Interview mit Falk Senger, Messe München „Wir gehen fest davon aus, dass die electronica stattfinden wird“

Bestmöglicher Schutz von Besuchern und Ausstellern

Auch bei weiter sinkenden Infektionsraten wird die electronica 2020 sicherlich anders aussehen als ihre Vorgänger: Welche Maßnahmen planen Sie, um für den bestmöglichen Schutz von Besuchern und Ausstellern zu sorgen?

Die electronica zählt zu den größten Veranstaltungen der Messe München. Im Jahr 2018 hat sie 17 von 18 Hallen belegt. Um eine derartige Veranstaltung unter den Auswirkungen der Corona Pandemie sicher durchführen zu können, benötigen wir ein besonderes Schutz- und Hygienekonzept. Dieses hat die Messe München bereits entwickelt und stimmt es derzeit mit den zuständigen Behörden ab. Konkrete Maßnahmen sind die Einrichtung von Sanitätsstationen, die mit qualifiziertem medizinischem Personal besetzt sind, Desinfektionsmittelspender auf dem gesamten Messegelände und der kontinuierliche Einsatz von Reinigungsdiensten. Letztlich kommt uns hier die hervorragende Infrastruktur des Münchener Messegeländes entgegen, die höchste Hygienestandards gewährleistet und aktuell sogar noch weiter verbessert wird.

Neben solchen Maßnahmen, bei denen Sie als Veranstalter selbst aktiv werden können, sind Sie aber auch von Regelungen abhängig, die außerhalb Ihres Einflussbereichs liegen, etwa in Form von Reisebeschränkungen oder im Worst Case einem erneuten Lockdown. Wie bereiten Sie sich strategisch auf solche Situationen vor?

Bei einem internationalen Besucheranteil von 50 Prozent wirken sich Reisebeschränkungen natürlich auf eine Weltleitmesse wie die electronica aus. Hier gehen wir davon aus, dass sich die Situation bis zum Herbst weiter entspannt. Uns ist aber bewusst, dass die Zahl der Besucher, die aus Übersee zur electronica kommen werden, vermutlich rückläufig sein wird.

Noch konkreter gefragt: Wie sieht die Risikoverteilung zwischen Veranstalter und Ausstellern aus? Gibt es z.B. erweiterte Stornierungsfristen?

Zum aktuellen Zeitpunkt gelten die bekannten Stornierungsrichtlinien der Messe München. Im Fall einer Absage der Messe wird der Beteiligungspreis zurückerstattet. Zudem geben wir den Firmen mehr Zeit, ihre Fläche zu bestätigen. Schließlich stehen wir in engem Kontakt mit der Münchener Hotellerie. Im Falle anstehender verbindlicher und damit für unsere gemeinsamen Kunden kostenpflichtiger Stornierungstermine, hat uns die Hotellerie Flexibilität zugesichert, da auch den hiesigen Hotelbetreibern an der Aufrechterhaltung guter Kundenbeziehungen gelegen ist.

Eine electronica als der weltweite Branchentreff lebt sehr stark von den zahlreichen direkten persönlichen Kontakten, die dort möglich sind. Wäre für Sie trotzdem eine electronica als rein virtuelle Veranstaltung denkbar?

Sie sagen es, die electronica lebt von den zahlreichen persönlichen Kontakten vor Ort. Tatsächlich hat Corona der Digitalisierung einen kräftigen Schub gegeben. In den vergangenen zehn Wochen habe ich an wesentlich mehr Videokonferenzen teilgenommen, als zuvor in meinem gesamten Berufsleben. Diese Entwicklung lassen wir auch in die Planung von digitalen Angeboten für die electronica einfließen. Für mich wäre zum Beispiel denkbar, als ersten Schritt die electronica Konferenzen digital zu „verlängern“, also eine Teilnahme auch Interessierten zu ermöglichen, die nicht nach München reisen konnten oder wollten.