Kommentar ams: Jetzt kommt die große Hürde

Heinz Arnold, Chefredakteur
Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@weka-fachmedien.de

Das Pokerspiel um Osram hat ams gewonnen - jetzt stehen die Österreicher vor den wirklichen Herausforderungen.

Am Schluss wurde es noch einmal richtig spannend, doch das Konzept des clever agierenden und stets gut gelaunt lächelnden ams-CEOs Alexander Everke ist aufgegangen: ams übernimmt Osram. Auf dem Weg zum „global führenden Hersteller von Photonik- und Sensorsystemen“ war dies jedoch nur die erste Hürde.

Die zweite dürfte noch höher sein: Vertrauen zu schaffen und Osram nach der heftigen Übernahmeschlacht zu integrieren. Olaf Berlien, CEO von Osram, gibt sich nun zwar als Befürworter des Konzepts von ams zu erkennen – doch erst im zweiten Anlauf ließ er sich überzeugen, nachdem nach seinen Worten der Widerstand der Arbeitnehmervertreter und harte Verhandlungen zu weitreichenden Vereinbarungen geführt hätten. Mit Vertrauen habe das weniger zu tun gehabt. Die Arbeitnehmervertreter schenken der Sache gar kein Vertrauen.

Berlien schwebt nun eine Fusion unter Gleichen vor. Allerdings übernimmt ams kein florierendes Unternehmen, sondern ein angeschlagenes, das ja zuerst einmal in diese Situation hatte kommen müssen. Da regt es schon zum Schmunzeln an, wenn Berlien Osram als „ingenieurgetrieben und manchmal etwas langsam“ beschreibt, ams dagegen mit dem Etikett einer „Startup-Mentalität“ versieht. Tatsächlich ist es ams gelungen, sich von einem ASIC-Anbieter zum Hersteller von Sensoren und Sensorsystemen zu wandeln. Everke hat diesen Weg konsequent und erfolgreich fortgesetzt.

Jetzt besteht die Chance, dass auch Osram sich wandelt und das enorme technische Potenzial umsetzen kann, das in dem Unternehmen steckt. Wenn der Plan von Everke aufgeht, können beide zusammen ganz neue Systeme entwickeln, um neue Märkte zu erobern.

Trotz der enormen Verschuldung? Falls das wirtschaftliche Umfeld für ams günstig bleibt, durchaus. Denn gerade weil sich ams so erfolgreich gewandelt hat, generiert es einen Cash-Flow, der es erlauben sollte, die enormen Schulden durch die fremdfinanzierte Osram-Übernahme zügig abzubauen.

Und falls sich das wirtschaftliche Umfeld verdüstert? Die Systeme von ams erfreuten sich überdurchschnittlicher Nachfrage. Für die neuen Systeme des gemeinsamen Unternehmens werde das laut Everke erst recht gelten – vorausgesetzt, die Integration gelingt. Everke, den so leicht nichts erschüttern kann, blickt also gewohnt optimistisch in die Zukunft – spannend bleibt der Übernahmekrimi allemal.