RoodMicrotec / Interview »Auf Zuverlässigkeit, Qualität und Liefertreue kommt es an«

Konsumerelektronik, Outsourcing-Trends und ehrgeizige Ziele

Könnte der Konsumelektronik-Markt interessant für Sie werden?

Nein. Generell sehe ich die Zukunft der Consumer-Elektronik nicht in Europa. Denken Sie einige Jahre zurück. Da gab es hier noch Mobiltelefon-Hersteller wie Siemens, Nokia und Ericsson. Die sind alle weg. Heute dominieren die asiatischen Anbieter den Markt – allen voran die Chinesen und Koreaner.

Sie beschränken Ihre Geschäftsaktivitäten auf Europa. Warum greifen Sie nicht weiter?

Nun, Europa ist unser Schwerpunkt, aber wir arbeiten auch gerne mit Kunden aus anderen Regionen zusammen. Zudem vertreten wir auch asiatische Unternehmen in Europa. Der asiatische Markt ist stark geprägt von der zuvor angesprochenen Consumer-Elektronik. Hier geht es um riesige Stückzahlen, die andere Unternehmen einfach besser bewerkstelligen können als wir. Und der Fokus auf Europa hat noch einen weiteren Vorteil: Die Kunden kommen gerade aufgrund der regionalen Präsenz zu RoodMicrotec. Wir sprechen ihre Sprache, verstehen ihre Mentalität. Das macht die Projektarbeit für alle Beteiligten deutlich einfacher.

Nimmt in Europa der Trend zum Outsourcing zu?

Dieser Trend ist nicht vorhersehbaren Zyklen unterworfen. Derzeit würde ich sagen, er steigt. Aber wenn Sie mich in drei Monaten nochmal fragen, kann das schon wieder ganz anders aussehen. Vor allem der Automotive-Markt ist stark im Umbruch – und es wird spannend sein zu sehen, welche Auswirkungen das auf unser Geschäft haben wird. Wir sind im Süden Deutschlands angesiedelt, einer traditionell Automotive-lastigen Region. Damit meine ich nicht nur die Hersteller, sondern auch deren Zulieferer.

Es stellt sich die Frage, welche Strategien diese Unternehmen in Zukunft verfolgen werden: Bauen sie ihre Test- und Supply-Chain-Management-Kapazitäten inhouse auf oder greifen sie auf Dienstleister zurück? Davon ist unser Geschäftsverlauf abhängig. Umso wichtiger ist es, das Augenmerk auch auf Neukunden zu richten, auf kleinere Unternehmen, die einfach nicht darauf ausgelegt sind, Tests inhouse durchzuführen. Und die meist froh sind, einen verlässlichen Partner als Back-End zu haben, dem sie einen großen Teil der Projektverantwortung übergeben können.

Im März 2015 sind Sie als CTO zu RoodMicrotec gestoßen, seit Mai 2016 sind Sie CEO und haben den Aufschwung nach der Neuausrichtung des Unternehmens mitgetragen. Wie haben Sie diese Phase erlebt?

In der ersten Zeit als CTO habe ich mich vorrangig mit der Umstrukturierung beschäftigt und damit, unsere Qualität und Liefertreue zu optimieren. Als CEO ist noch der finanzielle Teil hinzugekommen. Doch egal in welcher Position: Die Ziele des Unternehmens kann nur das ganze Team erreichen, nicht eine einzelne Person. Kernelemente auf dem Weg zum Ziel sind unsere Kunden. Wir müssen uns immer genau überlegen: Was brauchen unsere Kunden von uns? Wie können wir sie von uns überzeugen? Natürlich müssen wir uns auch immer wieder fragen, wie wir neue Kunden gewinnen und neue Aufträge akquirieren können. Das ist überlebenswichtig. Bei all dem muss man die Kosten im Blick haben, eventuell auch sparen – dann allerdings an der richtigen Stelle. Ausgaben, die anfallen, um neuen Umsatz zu generieren, sind immer richtig und wichtig – beispielsweise um den Kundensupport auszubauen. Auf der anderen Seite müssen wir intern schauen, wie wir die operativen Kosten im Griff behalten – ohne Qualitätsverlust.

Dafür auf Kosten der Mitarbeiter?

Nein, wir haben selbst in den schwierigen Zeiten keine großen Personalmaßnahmen ergriffen. Und auch die Mitarbeiter ihrerseits sind uns treu geblieben. Es gibt Kollegen, die bereits seit 40 Jahren im Unternehmen sind. Das ist meines Erachtens ein großer Vertrauensbeweis. Heute haben wir eine sehr ausgewogene Altersstruktur – vom Azubi bis hin zu Mitarbeitern, die kurz vor der Rente stehen. Und wenn jemand in den Ruhestand geht, stellen wir sicher, dass das Know-how nicht verloren geht. Auch dafür finden wir meist eine gute Lösung – zugunsten des Kunden und zur Zufriedenheit des ausscheidenden und des nachfolgenden Kollegen.

Welche mittelfristigen Ziele haben Sie für das Unternehmen definiert?

Der Aufwärtstrend des vergangenen Jahres und die Umsatzsteigerung von 19 Prozent im ersten Halbjahr 2017 zeigen, dass unsere Strategie aufgeht. Entsprechend erwarten wir für die nächsten Jahre einen deutlich steigenden Umsatz. Konkret ausgedrückt: Bis zum Jahr 2020 wollen wir einen Umsatz erwirtschaften, der rund 75 Prozent über dem Gesamtumsatz von 10 Millionen Euro im Jahr 2015 liegen wird.