Exclusiv-Interview - 35 Jahre Viscom »Auf das Zusammenspiel kommt es an«

Carsten Salewski, Vertriebs- und Marketing-Vorstand von Viscom: »Neben unserem breiten Produktportfolio ist es in erster Linie das Team, das uns stark macht. Und wir profitieren davon, dass wir kundenspezifisch entwickeln und fertigen können.«

Viscom blickt auf 35 Jahre kontinuierlichen Wachstums zurück. Nach dem Erfolgsrezept gefragt, ist Vorstandsmitglied Carsten Salewski überzeugt: »Es ist das Zusammenwirken unserer Erfahrung aus Maschinenbau, Sensorik, Optik, Röntgen, Hardware und Software – das gibt es nicht oft im Markt.«

Markt&Technik: Herr Salewski, nach 35 Jahren Erfolgsgeschichte – wo steht das Unternehmen heute und wie sieht es für das laufende Geschäftsjahr 2019 aus?

Carsten Salewski: In der Tat sind wir in unserer Firmengeschichte beständig organisch gewachsen – mit Ausnahme von 2008, dem Jahr der weltweiten Finanzkrise. 2018 lag unser Umsatz bei 93,6 Millionen Euro, der Auftragseingang ein wenig höher bei knapp unter 100 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2019 orientieren sich unsere Prognosen realistisch an der augenblicklichen Marktentwicklung im Maschinenbau. Nach sechs Monaten liegen wir im Auftragseingang hinter dem Vorjahr zurück. Der Umsatz der ersten sechs Monate des Geschäftsjahres liegt auf Vorjahresniveau.

Viscom erzielt über 60 Prozent des Umsatzes in der Automobilbranche. Die jedoch schwächelt derzeit. Ist das der Hauptgrund für den insgesamt geringeren Auftragseingang?

Das muss man differenziert betrachten. Das Volumengeschäft beispielsweise im Bereich der Steuerelektronik ist aktuell schwächer ausgeprägt. Die Kunden sind verunsichert und tätigen weniger neue Investments. Wachstum sehen wir jedoch im Bereich des autonomen Fahrens – Stichworte ADAS, Sensorik, Kameras. Diese Komponenten werden in großen Stückzahlen produziert und müssen entsprechend ihrer hohen Sicherheitsrelevanz intensiv geprüft werden. Das stärkt unser Geschäft. Einen weiteren Wachstumsbereich sehen wir in der Elektromobilität und in Hochvoltanwendungen. Hier geht es oft darum, große, schwere Baugruppen röntgentechnisch zu prüfen. Das ist mit herkömmlichen Inline-Röntgensystemen (AXI) nicht ohne weiteres möglich, denn diese sind üblicherweise nicht für solche Werkstückträger ausgelegt. Hier punkten wir mit unserem Spezialsystembau. Auch die Batterieinspektion ist für uns ganz klar ein Wachstumsmarkt. Insgesamt betrachtet haben diese Bereiche das zurückgegangene Geschäft mit der Steuergeräteelektronik gut aufgefangen – und wir erwarten weiteres Wachstum mit diesen neuen Technologien.

Auf welche weiteren Marktsegmente stützen Sie sich, um unabhängiger vom Automobilmarkt zu sein?

Wir sehen großes Potenzial im Bereich Computer, Communication und Consumer, kurz 3C. Weltweit betrachtet liegt hier ein riesiges Marktvolumen mit hohem Wachstumspotenzial für die Inspektionsbranche. Denken Sie nur an Mobiltelefone, die immer komplexer und hochwertiger werden. Oder an die Infrastruktur, die dahinter steht. Oder an den Batterie- und Akkutest. Elektronik und Energiespeicher sind also nicht nur im Automobil-, sondern auch im 3C-Segment große Wachstumsmärkte. Und zwar nicht nur in Bezug auf große chinesische Fertiger, sondern auch für deutsche Mittelständler. Wir haben diesen Trend früh erkannt und haben den Markt in den vergangenen fünf Jahren für uns aufgebaut. Das hat uns im ersten Halbjahr 2019 bereits sehr geholfen.