Sensor-Start-up will Märkte erobern »Eine Firma ist wie ein Kind…«

Clemens Launer (li.) und Dr. Raino Petricevic (re.), iNDTact: »Verwirklichung ist für uns das Wichtigste. Eine Firma zu gründen ist, als würde man sein eigenes Kind aufziehen – und sein Kind verkauft man ja auch nicht.«

Egal ob Automotive, Raumfahrt, Seismik, Luftfahrt, Maschinenbau oder Logistik – die Gründer des jungen Start-ups iNDTact Dr. Raino Petricevic und Clemens Launer setzen sich ehrgeizige Ziele.

Markt&Technik hat mit den beiden gesprochen und gefragt, was es mit den Sensoren, die „fühlen“, auf sich hat.

Markt&Technik: Letztes Jahr haben Sie den „Bayerischen Gründerpreis“ gewonnen, im August dieses Jahres durften Sie sich außerdem über den „Deutschen Gründerpreis“ freuen. Was hebt Ihr Unternehmen von anderen in Ihrer Branche ab?

Clemens Launer: Bei iNDTact spielen unsere persönlichen Wertevorstellungen eine große Rolle, die wir auch mit unseren Mitarbeitern teilen. Familie ist für Dr. Petricevic und mich sehr wichtig, daher wiegt bei uns der Sozialgedanke mehr als das reine Umsatzdenken. Wichtig ist am Ende ein gutes Ergebnis zu guten Bedingungen. Wie dieses erreicht wird, überlassen wir unseren Mitarbeitern relativ frei. Wir möchten mit unserer Firma mehr als nur Gewinn machen. Wir möchten anderen helfen – auch außerhalb des Unternehmens. Wir spenden zum Beispiel für verschiedene Einrichtungen und engagieren uns in der Flüchtlingshilfe. Falls ein potenzieller Kunde bei uns nicht fündig wird oder wir ihm einfach nicht das bieten können, was er sich wünscht, sagen wir ihm das auch ehrlich. Wir wollen durchaus Umsatz machen, aber das alleine reicht nicht, da muss noch mehr gehen.

Nicht immer läuft alles rund – was haben Sie als größte Hürde bei der Gründung Ihres Unternehmens erlebt?

Am Anfang hatten wir vor allem am Gesellschaftsvertrag ziemlich zu knabbern. Dabei haperte es teilweise nur an einzelnen Phrasen oder Worten, die anders ausgelegt wurden, als wir es uns vorstellten. Auch die Gesamtausrichtung war uns anfangs noch nicht hundertprozentig klar: Erst durch die Bedürfnisse unserer Kunden haben wir das Potential unseres Sensors ganz ausgereizt und erarbeitet, wie man aus dem Sensor am besten ein ganzes System machen konnte.

Ein weiteres großes Problem stellte in der Gründungsphase die Mitarbeitersuche dar. Leider mussten wir feststellen, dass nicht jeder gute Mitarbeiter automatisch ein guter Gründer ist – daher hat es etwas gedauert, bis wir unser Kernteam zusammen hatten. Natürlich hatten wir auch mit den für die meisten Start-ups üblichen Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Aber das ist normal – wer als Start-up liquide ist, der investiert nicht richtig. Wir haben unsere Probleme aber mit einem gut durchdachten Langzeitplan in den Griff bekommen.

Sie sprechen die Liquidität an. Wie haben Sie iNDtact in der Anfangszeit finanziert?

In den ersten eineinhalb Jahren haben wir uns aus eigener Tasche finanziert. Später haben dann die Business Angels „Family, Friends & Fools“ in iNDTact investiert und uns in vielen Belangen unterstützt.

Wie haben Sie es in der Startphase geschafft, sich auf dem Markt zu positionieren und bekannt zu werden?

Das hat sehr lange gedauert, eigentlich befinden wir uns sogar jetzt noch in dieser Phase. Als Start-up-Gründer bleibt Ihnen eigentlich anfangs nichts Anderes übrig, als Klinken zu putzen. In den ersten eineinhalb Jahren haben wir also verschiedene Unternehmen wie Siemens, BMW und Airbus besucht und direkt angesprochen. Außerdem haben wir uns auf verschiedenen Messen umgehört und dort viele Kontakte geknüpft. Zudem konnten wir die Unternehmen schließlich mit angemessenen Preisen überzeugen. Mittlerweile arbeiten wir zusätzlich mit etwa zwanzig Universitäten zusammen, halten Vorlesungen und kooperieren bei Projekten.