funkschatten senden zu können.

Mit einem reibungslosen Ablauf der Mond-Mission – die Sonde war am 8. Dezember auf einer Rakete vom Typ »Langer Marsch 3B« ins All gestartet – soll unter Beweis gestellt werden, dass Chinas ambitioniertes Raumfahrtprogramm große Fortschritte macht.

Astronomie und Gemüseanbau

Geplant sind unter anderem Experimente mit niedrigen Radiofrequenzen. Ohne die Erdatmosphäre und andere Störungen können Astronomen in der Stille des Alls besser Signale auffangen und hoffen auf neue Erkenntnisse über die Entstehung der Sterne.

Zudem hat »Chang'e 4« Saatgut geladen, mit dem geprüft werden soll, ob Gemüseanbau in einer geschlossenen Umgebung bei der niedrigen Schwerkraft der Mondoberfläche möglich ist.

2019 plant China eine weitere unbemannte Landung, um Gesteinsproben zur Erde zurückzubringen. Bis 2030 soll erstmals ein Chinese einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen. Die Mondmissionen sind nur ein Teil des ehrgeizigen Raumfahrtprogramms Chinas, das auch den Bau einer Raumstation um 2022 vorsieht.

»Chang'e 4« war am 8. Dezember von der Erde gestartet und erreichte laut Staatsfernsehen am 12. Dezember die Mond-Umlaufbahn.

Mit »Chang'e 3« hatten die Chinesen erstmals 2013 eine Sonde auf der Vorderseite des Erdtrabanten gelandet – weit später als Russen und Amerikaner. Die USA hatten nach unbemannten Sonden zwischen 1969 und 1972 auch zwölf Astronauten auf den Erdtrabanten gebracht.