Vision Engineering / productronica 2019 »Echte Ergonomie geht nur okularlos!«

Stefan Summer, Vision Engineering
Stefan Summer, Vision Engineering: »Ergonomie wird oft unterschätzt. Viele Kunden bestätigen, dass sie deutlich länger und produktiver arbeiten können, als Anwender herkömmlicher Stereo-Mikroskope.«

Vision Engineering setzt nicht nur auf die klassischen Mikroskopie-Technologien sondern auf die okularlose Technik. Was sich dahinter verbirgt und welche teils revolutionären Möglichkeiten sich daraus ergeben, erklärt Stefan Summer, Marketing Manager Central Europe von Vision Engineering.

Vision Engineering steht für okularlose Mikroskoptechnik und Ergonomie. Warum bieten Sie keine „klassischen“ Mikroskope an?
Stefan Summer: Okularlose Technik und Ergonomie hängen untrennbar miteinander zusammen. Echte Ergonomie geht nur okularlos. Diese Überzeugung prägt von jeher unseren Ansatz, dem Anwender immer die beste Ergonomie zu bieten und das angenehmste Arbeiten vor dem System zu ermöglichen. Dieser Grundsatz zieht sich durch unsere gesamte Produktpalette. 

Wie funktioniert die okularlose Mikroskopie und wo liegen ihre Vorteile?
Ein klassisches Stereozoom-Mikroskop hat zwei Okulartuben, in die der Anwender von oben hineinschaut. Bauartbedingt bringt dieser Aufbau eine wenig ergonomische Kopf- und Körperhaltung mit sich. Auch Brillenträger tun sich oft schwer, denn sie müssen ihre Sehhilfe meist ablegen, um durch das Okular blicken zu können. Unsere okularlose Technologie – genannt Dynascope – nutzt einen völlig anderen Ansatz: Das Herzstück ist eine rotierende Multilinsenscheibe. Auf der Scheibenoberfläche sind mehr als 3,5 Millionen Einzellinsen, sogenannte Lentikel, angeordnet, die als unabhängige, bilderzeugende Oberflächen fungieren. Jede einzelne Linse hat einen Durchmesser von wenigen Mikrometern. Die Multilinsen-Scheibe dreht sich mit hoher Geschwindigkeit und verschmilzt so die Millionen einzelner optischer Strahlen zu einem aberrationsfreien Bild von höchster Schärfe. Dadurch wird eine große Austrittspupille erreicht, so dass der Anwender wesentlich weiter weg vom Mikroskopkopf sitzen und den Kopf beliebig bewegen kann. Das ist beim herkömmlichen Mikroskop aufgrund seiner etwa 2 Millimeter großen Austrittspupille nur erschwert möglich. Hier sind wir dann auch schon wieder beim Stichwort Ergonomie. 

Ihre neueste Entwicklung ist der Deep Reality Viewer DRV, ein digitales, stereoskopisches 3D-Full-HD-Betrachtungssystem, in dem Sie die Vorteile der optischen, stereoskopischen und digitalen Technologien kombiniert haben. Welche Überlegungen haben zur Entwicklung des Systems geführt?
Neben der detailreichen und hochaufgelösten Betrachtung der Prüflinge hatten wir immer im Hinterkopf, dass Anwender im täglichen Job mit den Geräten komfortabel arbeiten können müssen. Darüber hinaus steigt natürlich auch die Forderung nach Vernetzung und Digitalisierung. All dieses Know-how haben wir bereits im Haus – wir brauchten es also nur noch zusammenzufügen. Entsprechend haben wir unsere Expertise aus dem Bereich der Stereomikroskopie – in Form unserer Lynx-EVO-Serie – mit der aus der digitalen Mikroskopie – der EVO-Cam-Serie – kombiniert und die Vorteile beider Systeme im neuen Produkt vereint. Daraus ist eine Produktserie entstanden, die hervorragende Stereo-3D-Bilder mit der Digitaltechnik verbindet.

Das ist ein völlig neuer Technologieansatz…
Ja. Von außen ist das Gerät kaum als Mikroskop erkennbar, und auch die neue Technologie erschließt sich erst beim Hineinschauen. Dann allerdings kommt es immer zum „Wow-Effekt“. Wenn der Anwender erst einmal die gestochen scharfen 3D-Bilder vor sich auf dem Spiegel „schweben“ sieht, ist er überzeugt. Dann werden die Vorteile der neuen Technologie, in Verbindung mit einem extrem großen Sichtfeld auf Monitorgröße, sofort erkennbar. Und um das Thema Ergonomie nochmal aufzugreifen: Mit dem neuen DRV erreichen wir hier ein nochmals höheres Level. Der Anwender kann entspannt in komfortabler Körperhaltung im für ihn angenehmen Abstand zum System sitzen. Zudem wird die Hand-Augen-Koordination erleichtert, die für ein natürliches Arbeiten nötig ist. Ein weiterer Vorteil: Das Umgebungslicht fällt konstant in die Augen. Das heißt, die Pupillen müssen sich nicht öffnen und schließen wie beim Blickwechsel von der Laborumgebung in das Okular. Und Brillenträger profitieren davon, dass sie ihre Sehhilfen durchgängig tragen können.

Wer braucht ein solches Gerät? 
Jeder, der Wert auf 3D-Visualisierung ohne Einschränkungen legt und dabei nicht auf komfortables, ermüdungsfreies Arbeiten verzichten möchte. 

Wie sieht Ihre Produkt-/Technologie-Roadmap aus?
Wir werden die DRV-Familie weiter ausbauen. Das erste Produkt ist der DRV-Z1. Im kommenden Jahr wird es eine Display-Version geben – eine Monitor-Variante, die auch externe Daten wie etwa Röntgen, CAD- und digitale Daten verarbeiten kann. 

Das Interview führte Nicole Wörner.

Vision Engineering auf der productronica 2019: Halle A2, Stand 181