Trends im Automotive Testing »Die Applikation 'Fahrzeug' wird sich komplett verändern«

Kooperative Geschäftsmodelle sind die Zukunft

Die Anforderungen steigen in allen Bereichen exponentiell an: von Radarsensorik, Hochfrequenztechnik und Kommunikationsprotokollen über Ethernet, Security und Verschlüsselungstechnologien bis hin zu hochkomplexen, modellgetriebenen Multilevel- und Multi-Domain-Simulationen. Dafür ist so viel Know-how erforderlich, dass die Einzellösung nicht mehr existenzfähig ist – wie auch im Fahrzeugbau liegt die Zukunft in neuen, kooperativen Geschäftsmodellen und kombiniertem Know-how.

So können Unternehmen ganze Systeme simulieren und abbilden, um in der Geschwindigkeit des Marktes mitgehen zu können. Diesen Weg hat auch das Konsortium adas-iiT eingeschlagen, ein Zusammenschluss aus vier Unternehmen, die ihre Expertise bündeln, um eine gemeinsame ADAS-Testlösung anbieten zu können. So können Sensor-, Lidar- und Radar-Target-Simulation, V2X-Kommunikation, Safety und Security, GPS-Simulation und Lokalisierung, Datenmanagement, HiL- und Echtzeitsimulation als Gesamtlösung angeboten werden.

Durch die rasend schnelle Entwicklung der Technologien im autonomen Fahren sind auch die Kunden mittlerweile bereit, mit Testsystemanbietern auf einer neuen Ebene zu kooperieren und sie auch bei der Entwicklung der Produkte mit einzubeziehen. Diese Kooperationen ermöglichen deutlich kürzere Entwicklungszeiten bei Testumgebungen und Systemen und somit eine schnellere Marktreife.

Mit der E-Mobilität verabschiedet sich nicht nur der Verbrennungsmotor

Auch die E-Mobilität verändert das Automotive Testing nachhaltig. Die Herausforderung für Testsystemhersteller ist, sich schnell auf die neuen Leistungsanforderungen der E-Mobilität einzustellen: Statt 12 müssen 800 Volt, statt 100 nun 1200 Ampere getestet werden. Völlig neu sind jedoch nicht nur die Elektromotoren. Auch die Antriebsstränge werden hochkomplex, das Allradfahrzeug wird nicht mehr mechanisch betrieben, sondern schlicht dezentralisiert an allen Rädern mit Motoren elektronisch – die Elektrifizierung des Fahrzeugs nimmt überall ihren Lauf.

Wenn die Verbrennungsmaschine aus den Fahrzeugen verschwindet, hat das auch Auswirkungen auf die Charakteristik des Fahrzeugs und das, was die Fahrzeughersteller besonders gut können: Verbrennungsmaschinen bauen und steuern. Das muss zukünftig elektrisch geschehen – und damit ganz anders. Bisher unterscheidet sich ein VW von einem Audi in der Fahrweise durch die Charakteristika der Verbrennungsmotoren und der Abstimmung des Fahrgefühls. Die gesamte Struktur und Architektur von elektrischen Fahrzeugen ändert sich und bringt neue Systemherausforderungen mit sich: den Wechsel von Niedervolt zu Hochvolt, große Batterien, das steigende Gewicht, Ströme und Spannungen in ganz anderen Bereichen und daraus resultierende Sicherheitsanforderungen. Hochspannungssysteme stellen ganz neue Anforderungen an die Sicherheit, sodass neue Schutzmechanismen entwickelt und getestet werden müssen.

Multidomain-Simulation und Standardisierung werden immer wichtiger

Um Kosten und Aufwände elektrischer Motorenprüfstände im Rahmen zu halten, werden elektrische Motoren und Sensoren simuliert – aber nicht als einzelne Teile, sondern in einer Multidomain-Simulation. Denn im Straßenverkehr muss der Elektromotor mit den Assistenz- und Kommunikationssystemen des autonomen Fahrens und der Steuereinheit ideal harmonieren. Aus Zeit-, Kosten- und Sicherheitsgründen ist es im Interesse der Hersteller, die Anzahl der Testkilometer auf der Straße zu reduzieren. Dadurch gewinnt die sichere Simulation mit HiL-Systemen zunehmend an Bedeutung. Sie muss den Nachweis erbringen, dass die Simulation der Realität entspricht.

Hier bietet es sich an, auf offene Plattformen zu setzen, um kooperativ zusammenarbeiten zu können – der Trend geht auch hier zur Standardisierung. Ein großer Vorteil offener Plattformen: Sie können modular erweitert werden und sind anbieterunabhängig. Darüber hinaus können Reaktionszeit, Performance und Testtiefe erhöht werden, ohne dass die Testkosten proportional steigen. Das reduziert Aufwände, Entwicklungszeiten und damit auch das Schlüsselkriterium: Time to Market.