Exclusiv-Interview - 35 Jahre Viscom »Auf das Zusammenspiel kommt es an«

Das Potential von 5G und KI

Welches Potenzial erwarten Sie von 5G?

5G bringt neue Antennentechnologien mit sich. Die großflächige Einführung von 5G-Mobilfunknetzen – wie sie in der Zukunft beispielsweise für autonomes Fahren mit C2C- (Car To Car) und C2I- (Car To Infrastructure) Kommuniation benötigt werden – erzeugen einen hohen Bedarf für besonders große Baugruppen mit aufwändiger optischer und Röntgeninspektion in vielen neuen Sonderfertigungslinien. Die Antennen und Baugruppen sind deutlich größer und schwerer als bislang und passen nicht auf herkömmliche Prüflingsträger. Davon versprechen wir uns – unter anderem aufgrund unseres Sondermaschinenbau-Know-hows – in den kommenden drei bis fünf Jahren großes Potenzial. Wir haben die Prüftechnik und die Möglichkeit, große, schwere Baugruppen zu testen.

Immer häufiger hört man die Aussage: »Die Software ist das A und O eines Systems.« Würden Sie das unterschreiben? Und welchen Stellenwert hat die Softwareentwicklung bei Ihnen?

Die Software wird zunehmend wichtiger – im Inspektionssystem und darüber hinaus. Dem tragen wir Rechnung, indem wir zum 1.1.2019 unsere Kapazitäten in einem Geschäftsbereich Software gebündelt und unter eine eigene Leitung gestellt haben. Letztlich kommt es aber immer auf das Zusammenspiel von Maschine, Sensorik und Software an. Jedes für sich betrachtet ist nicht ausreichend.

Stabile, schnelle Hardware plus intelligente Software – Viscoms Stärke?

Ja, absolut. Hardwareseitig bringen wir unsere traditionellen Kernkompetenzen aus dem Maschinenbau, der Sensorik, der Optik und der Röntgentechnologie mit. Nun paaren wir das Ganze noch mit innovativen Softwarekonzepten, in die unsere 35 Jahre lange Erfahrung einfließt. Daraus entstehen wegweisende Inspektionslösungen für die Zukunft.

Inklusive künstlicher Intelligenz?

Ja, auch. KI und neuronale Netze werden jetzt erstmals richtig zur Bildauswertung angewandt, weil die Rechnertechnik nun soweit ist. KI steht in unserer Branche noch relativ am Anfang, wird aber einen rasanten Aufschwung erleben. Wir selber setzen KI-Module bereits zur Bediener-Unterstützung auf unserem Verifikationsplatz ein. Das Ziel ist jedoch, KI direkt auf dem Inspektionssystem arbeiten zu lassen und so die „Fehlerquelle Mensch“ zu entlasten und die Qualität insgesamt zu verbessern.

Im Zeichen der Industrie 4.0 dreht sich gefühlt alles nur noch um das automatisierte Testen und um Inline-Systeme. Welchen Stellenwert hat die manuelle Röntgeninspektion noch in der Industrie? Und welchen Ansatz fahren Sie bei Viscom?

Am Begriff „manuelle Inspektion“ habe ich mich immer ein wenig gestört. Man legt eine Probe ins Röntgensystem, schließt die Klappe und dann geht doch alles automatisch. Aber es ist natürlich richtig – die Nachfrage nach Inline-fähigen Systemen ist deutlich höher als nach „manuellen“. Die haben aber durchaus auch ihre Daseinsberechtigung, beispielsweise bei der Fehleranalyse im Entwicklungslabor oder auch bei der hochauflösenden Computertomografie. Wir bieten beides an.