Radar für Consumer-Anwendungen Der erste Radar-Schokoladenautomat der Welt

Der Schokoladenautomat aus Fischertechnik liefert die gewünschte Schokoladensorte aus.
Der Schokoladenautomat aus Fischertechnik liefert die gewünschte Schokoladensorte aus.

Den ersten Schokoladenautomaten der Welt, der auf Basis von Radar funktioniert, hat Embedded Brains auf der embedded world vorgestellt.

Das Funktionsprinzip: Wer aus dem Automaten eine bestimmte Schokoladensorte ziehen möchte, muss zunächst eine Kugel auf eine abschüssige Bahn legen und loslassen. Je nachdem aus welcher Höhe sie herabrollt – gekennzeichnet durch die Schokoladensorten – erreicht  die Kugel eine gewisse Geschwindigkeit. Ein Doppler-Radarsensor misst die Geschwindigkeit mit einer Genauigkeit von 0,1 km/h, was einer Frequenzdifferenz von 5 Hz entspricht. Aufgrund der Geschwindigkeit weiß das System, aus welcher Höhe die Kugel gestartet ist und kennt daher den Schokoladenwunsch des Kunden. Der Schokoladenautomat – aus Fischertechnik aufgebaut – liefert dann die gewünschte Süßigkeit.

Das zeigt schon: Ganz ernst ist die Meldung mit dem ersten Schokoladenautomaten auf Basis von Radar nicht gemeint. Ganz ernst allerdings nimmt Peter Rasmussen, Managing Director von Embedded Brains die zugrundeliegende Technik: Radar. Und zwar nicht für den Einsatz in Autos. »MFSK-Radar hält Einzug in den Consumer-Markt«, ist Peter Rasmussen überzeugt.

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Der Radar-Schokoladenautomat

Mit dem Schokoladenautomaten demonstriert Embedded Brains, wie MFSK-RAdar Einzug in den Consumer-Markt halten kann.

Deshalb haben die Ingenieure von Embedded Brains ein 24-GHz Radarsystem entwickelt, um zu demonstrieren, dass dies zu erschwinglichen Kosten möglich ist. Es besteht aus einem kostengünstigen 32-Bit-Prozessor, einem analogen Verstärker, der aus Standardkomponenten aufgebaut ist, sowie dem Radarsensor. Eine hohe Prozessorleistung oder gar FPGAs sind nicht erforderlich. Allerdings ist es nicht damit getan, die Komponenten des Radargeräts zusammenzustellen. »Unsere Kompetenz liegt darin, die richtgien Algorithmen zu liefern, und das ist nicht gerade trivial. Wer diese Algorithmen nicht hat, wird aus den Komponenten nicht viel herausholen«, erklärt Rasmussn.

Einschließlich dem Monitor steckt das Ganze in einem Kasten, den man einfach in der Hand halten kann. Das Gerät erreicht eine Range-Auflösung von 0,6 m. Mit einem 60-GHz-Sensor wären Auflösungen bis hinunter zu 6 mm möglich, mit 120 GHz noch einmal um die Hälfte weniger. Der Bildschirm zeigt an, wo sich Gegenstände befinden und wie sie sich bewegen. »Der Systempreis für das Geräte liegt bei 50 Dollar, unsere Ingenieure haben das über die vergangenen vier Wochen gebastelt«, erklärt Rasmussen.

Damit will Embedded Brains das Machbarkeitsspektrum aufzeigen. Mit dem Richtigen Interface könnten beispielsweise Blinde das Radargerät nutzen, um sich selbständig zu recht zu finden. Das wäre laut Rasmussen ein erheblicher Sprung vorwärts. Man könnte die Radargeräte aber auch nutzen, um Bewegungsmuster in Menschenansammlungen festzustellen und steuernd einzugreifen. So ließen sich Paniksituationen zu vermeiden. Auch die Überwachung ältere Personen wäre denkbar. Die Auflösung der Sensoren ist präzise genug, um über das Dopplerverfahren festzustellen, ob sich der Brustkorb hebt oder senkt, ob also die Person noch atmet.

Sobald die 120-GHz-Sensoren erhältlich sind – es gibt bereits Firmen, die daran arbeiten – könnte das Radarsystem LIDAR im Auto ersetzen.  Das wäre deutlich kostengünstiger. Doch den wirklich interessanten neuen Markt sieht er im Consumer-Bereich. »Wir können noch gar nicht absehen, welche neuen Einsatzmöglichkeiten sich ergeben werden. Ich bin gespannt, auf welche Ideen die Anwender kommen werden.«