TDK plus Micronas Ein gewaltiger Schub für die Magnetfeldsensorik

Nach dem Kauf durch TDK sieht Matthias Bopp, CEO von Micronas und jetzt für das gesamte Magnetfeldsensorgeschäft von TDK verantwortlich, ganz neue Möglichkeiten für Micronas. Zusammen wollen beide Firmen der Magnetfeldsensorik einen starken Schub nach vorne geben und neue Märkte erobern.

Markt&Technik: Vor zwei Jahren konnte sich Micronas noch gut vorstellen, eine Firma zuzukaufen, um zu wachsen. Stattdessen war es Micronas selber, die im vergangenen Dezember von TDK geschluckt wurde. Was ist passiert?

Matthias Bopp: Das stimmt, unsere ursprüngliche Strategie hatte darin bestanden, selber nach Firmen zu suchen, die wir übernehmen könnten. Allerdings haben wir keine Kandidaten gefunden, die gut zu uns gepasst hätten.

Ebenfalls vor zwei Jahren sagten Sie noch, selber übernommen zu werden, sei nicht von Vorteil, weil dann die Gefahr bestünde, den Fokus verlieren.

Da habe ich offenbar nicht an TDK gedacht, denn jetzt geschieht gerade das Gegenteil: Wir können die Technologien von TDK und Micronas kombinieren, um der Magnetfeldsensorik viele neue Impulse zu geben. Dazu hat TDK eine eigene Business Unit „Magnetfeldsensorik“ gegründet. Der Fokus geht also in dieser Konstellation keineswegs verloren, sondern verstärkt sich noch, zumal Micronas auch nach der Übernahme innerhalb von TDK recht selbständig agieren kann. Insgesamt erreichen wir jetzt eine Größe, die es uns erlaubt, neben dem Automobilsektor nun auch den Industriemarkt und sogar den Consumer-Markt ins Visier nehmen zu können. Zusammen mit den Technologien von TDK eröffnet uns das wunderbare Wachstumschancen.

Hat Micronas sich den Käufer ausgesucht?

TDK will seine Sensorik-Aktivitäten kräftig ausbauen. Wir haben gesehen, dass die Technologien und das Produktspektrum beider Unternehmen sehr gut zusammenpassen. Die Übernahme in dieser Form ist für beide Unternehmen vorteilhaft und sinnvoll. TDK ist sehr stark in den GMR- und TMR-Technologien, was aus den Erfahrungen im Festplattenbereich resultiert. Wir sind die Experten rund um die Hall-Effekt-Technik. Beide Techniken eignen sich gut, um Magnetfeldsensoren zu realisieren, und sie ergänzen sich hervorragend. Jetzt kommt es darauf an, die TMR-Technik in Produkte umzusetzen. Das habe ich mir als Verantwortlicher für das gesamte Geschäft mit Magnetfeldsensoren innerhalb von TDK zum Ziel gesetzt.

Haben die Investoren nicht doch händeringend nach einem Ausweg gesucht, nachdem Micronas ja viele magere Jahre durchleben musste und zuletzt rote Zahlen geschrieben hat?

Unser EBIT war im letzten Jahr gerade noch positiv. Wir hatten insbesondere in Japan, wo wir rund 50 Prozent des gesamten Umsatzes erwirtschaften, einen Rückgang der Umsätze zu verzeichnen. Das lag daran, dass die Automobilindustrie in Japan im letzten Jahr schwächer lief, als geplant. In allen anderen Regionen haben wir die ursprünglich geplanten Ziele erreicht. Allerdings hatten wir durch die Entkopplung des Schweizer Franken vom Euro und die daraus entstandenen Währungsverluste insgesamt einen Verlust zu verzeichnen. Wirtschaftlich steht Micronas gut da, wir haben keine Schulden. Deshalb und weil wir viel technisches Know-how auf dem Gebiet der Hall-Sensoren besitzen, hat TDK einen interessanten Aufpreis von über 60 Prozent des damals aktuellen Aktienwerts für die Übernahme angeboten. Weil der Preis fair war, haben die Aktionäre auch sehr schnell und in hoher Zahl zugestimmt.

Welche Ziele hat Micronas denn erreicht?

Wir sind in Europa sehr gut vorangekommen und konnten währungsbereinigt 2015 um 4 Prozent zulegen. Auch im ersten Halbjahr 2016 konnten wir die Umsätze in Europa und auch in Asien steigern.

War TDK auch deshalb am Kauf interessiert, weil Micronas in Japan so stark ist?

Nein, ich denke nicht. Sicherlich hat unsere exzellente Reputation in Japan geholfen. TDK war aber nicht primär an den Umsätzen in Japan interessiert, sondern an unserer weltweiten Marktposition und unserem Know-how im Bereich der Magnetfeldsensoren.

Wird die Fertigung in Freiburg in vollem Umfang weitergeführt?

Ja, sie wird weitergeführt, und wir stecken gerade mitten in der Umstellung von 6-Zoll- auf 8-Zoll-Wafer. Derzeit produzieren wir in etwa gleich viele 6- und 8-Zoll-Wafer. Den Anteil der 8-Zoll-Wafer bauen wir kontinuierlich aus. Das erfolgt insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung neuer Produkte, und daher investieren wir auch in neue Test- und Gehäusetechnologien, was eine zusätzliche finanzielle Belastung, aber eine sehr wichtige Investition in die Zukunft darstellt. Auch die R&D-Ausgaben haben wir nicht zurückgefahren, 2015 lagen sie bei 17 Prozent. Das alles wollen wir auch in Zukunft so fortsetzen.