Interview mit Thomas Rottach, Siglent »Der Kunde steht im Mittelpunkt unserer Welt«

Das "China-Image", Konkurrenzkampf im Niedrigpreissegment, Rabattschlachten

Generell bleiben Sie dem Niedrigpreissegment aber erst einmal treu?
Ja, es macht am Anfang keinen Sinn, höher einzusteigen. Wir müssen uns zunächst an den Markt herantasten und unsere Brand-Awareness steigern. Das muss man langsam aufbauen.

Welche Bedeutung hat Europa für Siglent?

Europa ist neben den USA einer der wichtigsten Märkte. Beide stehen sehr hoch im Kurs bei den Chinesen – im Allgemeinen und bei Siglent im Speziellen. Beides sind große, wachsende Märkte, an denen man natürlich teilhaben möchte. Europäer und Amerikaner scheuen sich auch nicht, Feedback zu geben, positives wie negatives. Das ist wichtig für die Chinesen, denn daraus können sie viel lernen. Darüber hinaus hat Siglent bereits seit Jahren OEM-Kooperationen mit namhaften Messtechnikherstellern, für die sie entwickeln und produzieren. Auch daraus hat das Team bereits viel gelernt.

Inwieweit haben Sie mit dem „China-Image“ zu kämpfen?

Die Thematik gibt es noch, obwohl China nachgewiesenermaßen gar kein Qualitätsproblem mehr hat. Dennoch ist man immer noch skeptisch gegenüber dem Produkt aus China, speziell in Deutschland. Aber ich hoffe, dass wir das mit einem deutschen Büro, Support, Vertrieb und Leuten vor Ort aufweichen können. Und natürlich mit qualitativ hochwertigen Geräten. Ich bin überzeugt: Wenn ein Kunde ein Siglent-Gerät einmal ausprobiert hat, wird er nicht mehr an ein Billigprodukt denken.

Nun sind Sie gerade im Messtechnik-Niedrigpreissegment ja nicht ganz alleine auf dem Markt. Wie positionieren Sie sich?

Das ist in der Tat nicht ganz einfach. Die Mitbewerber haben den Schritt nach Europa schon früher gemacht und sich mittlerweile eine feste Kundenbasis geschaffen. Zudem haben alle großen Hersteller ihre eigene Einstiegsklasse. Dagegen kann man nur mit sehr guten Produkten ankommen, die noch mehr bieten als die anderen, in denen noch mehr Funktionen integriert sind, und diese zum gleichen oder sogar günstigeren Preis anbieten. Diesen Ansatz drücken wir in unserem Firmenslogan „Best Value in Electronic Test & Measurement“ aus: Mehr bieten und das Ganze nicht nur an ein Produkt, sondern an eine Applikation binden.

Aber das machen die anderen ja auch schon...

Ja, natürlich. Und man kann auch nicht alles umsonst in ein Komplettpaket packen. Der nächste Schritt ist, etwas zu entwickeln, was die anderen nicht haben. Diesmal waren wir mit unserem Spektrumanalysator mit optionalem integriertem VNA ein ganz klein wenig zu spät dran. Der kam zeitgleich mit einem Mitbewerberprodukt auf den Markt. Aber das ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir uns von den anderen Low-Cost-Anbietern durchaus unterscheiden können. Nichtsdestotrotz ist der Messtechnikmarkt hart umkämpft – vor allem im Niedrigpreissegment.

Man hört immer wieder von Rabattschlachten...

Stimmt, und das ist auch eine der Herausforderungen, die ich für Siglent sehe. Die etablierten Anbieter haben ohnehin schon gute Preise und scheuen sich nicht vor Rabatten. Und wenn man auf gleichem Preisniveau steht, entscheiden sich die meisten Kunden wohl eher für den namhaften Anbieter. Aber auch die Großen müssen sich irgendwann produktionstechnisch anpassen, um ihre Herstellungskosten zu senken. Und die bislang recht einfache Argumentation des bei Siglent fehlenden lokalen Büros, Service und Supports fallen künftig weg. Es wird nicht leicht, aber ich bin optimistisch, dass wir uns mit unserer neuen Europastrategie ein zunehmend großes Stück vom Kuchen abschneiden können.