Exclusiv-Interview - 35 Jahre Viscom »Auf das Zusammenspiel kommt es an«

"Nur als Team kann man erfolgreich sein"

Sie selber sind bereits seit 26 Jahren im Unternehmen und seit gut einem Jahr als Vorstand Vertrieb, Marketing und Internationales Geschäft tätig. Wie haben Sie die Zeit in der neuen Position erlebt?

Es hat sich wieder gezeigt: Nur als Team kann man erfolgreich sein. Wir haben hochmotivierte Mitarbeiter und ein eng verzahntes und gut aufeinander abgestimmtes Führungsteam. Auch wenn sich der Vorstand erst vor Jahresfrist neu aufgestellt hat, arbeiten wir doch schon seit sehr langer Zeit zusammen. Das haben wir im Zeichen der Kontinuität für unsere Kunden beibehalten. Alle zusammen – Mitarbeiter und Vorstand – wollen gemeinsam etwas bewegen. Wir haben einen guten Mix aus jungen Mitarbeitern, die mit viel Elan daherkommen und neuen Schwung ins Unternehmen bringen, und aus erfahrenen Kollegen, die mit reichlich Technologie-, Produkt- und Marktkompetenz aufwarten. Mit diesem Team erfolgreich zu sein hat mir im vergangenen Jahr sehr viel Spaß gemacht.

Vor Ihrem Start als Vorstandsmitglied haben Sie 15 Jahre in den USA gelebt und für Viscom gearbeitet. Wie haben Sie den Schritt zurück nach Deutschland verkraftet und wo sehen Sie die wichtigsten Unterschiede?

Ich hatte es nicht erwartet, aber es gab diesen „Reverse-Culture-Schock“ tatsächlich. Ich habe in Amerika sehr viel gelernt und viele Erfahrungen gesammelt, die mir jetzt an mancher Stelle einen etwas anderen Blickwinkel ermöglichen. Ein großer Unterschied zwischen den USA und Europa ist zum Beispiel der bei uns fast übermächtige Bürokratismus. Aber auch die Märkte selber unterscheiden sich: Der deutsche Maschinenbau ist konservativ aufgestellt, der 3C-Markt – und hier besonders der in den USA – eher schnelllebig. Die Kunden haben völlig unterschiedliche Erwartungshaltungen. Hier sind wir als Hersteller gefordert: Wir müssen in der Lage sein, Kunden weltweit und in allen Märkten optimal zu unterstützen.

Was heißt das konkret?

Wir schaffen klare Strukturen, die jedem einzelnen von uns Raum für Kreativität und Innovation bieten, die aber auch die genaue Richtung weisen, in die sich das Unternehmen entwickeln soll. Im Gesamtkontext ist das essenziell. Denn auf der einen Seite haben wir hervorragend ausgebildete Mitarbeiter und können wettbewerbsfähig bauen, auf der anderen Seite müssen wir im Wettbewerb mit Asien bestehen, wo die Kostensituation eine ganz andere ist als hierzulande. Um langfristig wachsen zu können, müssen wir unsere Prozesse und Abläufe verbessern und so wenig bürokratisch sein wie möglich. Gleichzeitig müssen wir Innovationen fördern und Zeichen setzen als moderne Firma. Digitalisierung ist ein wichtiges Thema.

Ein Umbruch?

Nein, das wäre zu stark ausgedrückt. Wir halten an bewährten Strukturen fest, und maximale Kontinuität ist uns sehr wichtig – vor allem mit Blick auf unsere Kunden. Dennoch wollen und müssen wir modern sein, unsere Kundenservices verbessern und insgesamt schneller und effizienter werden.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Aufbauend auf unserer Tradition und auf Werten wie „Made in Germany“ wollen wir unsere Internationalisierung weiter vorantreiben und unsere Marktsegmente intensiver ausbauen.

Sofern es die gesamtwirtschaftliche Lage zulässt …

Natürlich ist das Erreichen unserer Ziele konjunkturabhängig. Aber auch wenn 2019 für uns vielleicht kein Wachstumsjahr wird, nutzen wir die Zeit, um uns auf kommendes Wachstum vorzubereiten. Wir haben allein im letzten Jahr knapp 70 neue Mitarbeiter eingestellt, können auf eine breite Produktbasis zurückgreifen und sind in unterschiedlichsten Branchen unterwegs, sodass wir nicht ausschließlich von der Entwicklung eines einzelnen Marktes abhängig sind. Das sind gute Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum. Und wir haben noch viele Ideen.