Markt&Technik-Forum Sensorik »Ein Sensor ohne App bringt die PS nicht auf die Straße!«

Auch wenn das Smartphone als Wachstumstreiber für MEMS und halbleiterbasierte Sensoren wohl in die Jahre gekommen ist, eröffnet sich für die Hersteller eine Vielzahl unterschiedlichster Applikationen. Entscheidend in allen Fällen: Lässt sich aus einer cleveren Idee auch wirklich ein Use-Case machen?

Zählt man, wie die Marktforscher von IHS Markit, MEMS-, Fingerprint- und Light-Sensoren zusammen, dann ergibt das für das Jahr 2017 einen Umsatzwert von 15,5 Milliarden Dollar. Für 2018 rechnet Dr. Richard Dixon, Principal Analyst Sensors bei IHS Markit, mit einem Anstieg auf 15,9 Milliarden Dollar. Auch wenn sein Kollege Jérémie Bouchaud, Director und Senior Principal Analyst Automotive Semi, Industrial Semi sowie MEMS & Sensors bei IHS Markit, im Gespräch mit dieser Zeitung von einer aktuell besseren Marktsituation sprach, als sie von IHS ursprünglich prognostiziert wurde, scheint sich diese positive Marktstimmung mit einem erwarteten Plus von 7 Prozent derzeit nur im MEMS-Bereich positiv auszuwirken. Mittelfristig, so die Aussage von Dr. Dixon, deutet vieles für das Gesamtumsatzvolumen von MEMS-, Fingerprint- und Light-Sensoren auf ein eher stagnierendes Wachstum bis 2020 hin.

Verantwortlich dafür, das wurde beim diesjährigen Sensorik-Forum der Markt&Technik schnell deutlich, ist der teils massive Preisverfall in einigen Produktbereichen. So liegt das Stückzahlwachstum aktuell bei 14 Prozent. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich einige Bereiche wie Fingerprint- und Time-of-Flight-Sensoren derzeit sehr gut entwickeln, gleichzeitig ist aber auch gerade in diesen Wachstumsbereichen eine starke Erosion der Preise zu beobachten; Dr. Dixon nennt hier 8 bis 9 Prozent. Im Fall Fingerprint-Sensor ist etwa das taiwanische Unternehmen Egistec mit einer sehr kostengünstigen Lösung auf den Markt gekommen. Das hat die Umsatzvolumina dieser Sensoren 2017 deutlich sinken lassen. Seit dem Vorjahr kommen Fingerprint-Sensoren nun zudem noch durch Face-ID-Lösungen unter zusätzlichen Druck.

Der Markt 2018

Etwas anders sieht es, wie erwähnt, im Bereich MEMS aus. Hier wird die verkaufte Stückzahl von 21 Milliarden im Vorjahr auf voraussichtlich 36 Milliarden Stück im Jahr 2020 anwachsen. Ausgehend von 13 Milliarden Dollar Umsatzvolumen für 2018 erwarten die Marktforscher hier ein jährliches Umsatzwachstum von 5,5 Prozent bis 2020. »Dieser Markt wird immer wieder neu geboren«, erläutert Dr. Dixon, »aktuell sind es MEMS-Oszillatoren, die für Zuwächse sorgen«. Im Konsumgüterbereich wiederholt sich dabei immer wieder dasselbe Spiel: Setzt Apple einen neuen Sensor in seinen neuen iPhones ein, gibt es Nachahmer. Setzt Apple diesen Sensor auch in der nächsten Smartphone-Generation ein, ist der neue MEMS-Sensor etabliert.
Spielt der chinesische Handy- und Smart­phone-Markt schon jetzt eine bedeutende, wenn nicht dominierende Rolle für den MEMS-Einsatz, so wird das in Zukunft nach Aussage von Dr. Dixon auch für den Automotive-MEMS-Bereich gelten. »China ist inzwischen der weltweit größte Automobilmarkt. Aktuell sind es 26 Millionen Neuzulassungen, im Jahr 2023 werden es voraussichtlich 32 Millionen Fahrzeuge sein«, erläutert der Marktforscher. »In einem chinesischen Motor mögen heute nur 10 Sensoren stecken, aber da die Chinesen die westlichen Emissionsnormen übernommen haben, wird sich das schnell ändern. Es wird zu einer Art Weltharmonisierung aufgrund der Luftverschmutzung kommen und Sensoren werden dabei einen wichtigen Beitrag leisten!«