Optimistische Aussichten Aufbruchstimmung in der Baugruppentest- und -Inspektionsbranche

Peter Reinhardt, Reinhardt System- und Messelectronic: »Wir hatten im Jahr 2008 unser bis dahin bestes Geschäftsjahr und konnten dieses Ergebnis in 2009 und auch 2010 sogar noch weiter verbessern.«

Die Hersteller von Baugruppentest- und -Inspektionssystemen haben das Gröbste überstanden. Nun aber kommt es darauf an, dass man die flaue Zeit genutzt und sich richtig positioniert hat, um den Aufschwung bestmöglich mitzunehmen. Wir haben vier Hersteller gefragt, wie sie die Krise bewältigt haben.

Die Krise scheint überwunden zu sein. So ist die einhellige Meinung im Baugruppentest- und -Inspektions-Segment. Die Hersteller ziehen Bilanz und verstärken ihre Aktivitäten, um den Rückstand wieder aufzuholen. Doch so schwierig die Situation für die meisten Marktteilnehmer auch war, so sehr fällt doch auf, dass einer von ihnen in dieser wirtschaftlich harten Zeit ganz gegen den Trend ein deutliches Wachstum an den Tag gelegt hat: »Wir hatten im Jahr 2008 unser bis dahin bestes Geschäftsjahr und konnten dieses Ergebnis in 2009 und auch 2010 sogar noch weiter verbessern«, sagt Peter Reinhardt, Geschäftsführer der Reinhardt System- und Messelectronic. »Das hat gezeigt, dass wir mit unseren Produkten genau auf der Linie unserer Kunden liegen - und somit wird sich der Trend in der Zukunft wohl von der eierlegenden, fliegenden Wollmilchsau hin zu vernünftigen, leistungsfähigen Testsystemen entwickeln.« Reinhardt war einer der wenigen Testsystemhersteller, die von Anfang an Incircuit- und Funktionstest in einem Testsystem verbunden haben. »So wird sich unsere Zukunft auch weiter entwickeln, wobei wir erkannt haben, dass über die Hälfte unserer Kunden Baugruppengrößen haben, die nicht über 250 Kanäle gehen und wir daher Geräte für unter 20.000 Euro anbieten können. Eine Software, die identisch ist mit der unserer größten Systeme, ermöglicht es dem Anwender – übrigens zu 80 Prozent Facharbeiter -, diese Geräte in wenigen Stunden zu programmieren. Auch die Adaptionskosten übersteigen selten 500 Euro netto. Wir werden nach wie vor größte Systemausbauten anbieten, jedoch wird sich der Trend zu kompakteren Systemen entwickeln.«

Hans Baka, Geschäftsführer der ebenfalls auf den elektrischen Baugruppentest spezialisierten Digitaltest sieht eine Marktentwicklung vom Linienkonzept immer mehr hin zu Insellösungen, so dass künftig zunehmend kleine, flexible, dedizierte Testlösungen gefragt sind. Zudem verzeichne Digitaltest eine höhere Nachfrage nach Flying-Probe-Lösungen. »Auch hier scheint es einen neuen Trend zu Kombinationslösungen zu geben«, so Baka. »Immer häufiger sollen auch komplexe Funktionstests und Boundary Scan integriert werden. Das führt zu kürzeren Testzeiten und höherem Durchsatz. Dadurch können Flying Prober immer wirtschaftlicher auch bei mittleren Stückzahlen eingesetzt werden.« Bezüglich der Krise im Jahr 2009 zeigt sich Baka optimistisch, dass sie überwunden ist; das Unternehmen verzeichne einen deutlichen Nachfragezuwachs. »Auch die Stimmung bei unseren Kunden ist wesentlich besser geworden - auch wenn sich das momentan noch nicht an Zahlen festmachen lässt«, führt Baka aus. »Wir rechnen in diesem Jahr wieder mit einer ‚Normalisierung’ des Marktes und hoffen, dass uns weitere Turbulenzen an den weltweiten Börsen keinen Strich durch die Rechnung machen.«

Auch bei Seica hat sich die Auftragslage deutlich verbessert. »Die Anzahl der Opportunities im Bereich Flying Prober ist für Seica dramatisch gestiegen«, sagt Bernd Hauptmann, Geschäftsführer von Seica Deutschland. »Das gilt für Europa, aber insbesondere für Deutschland.« Als Anwendungen, die im Bereich Flying Probe momentan sehr gefragt sind, nennt Hauptmann vor allem Low Volume für High-End-Produkte mit spezieller Flexibilität für Funktionstest und Reverse Engineering, auch Thermal Scan und Quicktest sind neue Optionen in diesem Bereich, die sehr gefragt sind. »Mit diesen neuesten Optionen von Seica spart man sich beim Funktionstest am Flying Prober einen ganzen Testschritt«, so Hauptmann. Anfragen kämen derzeit verstärkt aus der Lohnfertigung und der EMS, zudem sei ein deutlich gestiegenes Interesse seitens der Automotive-Kunden zu verzeichnen.