Strapazierter Hoffnungsträger Zahlen, Fakten, Fantasien

Viele IoT-Anwendungen könnten von der 5G-Technologie profitieren, werden die nächsten Jahre aber hauptsächlich LTE nutzen.

Viele Unternehmen wollen am 5G-Hype partizipieren, und auch die Politik hat ein neues Thema beziehungsweise Druckmittel identifiziert. Trotz guter wirtschaftlicher Aussichten für den neuen Kommunikationsstandard sollte die technische, physikalische Realität nicht aus den Augen verloren werden.

Gefühlt geht es nun endlich los mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G in Deutschland: Nach 497 Runden ist die Versteigerung der 5G-Frequenzen beendet. Die vier beteiligten Unternehmen Deutsche Telekom, Drillisch, Telefónica und Vodafone haben sich für insgesamt 6,55 Milliarden Euro Frequenzblöcke gesichert.

Obwohl dem Staatshaushalt nun ordentlich Mittel zufließen, hinterlässt die Auktion einen bitteren Nachgeschmack: »Der Netzausbau in Deutschland hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können. Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld fehlt den Netzbetreibern jetzt für den Netzausbau. Mit dem Auktionserlös hätte man circa 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können«, betont Dirk Wössner, Vorstand der Telekom Deutschland. »Wir wollen jetzt loslegen. Dabei gilt weiter unser Angebot, den Netzausbau im ländlichen Raum gemeinsam mit unseren Wettbewerbern anzugehen. Dazu werden wir Gespräche aufnehmen.«

Gesprächsbereit und euphorisch ist auch die Zulieferkette: Von den Kunststofflieferanten über Jitter-Dämpfer-Anbieter bis hin zu mmWave-Chipsatzherstellern sehen sich viele bestens aufgestellt und wollen am Erfolg partizipieren – doch genaue Zahlen will keiner vorlegen. Einen konkreten Ausblick auf 5G wagt hingegen Ericsson mit seinem aktuellen „Mobility Report“. Demnach sollen hauptverantwortlich für hohe Stückzahlen, zumindest in den Anfangsjahren, die Smartphones werden. 5G-Smartphones in allen drei Frequenzbändern werden nach Angaben von Ericsson voraussichtlich 2019 verfügbar sein. Die ersten 5G-Geräte, die bereits im Jahr 2018 auf den Markt kamen, waren Pocket-Router. Erste 5G-Smartphones folgten bereits zu Beginn dieses Jahres.

Allerdings basiert diese erste Welle auf einer Non-Standalone-Architektur (NSA), das heißt 5G-Netzwerke werden von der bestehenden 4G-Infrastruktur unterstützt. Aufgrund der anfänglich begrenzten 5G-Netzabdeckung wird der Rückgriff auf 4G-Netze für die Servicekontinuität noch eine ganze Weile wichtig sein. Die Halbleiterlieferanten wie Qualcomm und Mediatek arbeiten bereits an den ersten Chipsätzen, die die Standalone-Architektur (SA) unterstützen, und Ericsson erwartet, dass die darauf basierenden Geräte in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 verfügbar sein werden.

Auf globaler Ebene rechnet Ericsson damit, dass die 5G-Netzwerkimplementierungen im Laufe des Jahres 2020 zunehmen werden, was die Grundlage für die massive Einführung von 5G-Abonnements bildet. Die meisten neuen 5G-Abonnenten sollen Benutzer sein, die ihre 4G-Handys gegen 5G-kompatible Geräte eintauschen, nachdem die 5G-Dienste auf ihrem Markt eingeführt wurden. Bis zum Ende des Zeitraums ist es auch wahrscheinlich, dass viele junge Nutzer in reifen Märkten ein 5G-Smartphone als erstes Gerät erhalten.

Angesichts der Dynamik am Markt hat Ericsson seine anfängliche Prognose für 5G-Abonnements angehoben und erwartet nun bis Ende 2024 1,9 Milliarden 5G-Verträge – was zu diesem Zeitpunkt über 20 Prozent aller Mobilfunkteilnehmer ausmacht. Der Höhepunkt der LTE-Abonnements wird bereits für 2022 mit rund 5,3 Milliarden Abonnements prognostiziert, wobei die Zahl danach langsam abnimmt. LTE wird jedoch auf absehbare Zeit die dominierende mobile Zugangstechnologie durch Abonnement bleiben, und es wird erwartet, dass es bis Ende 2024 fast 5 Milliarden Abonnements geben wird.

Weniger publikumsträchtig als die Smartphones sind die IoT-Devices – dafür sind sie sehr interessant für die Stückzahlen. So rechnet beispielsweise Ericsson bis zum Jahr 2024 mit mehr als 22 Milliarden Geräten weltweit. Der Weg dahin ist durch ein rasantes Wachstum gekennzeichnet, das auch schon begonnen hat: So schätzen die Marktforscher von Berg Insight, dass die weltweite Zahl der Mobilfunk-IoT-Abonnenten (inkl. ältere Verträge) bereits im Jahr 2018 um 70Prozent auf 1,2 Milliarden zum Jahresende gestiegen ist – das entspricht rund 13 Prozent aller Mobilfunkteilnehmer. Der jährliche Absatz von neuen mobilen IoT-Geräten stieg 2018 um 76,2 Prozent auf 651,9 Millionen Einheiten. Getragen wurde das Wachstum von einer außergewöhnlichen Marktexpansion in China, wo die installierte Basis an Mobilfunk-IoT-Verbindungen gegenüber dem Vorjahr um 124 Prozent auf insgesamt 767 Millionen Ende 2018 anstieg.