Funknetzausbau Wege zu mehr Reichweite

Der Ausbau der Funknetze verlangt nach intelligenten Lösungen, um Zeit und Kosten zu sparen.

Funklöcher nerven schon in den bestehenden Netzen – entsprechend größer sind die Herausforderungen für den Aufbau der 5G-Netze. Mit gemeinsamen Masten und Spectrum-Sharing gehen die Anbieter das Problem an.

Einen gemeinsamen Kampf gegen Funklöcher haben Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone angekündigt und wollen künftig beim Ausbau ihrer Mobilfunknetze eng zusammenarbeiten. Ziel ist eine bestmögliche mobile Breitbandversorgung für die Kunden in ganz Deutschland, insbesondere auf dem Land und entlang der Verkehrswege auf Straßen, Schienen und Flüssen. Deren Versorgung war den Betreibern im Zuge der Frequenzauktion auferlegt worden. Dafür planen die drei Telekommunikationsanbieter, bis zu 6000 neue Mobilfunkstandorte koordiniert aufzubauen und zu nutzen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde bereits unterzeichnet. 1&1/Drillisch ist eingeladen, sich an dem kooperativen Netzausbau zu beteiligen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, in gleichem Umfang am Ausbau mitzuwirken.

»Die geplante Kooperation ist ein Meilenstein für den Netzausbau in Deutschland«, betont Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner. »Uns Mobilfunkanbieter verbindet das Ziel, noch bestehende weiße Flecken im Mobilfunknetz schnellstmöglich zu schließen. Infrastruktur zu teilen ist für uns nicht neu, in diesem Umfang aber ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung. Denn schnelles Internet und hervorragende Sprachqualität auf Straße, Schiene und Wasser sind für eine mobile Industrienation wie Deutschland entscheidend.«

Der gemeinsame Aufbau zusätzlicher Funkmasten und -türme sowie deren technische Versorgung und Nutzung spart signifikant Zeit und Kosten gegenüber einem parallelen individuellen Ausbau. Vorgesehen ist, dass die beteiligten Unternehmen eine gleiche Anzahl neuer Standorte errichten, die dann von den Kooperationspartnern nach Bedarf zu gleichen Bedingungen genutzt und mit eigenen Antennen und Netztechnologie ausgerüstet werden können.

»Wir machen so mehr Mobilfunk möglich, wo er nicht wirtschaftlich ist«, erklärt Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland. »Davon profitieren künftig Hunderttausende, ob in kleinen Landgemeinden, an Straßen oder Bahnstrecken. In weißen Flecken werden wir Betreiber gemeinsam bauen und teilen. Und im Rest des Landes uns weiterhin im starken Infrastrukturwettbewerb gegenüberstehen. Das ist gut fürs Netz, gut für den Kunden und gut für Deutschlands digitale Zukunft.«

Nachdem die Mobilfunkbetreiber im Sommer 2019 bei der Versteigerung der neuen Funklizenzen rund 6,5 Mrd. Euro investiert haben, dient die angestrebte Zusammenarbeit dazu, auf wirtschaftlich tragbarem Weg Funklöcher in wenig besiedelten Regionen und entlang von Verkehrswegen zu schließen. Die im Zuge der Frequenzauktion 2019 von der Bundesnetzagentur (BNetzA) verhängten Versorgungsauflagen erfordern Investitionen in Milliardenhöhe. Die drei Unternehmen halten die Auflagen nach wie vor für unverhältnismäßig und rechtswidrig, weshalb sie ihre laufenden Klagen aufrecht erhalten. Zudem zeige die Realität, dass durch vermehrte Bürgerinitiativen und administrative Hürden der Ausbau der Netze, wo er teils am meisten benötigt wird, oft nur schleppend vorangeht.