Interview mit Falk Senger, Messe München „Wir gehen fest davon aus, dass die electronica stattfinden wird“

Nach dem Lockdown kommen die Lockerungen – entsprechend optimistisch ist Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München, dass die electronica im November ein positives Signal für die Elektronikbranche setzen wird. Wie die konkrete Umsetzung aussehen soll, erläutert er im Markt&Technik-Interview.

Markt&Technik: Herr Senger, inzwischen werden die strengen Auflagen der Corona-bedingten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen schrittweise wieder gelockert. Wann rechnen Sie damit, dass die Messe München wieder Veranstaltungen durchführen kann?

Falk Senger: Im Rahmen dieser bisherigen Lockerungen stand auch die Bewertung von Messen und Kongressen zur Debatte. Mittlerweile werden diese von der Politik im Gegensatz zu Rockkonzerten und Volksfesten nicht mehr als „Großveranstaltungen“ eingestuft. Daher sind wir bei der Messe München optimistisch, dass ab September wieder uneingeschränkt Veranstaltungen auf unserem Gelände stattfinden können – natürlich unter Durchführung entsprechender Schutz- und Hygienemaßnahmen.

Für die Elektronikbranche ist natürlich die electronica (10. bis 13. November 2020) von besonderer Bedeutung. Wie sieht da der aktuelle Stand der Planung aus?

Selbstverständlich geht das Thema Corona nicht spurlos an den Vorbereitungen für die electronica vorbei. Schutz- und Hygienekonzepte werden zusammen mit den zuständigen Behörden erarbeitet und deren Umsetzung vorbereitet. Und der Austausch mit unseren Ausstellern und Dienstleistern ist noch intensiver als sonst. Wir gehen aber heute fest davon aus, dass die electronica im Herbst sicher und erfolgreich stattfinden wird. Aus diesem Grund liegen die Messevorbereitungen voll und ganz im Zeitplan.

Mitte Mai hat sich der Fachbeirat der electronica getroffen, zu dem Vertreter u.a. von Infineon, NXP, Rutronik und TDK gehören. Welches Feedback haben Sie von den Mitgliedern bekommen?

Bereits vor der Fachbeiratssitzung waren wir im engen Austausch mit den Mitgliedern des Fachbeirates und sonstigen Kernausstellern und haben die einzelnen Unternehmen immer wieder um ihre Einschätzung der Situation gebeten. Der Grundtenor war und ist positiv. Bei der Fachbeiratssitzung wurde noch einmal betont, wie wichtig das Stattfinden der electronica für die Branche ist. Von ihr erwarten sich die Unternehmen ein positives Signal in den Markt und das Nachholen schmerzlich vernachlässigter Kundenkontakte. Daher ziehen wir gemeinsam mit dem Fachbeirat an einem Strang, um die electronica 2020 zu realisieren.

Wie nehmen Sie die Stimmung in der Elektronikbranche insgesamt wahr? Gibt es da unterschiedliche Einschätzungen z.B. von amerikanischen oder asiatischen Unternehmen? Konkret: Wie sieht es mit der aktuellen Zahl der Aussteller-Voranmeldungen aus im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt 2018?

Derzeit haben sich rund 1.700 Unternehmen für die diesjährige electronica angemeldet. Zum gleichen Zeitpunkt vor zwei Jahren waren es nur geringfügig mehr Aussteller. Daher hoffen wir, dass wir so nah wie möglich an das Ergebnis von 2018 herankommen werden, zumal wir mit zahlreichen „Last Minute“-Anmeldungen rechnen. Die Zahlen des ZVEI zeigen, dass die Stimmung in der Branche aktuell gedämpft ist. Gerade deshalb ist es aber umso wichtiger, dass die electronica im November stattfindet. Wir sehen diese Tage, dass sich die Situation in Asien, vor allem in China, wieder deutlich entspannt. Daher sind wir optimistisch, dass sich dieser positive Trend in den nächsten Monaten auch auf die anderen Weltregionen überträgt.