IWH Deutsche Wirtschaft erholt sich von Corona-Einbruch

Die deutsche Wirtschaft hat nach Ansicht des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) einen erheblichen Teil des schweren Corona-Einbruchs vom Frühjahr wettgemacht.

Dennoch dürfte die Wirtschaftsleistung (BIP) im laufenden Jahr stark schrumpfen, wie das IWH am Mittwoch in Halle mitteilte. Das Institut rechnet für 2020 mit einem Einbruch des BIP um 5,7 Prozent. Kommendes Jahr sei mit einer teilweisen Erholung um 3,2 Prozent zu rechnen.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Halbjahr 2020 deutlich stärker zurückgegangen als während der Finanzkrise im Winterhalbjahr 2008/2009«, sagte Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Mittlerweile sei die Wirtschaft aber auf dem Weg in eine neue Normalität. Die Aktivität sei ab Mai kräftig gestiegen, wenngleich die Produktion immer noch deutlich niedriger liege als zu Jahresbeginn.

Auch am Arbeitsmarkt sei die Rezession angekommen: Die Zahl der Erwerbstätigen habe zwischen Februar und Juli um 1,5 Prozent abgenommen. »Nicht zuletzt wegen der automatischen Stabilisatoren und der expansiven finanzpolitischen Maßnahmen sind die verfügbaren Einkommen jedoch stabil geblieben, und der private Konsum wird in der zweiten Jahreshälfte stark zulegen.« Die Produktionskapazitäten dürften jedoch bis ins Jahr 2022 unterausgelastet bleiben.

»Automatische Stabilisatore« haben eine große Wirkung und kommen insbesondere in Deutschland zum Tragen. Dabei lässt der Staat im Abschwung eine konjunkturbedingte Erhöhung des Staatsdefizits zu und verhindert dies nicht durch höhere Abgaben oder Ausgabenkürzungen. Das betrifft Mehrausgaben etwa der Sozialkassen. So steigen in einer Rezession unter anderen Auszahlungen der Arbeitslosenversicherung. Was die gesamtwirtschaftliche Nachfrage belebt und so die Konjunktur stabilisiert.