Kontrovers diskutiert Die Zukunft des PXI-basierten Baugruppentests

Marc Schneider, Göpel electronic
Marc Schneider, Göpel electronic

Während sich der PXI-Standard in der allgemeinen Messtechnik gut etabliert hat, ist der Stellenwert von PXI im elektrischen Baugruppentest noch recht unklar. Hier gehen die Meinungen der Hersteller deutlich auseinander. Markt&Technik hat mit zwei Anbietern über dieses Thema gesprochen – und dabei durchaus gegensätzliche Stellungnahmen bekommen.

Markt&Technik: Der Markt für den PXI-basierten Baugruppentest ist noch in der Entwicklung begriffen und hat sich selber noch nicht klar definiert. Wie stellt sich die Marktsituation aus Ihrer Sicht derzeit dar?

Manfred Schneider, Geschäftsführer Automotive/Avionik Test Solutions und Funktionstestsysteme von Göpel electronic: PXI ist als offener Industriestandard bekannt und anerkannt. Während der ersten PXI-Baugruppen-Generation – vor mehr als zehn Jahren - noch das Image anhaftete, eigentlich nur eine verkappte PC-Messdatenerfassung zu sein, hat sich das mit der aktuellen Generation von PXI-Geräten grundlegend gewandelt. Es gibt kaum noch konventionelle Messgeräte bzw. alternative Industriestandards, deren Genauigkeit und sonstige Leistungsparameter sich nicht mit kompakten PXI-Baugruppen erzielen lassen. Applikationsbeispiele hochleistungsfähiger PXI-Baugruppentester bis hin zu Hardware-in-the-Loop-Systemen belegen die technische Reife des Standards.

Peter Reinhardt, Geschäftsführer von Reinhardt System- und Messelectronic: Der Anteil, den der PXI-Baugruppentest am Gesamt-PXI-Markt hat, beträgt noch nicht einmal zehn Prozent. Davon wiederum sind 60 bis 65 Prozent im Testsystemsegment zu finden. Diese Zahlen beziehen sich auf Stückzahlen, nicht auf den Wert. Die meisten allgemeinen PXI-Lösungen werden für den Forschungs- und Entwicklungsbereich genutzt und nehmen deshalb im Baugruppentest nur eine Nebenrolle ein.

Eines der k.o.-Argumente gegen PXI im Baugruppentest ist, dass man damit nur eingeschränkte Applikationen abdecken kann. Würden Sie dem zustimmen?

Manfred Schneider: Nein, definitiv nicht. Es gibt keinen Applikationsbereich, in dem PXI sich nicht mit althergebrachten Baugruppentestern messen könnte. Das liegt noch nicht einmal in erster Linie am PXI-Standard selbst, sondern an der rasanten Entwicklung der Bauelementebasis, speziell der FPGA-Technologie, die die Realisierung hochkomplexer Mess- und Stimuligeräte in kompakter Bauform ermöglicht. Dazu kommt die umfangreiche, maßgeblich von National Instruments getriebene Softwareunterstützung, mit deren Hilfe auch embedded-Applikationen unter Einbeziehung komplexer Simulationsmodelle möglich sind.

Peter Reinhardt: Die Lösungen der PXI-Karten sind sehr vielfältig und man muss feststellen, dass die Baugruppen den neuesten Technologien entsprechen und sie auch für die derzeitigen und kommenden Technologien einsetzbar sind, weil sie durchgehend weiterentwickelt und entsprechend für zeitgemäße Prüfaufgaben eingesetzt werden können. Eine Einschränkung findet sich im Leistungsbereich, denn meines Wissens sind auf dem Markt keinerlei PXI-Karten für Leistungsaufgaben im 30-, 50- oder 200-W-Bereich erhältlich, die für Quellen und Lasten verwendet werden.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Grenzen des mit PXI machbaren?

Manfred Schneider: Grenzen hat PXI gegenüber anderen Messgerätestandards eigentlich nur in der seiner Kompaktheit geschuldeten Leistungsbilanz. So wird es auf absehbare Zeit Usus bleiben, Quellen und Lasten nicht in der PXI-Umgebung zu betreiben, sondern über alternative Schnittstellen, z.B. Ethernet, einzubinden. Diese Schnittstellen werden vom Embedded PC oder über separate Interfacekarten aus dem PXI-System heraus bereitgestellt.

Peter Reinhardt: Die Nachteile PXI-basierter Testsysteme liegen zum einen darin, dass es keine Systemverantwortung gibt, zum anderen darin, dass die PXI-Karten von den verschiedensten Firmen aus Leistungs-, Kosten- oder Servicegründen zusammengemischt werden, um damit dann Baugruppentestsysteme zu erstellen, welche jedoch Baugruppen verschiedenster Hersteller beinhalten. Die Programmierung dieser Karten ist eines der Hauptprobleme, wobei die Hersteller aus unterschiedlichen Richtungen an die Programmierung herangehen und die Programmierer vor große Aufgaben stellen. Für diese PXI-Karten sind verschiedene Programmiersprachen nötig, die aber die meisten Prüffachleute nicht beherrschen, so dass allein die Software-Einarbeitung Monate dauern kann. Der Programmieraufwand von PXI-Systemen gegenüber unserem Konzept liegt um das fünf- bis zehnfache höher und verlangt eine Ingenieursqualität im Programmierbereich. Bei den typischen Losgrößen in Deutschland von drei bis 500 Stück schlagen sich diese Kosten ganz enorm auf die Prüfkosten nieder. Auch die Programmierkapazitäten können nicht beliebig vervielfacht werden - eine Person kann nur zehn bis 15 Programme pro Jahr erstellen. Unsere Testsysteme dagegen werden zu 80 Prozent von Facharbeitern in wesentlich kürzerer Zeit programmiert, bei einem Programmieraufwand von typischerweise nur fünf bis 15 Stunden.