Sigfox gibt IoT neuen Schub Die weißen Flecken aus der IoT-Landkarte tilgen

Aurelius Wosylus, Sigfox: »Die Überschneidungen zwischen NB-IoT im lizenzierten Spektrum und dem LPWAN von Sigfox im ISM-Band sind gering. Wir wollen uns jetzt vor allem auf unser Wachstum konzentrieren, der Markt wächst exponentiell!«
Aurelius Wosylus, Sigfox: »Unser Admiral Ivory Modul kostet rund 20 Cent. In diesem Preisbereich funkt sonst niemand. Die damit ausgestatteten Dinge des IoT werden schon in eineinhalb Jahren auf den Markt kommen. Das wird uns einen kräftigen Schub in Richtung hohe Stückzahlen geben.«

Mit »IoT Network as a Service« will Sigfox Milliarden von Geräten verbinden, für die die Funkkommunikation aus ökonomischen Gründen bisher nicht in Frage kam.

»Grundlage unserer Services ist, dass wir die Konnektivität über unsere Software-Definied-Radio-Technik herstellen, die ganze Komplexität des Netzwerks und einen Großteil der erforderlichen Rechenleistung aber in die Cloud verlagern«, sagt Aurelius Wosylus, Director Sales & Partner Germany von Sigfox. SIM-Karten zu verwalten und die entsprechenden Kosten aufbringen zu müssen, um die Verbindung von den Dingen zur Cloud herzustellen, kann also entfallen.

»Das ermöglicht es uns, Milliarden von Dingen zu vernetzen, die über Funk zu verbinden bisher aus Kostengründen völlig unmöglich schien. Auf dieser Basis können wir eine Reihe ganz neuer Services anbieten und lassen das IoT Realität werden«, so Wosylus.  

»One-Time-IoT«

Ein schönes Beispiel dafür, was Sigfox unter Vernetzung versteht, ist der Admiral Ivory. Mit diesem Modul hat Sigfox ein Zeichen dafür gesetzt, wie sich selbst Dinge, die nicht wiederverwendet und nach Gebrauch entsorgt werden, künftig über Funk mit dem Internet verbinden lassen. »One-Time-IoT« lautet das Schlagwort. Beim Admiral Ivory handelt es sich um ein Modul, das zwar nur funken kann, dafür aber preislich vollkommenes Neuland betritt. »Mit rund 20 Cent pro ungehaustem Modul können wir Märkte erobern, die bisher preislich gesehen für keine Funktechnik erreichbar schienen.« Mit diesen Worten erklärt Aurelius Wosylus, was er unter »preiswert« versteht: »In diesem Preisbereich funkt sonst niemand, wir erwarten einen kräftigen Schub«, so sein Fazit. Zwar sind die bisherigen Funkmodule von Sigfox schon auf einem  kosteneffektiven Niveau angesiedelt, aber zwischen 2 und 4 Dollar pro Modul müssen die Kunden doch auf den Tisch legen.

Sigfox konnte also den Preis für das Modul, das im Wesentlichen aus einem 8-Bit-Controller, einer kleinen Leiterplatte und ein paar passiven Komponenten besteht, um mindestens den Faktor 10 senken.

Jetzt kommt es auf die Phantasie der Systemhersteller und Serviceanbieter an, welche Geschäftsmodelle  sie umsetzen. Einen Vorgeschmack erhielten die Besucher kürzlich auf der Sigfox World Expo 2017 in Prag: Dort öffnete Ludovic Le Moan, der CEO von Sigfox, ein an ihn adressierte Briefsendung. Damit aktivierte er das am Brief angebrachte Admiral-Ivory-Modul, das daraufhin eine kurze Nachricht abschickte. »Briefe und Paketsendungen lassen sich nun also mit diesen kostengünstigen Modulen ausstatten, damit können wir den adressierbaren Markt enorm erweitern und wir kommen auch in riesige Stückzahlen«, ist Wosylus überzeugt. »Das Interesse im Markt ist sehr groß, gerade aus den Bereichen Logistik und Handel.« So kosten Bestellknöpfe, etwa der Dashbutton von Amazon, derzeit rund 5 Euro. »Wenn wir sie für 1 Euro anbieten können, dann ist der Preis nach zwei Haarwaschmittelbestellungen schon wieder drin.«

Was ihn vor allem positiv stimmt: Die Technik ist jetzt ausgereift und kann ab sofort in neue Produkte eindesignt werden: »Aufgrund des großen Interesses nicht zuletzt auf unserer Sigfox World Expo 2017 gehe ich fest davon aus, dass es nur noch ein Jahr dauert, bis erste Systeme fertig entwickelt sind, die Geräte werden dann in eineinhalb Jahren auf den Markt kommen«, so Wosylus.

Lokalisierung für die Logistik

Über Sigfox Altas, früher auch unter dem Namen Sigfox Geolocation bekannt, lassen sich Gegenstände über das Sigfox-Netzwerk lokalisieren. Der Standort eines Sigfox-Moduls kann über die Art der Übertragung seiner Signale an die Sigfox-Base-Stations auf  1 km genau lokalisiert werden. Mit Machine-Learning-Algorithmen, die im Hintergrund ablaufen, kann die Präzision weiter auf 500 m gesteigert werden. Ein Sigfox Verified Modul genügt – zusätzliche GPS- oder WiFi-Chipsets sind nicht erforderlich.

Doch wenn WiFi vorhanden ist, lässt sich die Genauigkeit weiter steigern. Die über WiFi-Erkennung gewonnenen IDs gibt Sigfox an die Sigfox-Cloud weiter, wo sie mit einer Datenbank abgeglichen werden. So kann Sigfox den Standort sogar auf 30 m genau ermitteln und die Daten dann an die Cloud des Kunden weitergeben. »Wir übertragen immer die genauest möglichen Daten an die Kunden«, so Wosylus.

»Interessant ist, dass sich die Technik mit anderen Funkübertragungen verbinden lässt, etwa mit WiFi, um genauere Lokalisierungen durchzuführen, falls erforderlich«, erklärt Aurelius Wosylus, der auch gleich ein Beispiel dafür gibt.  

Kommt ein Container am Hafen in Hamburg an, weiß der Kunde genau, wo seine Ladung sich gerade im Hafen befindet. Auch ein Koffer am Flughafen ließe sich so sehr genau lokalisieren.

Sobald der Container auf einem LKW verladen ist, der über die Autobahn nach München fährt, geschieht die Lokalisation über Sigfox allein. Die Genauigkeit von 500 m ist ausreichend, um immer angeben zu können, wo sich der LKW gerade befindet. Der Kunde kann dann jederzeit überschlagen, wann mit der Ankunft der Lieferung zu rechnen ist. Kommt der LKW in München an, so kann die Position der Sendung über WiFi wieder auf 30 m genau bestimmt werden. »Das reicht auch für die hohen Anforderungen der Just-in-Time-Lieferung aus«, sagt Aurelius Wosylus.

Das Besondere daran: Weder ist GPS erforderlich noch zusätzliche Module noch Antennen, die gen Himmel gerichtet sind. Alles in allem also ein hocheffizientes und dennoch leistungssparendes und sehr kostengünstiges System – sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt.