Phoenix Testlab erschließt neue Geschäftsfelder und setzt weiterhin auf Wachstum »Die Eröffnung des Batterietestlabors hat uns einen großen Vorsprung verschafft«

Dr.-Ing. Holger Altmaier, Phoenix Testlab: »Bei uns kommen alle Tests aus einer Hand, dadurch haben wir viel komplexere Testmöglichkeiten.«
Dr.-Ing. Holger Altmaier, Phoenix Testlab: »Bei uns kommen alle Tests aus einer Hand, dadurch haben wir viel komplexere Testmöglichkeiten.«

Der Prüfdienstleister Phoenix Testlab - ursprünglich als EMV-Testlabor innerhalb von Phoenix Contact gegründet - ist mit seinem breiten Spektrum an Prüflaboren bestens im Markt etabliert. Wir sprachen mit Geschäftsführer Dr. Holger Altmaier über die bisherige Entwicklung und über das neueste Standbein des Unternehmens: das im Frühjahr 2011 eröffnete Batterietestlabor für Lithium-Ionen-Batterien.

Markt&Technik: Phoenix Testlab hat sich aus Phoenix Contact heraus zum eigenständigen, breitbandigen Testdienstleister entwickelt. Können Sie den Werdegang bitte kurz skizzieren?
Dr. Holger Altmaier: Als im Jahr 1989 die damals neue EMV-Richtlinie in Kraft trat und alle Hersteller elektronischer Geräte ihre Produkte entsprechend testen mussten, überlegte man auch bei Phoenix Contact, wie man die nun nötigen EMV-Tests hausintern abwickeln könnte. Dabei wurde schnell klar, dass man dafür spezielle Prüfplätze brauchte. Als Konsequenz entstand Ende 1990 der Auftrag zur Projektierung eines eigenen EMV-Testlabors. Zwischen 1990 und 1992 lag die Planungsphase – das mag lang erscheinen, aber bis Ende 1992 wusste man noch nicht so genau, wie die Prüfanforderungen gestaltet sein würden. Als diese – und somit die technischen Anforderungen – feststanden, musste alles sehr schnell gehen und es begann sofort die Bauphase. Uns kam zugute, dass für die Elektronikindustrie bis 1996 eine Übergangsphase galt, so dass wir zum Betriebsstart des Labors im Oktober 1994 immer noch genug Zeit hatten, unsere Produkte normgerecht zu testen.

Lohnte es sich denn, dafür ein eigenes Prüflabor zu gründen?
Das neue EMV-Labor sollte zunächst ausschließlich auf Phoenix-Contact-Produkte ausgerichtet sein. Dann aber erkannte man, dass es in der gesamten Industrie nicht genug kompetente EMV-Prüflabore gab – wo doch jeder einzelne Hersteller seine Produkte testen musste. Phoenix Contact hat damals den Markt früh erkannt und den Standort gleich so aufgebaut, dass man die Dienstleistung auch extern anbieten konnte. Übrigens war es damals ein Novum, dass ein Hersteller das Know-How seines Prüflabores auch für externe Kunden anbot. Kleines Schmankerl am Rande: Das erste Produkt, das im Phoenix-Testlabor getestet wurde, war nicht etwa ein Phoenix-Contact-Produkt, sondern das eines externen Kunden: die Zapfsäule einer Tankstelle.

Wie kam es zu der Abspaltung von Phoenix Contact?
Das Geschäft entwickelte sich langsam, aber stetig. Der Geschäftsbereich war profitabel und in der Lage, sich selber zu tragen. Entsprechend gründete man Phoenix Testlab – damals noch als Phoenix EMV-Test GmbH - als 100-prozentige Tochtergesellschaft von Phoenix Contact. Im Laufe der Jahre kamen jedoch Geschäftsfelder auf, die wir in der damaligen Konstellation nicht adressieren konnten, zum Beispiel die Zertifizierung – auch von Fremd- und Konkurrenzprodukten. Es kam zu Interessenskonflikten zwischen Phoenix Contact und Phoenix Testlab, die nur auf Gesellschafterebene zu regeln waren. 2003 fassten die Gesellschafter von Phoenix Contact den Entschluss, sich von diesem Geschäftsfeld zu trennen und verkauften Phoenix Testlab an Dr. Frank Eisert, der auch heute noch zu 100 Prozent Gesellschafter des Unternehmens ist.

Wie ist die Relation zwischen Phoenix Contact und Phoenix Testlab heute geregelt?
Die beiden Unternehmen sind komplett eigenständig und haben auf Gesellschafterebene keinerlei Zusammenhang mehr. Phoenix Contact ist ein guter Kunde von Phoenix Testlab; wir pflegen eine enge Geschäftsbeziehung zueinander und haben ja auch den Standort quasi Tür an Tür.

Von außen betrachtet liegt der Zusammenhang der beiden Unternehmen aber immer noch sehr nahe…
Es stimmt, es gibt diesbezüglich immer wieder Unsicherheiten. Das liegt sicherlich in erster Linie am Namen. Es gab damals lange Diskussionen, aber der Name war bereits so gut im Markt etabliert, dass wir ihn nicht aufgeben wollten. Also haben wir daran festgehalten, haben jedoch unsere komplette Corporate Identity verändert. Heute ist das natürlich kein Diskussionspunkt mehr. Die Marke Phoenix Testlab hat im Markt viel Wert und Vertrauen und wir sind in unseren Zielmärkten bestens bekannt.

Welches waren in den Jahren die wichtigsten Meilensteine für Ihr Unternehmen?
Drei große Entscheidungen haben die Entwicklung unseres Unternehmens maßgeblich geprägt. Zum ersten ganz klar im Jahr 1997, als die Gesellschafter die Freigabe erteilten, Phoenix Testlab vom reinen EMV-Testlabor ausgehend zu erweitern. Diese strategische Entscheidung gilt für mich als Grundstein für das heutige Phoenix Testlab. Der nächste wichtige Schritt für das Unternehmen war, als wir uns im Jahr 2000 in Richtung Zertifizierung entwickelten. Gerade in der Funktechnik lag damals schon ein großes Marktpotential. Als dritten Meilenstein sehe ich die Eröffnung unseres Batterietestlabors im vergangenen Jahr. Ebenfalls in 2011 haben wir nach Asien – neben Deutschland unser zweiter wichtiger Markt - expandiert und haben dort eine eigene Repräsentanz eröffnet. Wichtig war uns dabei, dass wir lokale Ansprechpartner für unsere Kunden haben, Menschen, die den Markt und die Mentalität dort besser verstehen, als wir es von hier aus könnten, oder ein deutscher Mitarbeiter, den wir dort eingesetzt hätten.