Interview Compumess auf dem Weg zum Full-Service-Anbieter

Die 1989 gegründete Compumess Elektronik GmbH (CME) positioniert sich neu: Das Unternehmen will weg vom reinen Produkt-Distributor und hin zum Full-Service-Anbieter. Markt&Technik sprach mit CME-Geschäftsführer Robert M. Kerl über die Gründe, die zu der Neupositionierung geführt haben.

Markt&Technik: Herr Kerl, Sie und Ihr Kollege Herr Kindermann haben CME im Krisenjahr 2009 übernommen. War das in dieser Zeit nicht ein großes Risiko?

Robert M. Kerl: Ein gewisses Risiko besteht natürlich immer, aber wir haben CME damals als eine gesunde Firma übernommen, die – und dies sei an dieser Stelle betont – auch in 2009 noch schwarze Zahlen geschrieben hat. Dennoch haben wir zunächst einmal eine Art Bestandsaufnahme gemacht: Wo steht das Unternehmen, was ist gut, was ist verbesserungswürdig, was brauchen wir, um auch in Zukunft gegen den Mitbewerb bestehen zu können. Uns wurde schnell klar, dass wir das Unternehmen transparenter und moderner gestalten mussten. Der erste Schritt dazu war unser Umzug 2010 in ein neues Gebäude. Im Weiteren haben wir unser Corporate Design angepasst, einen neuen Internetauftritt und Katalog gestaltet und unseren Service erweitert. Der nächste logische Schritt erfolgt nun mit unserer Neupositionierung als Full-Service-Anbieter. Unser Motto lautet »Power mit System«. Damit wollen wir unsere Neuausrichtung unterstreichen: Wir verkaufen nicht nur Produkte, sondern Lösungen.

Der Titel »Lösungsanbieter« ist momentan überaus modern. Was unterscheidet CME von all denen, die sich so bezeichnen?

Nun, bei uns bekommt der Kunde wirklich eine »Lösung«, und zwar eine »Full-Service-Lösung«. Bislang haben Kunden selber ein Lastenheft erstellt, dann einzelne Systemkomponenten bei CME und anderen Herstellern oder Händlern gekauft und haben anschließend einen Systemintegrator beauftragt, die Einzelteile zu einem Prüfstand zusammenzubauen. Wir wissen aber: Ein Kunde möchte einen Ansprechpartner haben, möchte alles aus einer Hand beziehen. Dieser Anforderung kommen wir nun nach, indem wir – beginnend bei der Mitarbeit am Lastenheft – die komplette Erstellung des Prüfstandes selber ausführen, inklusive der Arbeiten des Systemintegrators. Hierbei treten wir quasi als verlängerter Arm der Hersteller auf und haben dabei einen ganz anderen Zugriff auf deren Ressourcen, als das ein Systemintegrator bieten kann. Der Kunde bekommt von uns genau das auf ihn zugeschnittene Gesamtsystem, mit allen Komponenten, die er braucht – seine individuelle »Lösung« eben. Und um daraus einen richtigen Full-Service zu machen, haben wir ein stark spezifiziertes Service-Konzept entwickelt. Das Angebot reicht von individuellen Wartungsplänen über einen Erinnerungsservice für fällige Kalibrierungen bis zum bevorzugten Besuchstermin des Technikers – denn es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Arbeitszeiten in Forschung und Entwicklung und der Produktion. Und am Ende nehmen wir alte Geräte sogar wieder zurück. Ein Cradle-to-Grave-Service sozusagen…

Schaffen Sie das mit dem bestehenden Team oder suchen Sie nach weiteren Mitarbeitern?

Seit Anfang 2010 sind wir bereits gewachsen – vor allem im Service haben wir neue Mitarbeiter eingestellt. Momentan sehen wir uns mit unseren 22 Mitarbeitern inklusive externer Dienstleister recht gut aufgestellt. Wir haben im Rahmen unserer »Modernisierung« viele interne Prozesse analysiert und effizienter gestaltet. Damit haben wir vor allem das Backoffice entlastet.

Eröffnet Ihnen die Neupositionierung Zugang zu Märkten, die Sie bislang nicht adressieren konnten?

Wir haben unser Angebot und unsere Präsenz vor allem im Bereich der regenerativen Energien erweitert. Dieser Markt hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt, auch wenn der Nachfrageüberhang nach Solarzellentechnologien in Deutschland mittlerweile ausgeklungen ist. Dennoch hat CME davon profitiert. Aber natürlich zehren wir traditionell auch von der starken Automobilindustrie in Deutschland, ebenso von der Luft- und Raumfahrt sowie vom Schiffsbau. Die Industrie arbeitet intensiv daran, jedes mechanisch bewegliche Teil früher oder später in ein elektronisches Element zu überführen. Das eröffnet neue Freiheitsgrade und eine weitere Leistungssteigerung. Hier kommen wir ins Spiel, denn die Hersteller und Zulieferer setzen zunehmend auf moderne Prüfstandstechnik, auf Motorsimulation, Batterietest, Streustrahlungsmessung, etc. – all das sind neu hinzu gekommene Aspekte für die Messtechnik. Hier sind wir als Full-Service-Anbieter natürlich deutlich besser positioniert, als bislang.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Jahre gesteckt?  

Hätten Sie mich vor zwei Jahren gefragt, wäre ich optimistisch gewesen, dass wir unseren Umsatz von 4,9 Millionen Euro in 2009 in den zweistelligen Millionenbereich steigern können. Doch aufgrund der angespannten Wirtschaftslage blicken wir heute auf einen Umsatz von 6,7 Millionen Euro in 2011 zurück. Und das wirtschaftliche Umfeld ist bis heute ja nicht etwa stabiler geworden. Im Gegenteil, wir sehen, dass einige Großprojekte verschoben werden. Insofern ist es für mich heute nicht abschätzbar, wie sich der Markt – und damit unser Unternehmen – entwickeln wird. Unser oberstes Ziel ist es derzeit, mit einem gesunden Wachstum für Stabilität und Sicherheit im Unternehmen zu sorgen und damit auch für schlechte Zeiten gut gerüstet zu sein.

Und wie wollen Sie das erreichen?

Nun, der erste Schritt ist unsere neue Positionierung als Full-Service-Anbieter. Im Zuge dessen werden wir unseren Service noch weiter verbessern, damit sich unsere Kunden bei uns für alle Eventualitäten gut und sicher aufgehoben fühlen. Dabei setzen wir vor allem auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter.